Grün macht offenbar aggressiv - so scheint es zumindest, wenn man die Studie des Deutschen Seminars der Universität Zürich interpretiert. Die Autoren haben unter anderem untersucht, welche Reden der Schweizer Parteien vor dem Parlament das grösste Konfliktpotential aufweisen.

Als konfliktorientiert wird eine Rede eingestuft, wenn sie eine Art von Ablehnung, Vorwurf, Angriff oder Beleidigung enhält.

Freisinnige halten zahme Reden

Das Resultat ist klar: Die Reden der Grünen Politiker enhalten mit grossem Abstand das grösste Konfliktpotential, gefolgt von jener der SP und der BDP. Besonders harmonisch geht es hingegen bei den Freisinnigen zu her.

Ihre Reden enthalten am meisten Lob, Zustimmung und Verständnis. Aber auch die SVP - in Kampagnen und Diskussionsrunden jeweils besonders streitsüchtig - zeigt sich in politischen Reden vor dem Parlament zahm.

Dass die Grünen derart aggressiv auftreten, könnte laut der «Weltwoche» damit zu tun haben, dass es sich um die einzige reine Oppositionspartei handelt, die bei der Untersuchung einbezogen wurde.

Befehle macht die SVP gerne

Interessant ist der Vergleich der Tonalität der Parteienvorsteher, wenn sie im Parlament politische Forderungen vortragen. Wer formuliert seine Anliegen eher als Bitte, wer macht eine klare Aufforderung und wer erteilt sogar Befehle?

Hier ist - im Gegensatz zu den Reden - die FDP am forschesten. In 30 Prozent der Wortmeldungen greift diese zum Befehlston, gefolgt von der SVP mit über 25 Prozent. 

Aufforderungen kommen am häufigsten von den Grünen, gefolgt von der CVP.

Besonders zahm ist hingegen die BDP: Sie bittet in über 60 Prozent der Wortmeldungen darum, ihre Ideen zu berücksichtigen. Und auch die SP bittet ihre Parlamentskollegen lieber darum, einen Vorschlag zu befolgen, als das sie dieses befiehlt. (jep)