Medien
«Die Gratiskultur hat die Zahlungsbereitschaft zerstört»

Mark Eisenegger über den Befund, dass Online-Medien besser sind als ihr Ruf.

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Mark Eisenegger, Stiftungspräsident Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG).

Mark Eisenegger, Stiftungspräsident Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG).

ZVG

Herr Eisenegger, vor drei Jahren schimpfte Ihr Vorgänger, der 2015 verstorbene Kurt Imhof, bei Onlinemedien würden «Kindersoldaten» in «Verrichtungsboxen» miserable Arbeit abliefern. Nun stellen Sie fest: Die Qualität der Online-Portale ist merklich gestiegen. Sind Sie überrascht von diesem Befund?

Mark Eisenegger: Ja, so deutlich hätte ich den Qualitätssprung nicht erwartet. Ich erkläre ihn mir mit einem Strategiewechsel vieler Medienhäuser: Früher hatten die Printausgaben Vorrang, nun werden auch hervorragende, exklusive Artikel online gestellt – häufig, noch bevor die Printzeitung überhaupt in den Druck geht. So hoffen die Verleger, die Zahlungsbereitschaft der Nutzer zu erhöhen.

Online ist diese nach wie vor sehr tief: Nur elf Prozent der Nutzer sind bereit, für digitalen
Journalismus zu bezahlen. Weshalb?

Wegen der im Netz vorherrschenden Gratiskultur, das zeigen unsere Studien eindeutig. Jene, die nicht bereit sind, für Online-Journalismus in die Tasche zu greifen, sagen sich: Dieselben oder zumindest ähnliche Informationen sind auch gratis verfügbar. Daran tragen die Verleger die Hauptschuld: Sie haben den Wert des Journalismus vermindert, indem sie ihn kostenlos unters Volk brachten.

Wir stehen vor einem medienpolitisch spannenden Jahr: Im nächsten März wird über die No-Billag-Initiative abgestimmt, danach legt der Bundesrat sein Mediengesetz vor. Mit welchen Gefühlen gehen Sie ins Jahr 2018?

Mit sehr gemischten. Die No-Billag-Initiative ist brandgefährlich: Wir benötigen einen öffentlichen Rundfunk dringend, nicht zuletzt, um uns über vier Sprachregionen hinweg verständigen zu können. Doch die Abstimmung dürfte extrem knapp ausfallen. Und selbst wenn sie gewonnen würde, geht es weiter: Denn bereits planen die SRG-Gegner ihre nächste Attacke.