Die Hoffnung der Schweizer AKW-Befürworter heisst «Thorium», ein radioaktives Element, dass als Brennstoff in Atomreaktoren verwendet werden kann. Rolf Soiron, Verwaltungsratspräsident der Lonza und Vorstandsmitglied von Economiesuisse, sprach in der «SonntagsZeitung» von Thorium betriebenen Reaktoren als ernst zu nehmende Zukunftsoption – und als Argument gegen ein totales Verbot der Atomkraftwerke in der Schweiz.

Seit 40 Jahren wird geforscht

Nur, neu sind Thorium-Reaktoren nicht. Im Gegenteil. Seit 40 Jahren wird an der Technologie geforscht – bis 1986 auch in Deutschland. Mit eher geringem Erfolg. «Der Thorium-Reaktor in Hamm-Uentrop wurde vor allem dadurch bekannt, dass er so schlecht gelaufen ist, wie kein anderer in Deutschland», sagt Mycle Schneider, deutscher Atomexperte und Träger des alternativen Nobelpreises. Panne reihte sich an Panne, die Baukosten vervierfachten sich.

Die sichere Zukunft der Atomkraft?

Trotzdem sind jetzt wieder Forschungen im Gange. Gemäss World Nuclear Association sind derzeit zwei Thorium-Reaktoren in China in Bau. Auch in Indien gibt es Projekte. Experten rechnen in China mit einem industriellen Einsatz frühestens in 10 Jahren. Weniger optimistisch ist die französische Regierung: Nicht vor 2040 heisst es da. In der Atomindustrie gilt Thorium bei manchen als sichere Zukunft der Atomkraft. Falsch, sagt Mycle Schneider. «Auch mit Thorium ändern sich die Grundprobleme der Atomenergie nicht.» Weder die Sicherheitsfrage noch die Abfallproblematik, noch die Gefahr von Proliferation seien damit behoben.

Doch in der Schweiz hat Thorium offenbar als Argument für ein so genanntes Technologieverbot gestochen. Ein Argument, das Mycle Schneider nicht versteht: «Wieso sollen wir Milliarden in eine Technologie investieren, von der wir nicht einmal wissen, ob sie überhaupt etwas taugt?» Er hält den Kampf gegen den Atomausstieg für die «letzten Zuckungen der Industrie».