Schweiz erhält Covid-Impfung
Die gute Nachricht hat einen Haken: Warum wir trotz der Impfung noch Monate warten müssen, bis sich etwas ändert

Noch in diesen Tagen kommt die Impfung: Das ist die gute Nachricht aus Bern. Doch die Behörden mahnen zu Geduld. Es könnte alles noch länger dauern, als es nun scheint.

Lucien Fluri
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Die Schnelltests sind da, bei den Corona-Impfungen ist jedoch Geduld gefragt, auch wenn sie demnächst begonnen werden.

Die Schnelltests sind da, bei den Corona-Impfungen ist jedoch Geduld gefragt, auch wenn sie demnächst begonnen werden.

Bruno Kissling

Was für Hoffnungen löst diese Nachricht aus: In der Schweiz wird schon in wenigen Tagen geimpft werden können. Das teilten die Behörden am Samstag mit. Die Heilmittelbehörde Swissmedic hat einem Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer soeben die Zulassung erteilt.

Ein Tag nachdem der Bundesrat wieder alle Restaurants zugemacht hat, gibt es einen Lichtblick; ein Aufatmen für die coronamüde Schweiz. Ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk?

Die gute Nachricht hat einen kleine Haken: So rasch wird sich der von Einschränkungen geprägte Covid-Alltag nicht ändern. Die Behörden mahnen:

Es braucht Geduld.

Oder, wie sie am Samstag an einer Pressekonferenz sagten: Wir erhalten jetzt ein Weihnachtsgeschenk. Aber es ist eben ein Gutschein. Wir können ihn später einlösen, wenn die Läden wieder offen sind. Vorerst müssen wir warten.

Warum dauert es länger?

Dies sind die Gründe, weshalb wir Geduld brauchen:

  1. Die Schweiz erhält noch im Dezember 107'000 Impfdosen. Ab Januar bekommt sie vom Hersteller 250'000 Dosen pro Monat. Damit kann nur ein kleiner Teil der Risikogruppe geimpft werden. Bis alle geschätzten 2 Millionen eher Gefährdeten geimpft sind, dauert es bei diesen Zahlen Monate. Schliesslich braucht jeder zwei Dosen, damit das Vakzin Wirkung zeigt. Man habe mit 250'000 Impfdosen das Maximum herausgeholt in den Verhandlungen mit dem Hersteller, sagen die Behörden. Die Schweiz ist schliesslich nicht das einzige Land, das auf den Impfstoff wartet.
  2. Eine Impfung reicht eben nicht: Es braucht zwei Impfungen, damit jemand vor Covid geschützt ist. Die zweite erfolgt 21 Tage nach der ersten, bis sie wirkt dauert es nochmals einige Tage. Wenn man heute zu impfen beginnt, hat man den Schutz also erst in etwa einem Monat.
  3. Es ist noch nicht ganz klar, ob eine geimpfte Person das Virus trotzdem übertragen kann oder nicht. Das ist ein entscheidender Punkt in der Frage, wie sich die Pandemie entwickelt. Wird das Virus weiter übertragen, wird der Verlauf der Pandemie weniger stark gebremst. Bisher scheint es, glücklicherweise, als ob dies nicht der Fall wäre. Geklärt ist die Frage wissenschaftlich aber noch nicht genügend.
  4. Unklar ist, wie die Bevölkerung mitmachen wird. Die Impfung ist freiwillig, in einigen Gruppierungen ist die Skepsis gross – oder die Angst vor Nebenwirkungen. Diese sind laut der Heilmittelbehörde Swissmedic mit einer Grippe zu vergleichen. Die Impfung sei sicher, betonen die Fachleute.

Schweiz geimpft? Frühstens in sechs Monaten

Wann also wird ein Grossteil der Bevölkerung geimpft sein?

Neben Pfizer/Biontech arbeiten noch weitere Hersteller an Impfstoffen, die in den nächsten Monaten zugelassen werden dürften. Die Schweiz hat sich insgesamt 15 Millionen Impfdosen gesichert. Bestenfalls, so sagt Anne Lévy, Direktorin des Bundesamtes für Gesundheit, könnte die Schweizer Bevölkerung innert sechs Monaten geimpft werden. Das ist aber eben auch abhängig davon, wann die nächsten Impfstoffe zugelassen werden.