Firma

Die gleiche Firma gleich zweimal ausgenommen?

Nicht mehr viel zeugt davon, dass mit der Seriplakat AG hier einst eine erfolgreiche Druckerei logierte. (Bild: Toni Widmer)

Seriplakat

Nicht mehr viel zeugt davon, dass mit der Seriplakat AG hier einst eine erfolgreiche Druckerei logierte. (Bild: Toni Widmer)

AARAU Über die Firma Seriplakat AG ist per Anfang Jahr das Konkursverfahren eröffnet worden. Gegen die zwei letzten Geschäftsführer laufen Untersuchungen.

Heinz Härdi

Schamlos haben sich angeblich der frühere Geschäftsführer v. B. sowie der frühere Marketing- und Verkaufsleiter L. an der Seriplakat AG in Aarau bedient. Mindestens 750000 Franken waren es insgesamt, die sie der Firma an Vermögen entzogen haben sollen. Der ab 2006 eingesetzte Sanierer Stefan Wenkebach schaffte es nicht, die Firma zu retten. Anfang Jahr ist das Konkursverfahren eröffnet worden.

Im Konkursfall der Druckerei Seriplakat AG in Aarau sind gleich zwei Untersuchungen eingeleitet worden. Im ersten Verfahren werden die Machenschaften des Geschäftsführers v. B., der 1999 gewählt wurde, und seines Marketing- und Verkaufsleiters L., der ab 2000 tätig war, untersucht. Diese beiden Personen hatten die Firma schon fast in den Ruin getrieben, bis Sanierer Stefan Wenkebach nach eigenen Angaben im Dezember 2005 die Deponierung der Bilanz noch abwenden konnte. Doch nun ist auch gegen ihn eine Anzeige eingereicht worden, und zwar vom Konkursamt in Oberentfelden.

Briefe blieben ungeöffnet

Doch der Reihe nach: Wie ein Krimi liest sich die Anzeigeschrift gegen v. B. und L., die von einem renommierten Badener Anwaltsbüro verfasst wurde. Innerhalb ihrer Anstellungszeit hätten sich die beiden gut 114000 Franken respektive knapp 100000 Franken zu viel Lohn ausbezahlt. Auf Kosten der Firma liessen sie sich diverse Autos wie einen Porsche 911 Carrera, einen Chrysler, Typ Viper, oder einen Mercedes SLK 230 zum Teil oder ganz finanzieren, oder sie liessen sich ihre Wohnungen respektive Häuser bezahlen. Ein früheres Geschäft für Unterhaltungselektronik an der Laurenzentorgasse 4 in Aarau wurde grosszügig mit Unterstützungsbeiträgen bedacht und so weiter. Mindestens 750000 Franken seien so privat abgezweigt worden, geht aus der Anzeigeschrift hervor. Dabei sei die Rekonstruktion der Ereignisse nicht einfach gewesen. Die vom Geschäftsführer v.B. nicht erledigte Korrespondenz füllte etwa einen Kubikmeter, viele Briefe blieben gar ungeöffnet. Kein Wunder, kam die Firma in finanzielle Schwierigkeiten.

Erfolgloser Sanierungsversuch

Offensichtlich traute man der Firma jedoch noch eine Rettung zu. Ab Dezember 2005 trat die Firma Swiss Print Logistik AG in Jona in Erscheinung, welche die Seriplakat AG sanieren sollte. Die Swiss Print Logistik AG wird von Stefan Wenkebach geleitet und hat ihren Sitz seit April in Wettingen. Doch die Sanierung der Seriplakat blieb erfolglos, Anfang dieses Jahres ist das Konkursverfahren eröffnet worden. Während der missglückten Sanierungsphase sei aber nicht alles rechtlich korrekt verlaufen. Dies meint zumindest das Aargauer Konkursamt. Es hat eine Anzeige gegen «die Verantwortlichen » erstattet, wie Moritz Rigendinger, Leiter der Amtsstelle in Oberentfelden, auf Anfrage bestätigt. So droht auch in diesem Fall ein gerichtliches Nachspiel.

2000 Franken Honorar pro Tag

In einem Schreiben an die Gläubiger sind vom Konkursamt mögliche rechtliche Verfehlungen aufgelistet. Demnach habe die Swiss Print Logistik AG Umsätze mit der Seriplakat AG erwirtschaftet. 2000 Franken habe der Tagesansatz für die Tätigkeit von Stefan Wenkebach betragen. Im grossen Umfang lieferte die Swiss Print Logistik AG Papier nach Aarau. Drei Druckmaschinen seien zwecks Mittelbeschaffung quasi unter Wert zu 400000 Franken an die Swiss Print Logistik AG verkauft worden. Von dem Geld seien der Seriplakat AG nur 7000 Franken geblieben. Mit dem Rest seien Forderungen der Swiss Print Logistik AG und der Revisionsstelle beglichen sowie ein Überbrückungskredit bezahlt worden. Das Konkursamt vermutet unter anderem Begünstigungshandlungen.

Firma war nicht zu retten

Stefan Wenkebach hält die Vorwürfe nicht für gerechtfertigt. Er könne alles entkräften. Im Gegenteil, er habe sogar vom eigenen Vermögen investiert und Verluste gemacht, um die Seriplakat AG zu retten. In die Verantwortung ziehen müsse man vielmehr den früheren Geschäftsführer v.B. und seinen Verkaufs-/ Marketingleiter L. Die hätten laut Wenkebach sogar die Sanierung der Seriplakat AG aktiv behindert. Diese AG habe nämlich einen grossen Druckauftrag in der Grössenordnung von einer Million Franken erhalten. Doch die beiden Herren hätten kurz nach ihrer fristlosen Kündigung bei der Seriplakat AG eine neue Firma gegründet mit dem einzigen Ziel, der Seriplakt den Druckauftrag wegzuschnappen, was auch gelang. Sie hätten in Deutschland drucken lassen und die Plakate zum Selbstkostenpreis angeboten. Die entgangenen Einkünfte seien für die Seriplakat AG verhängnisvoll gewesen. «Nicht die Druckmaschinen, sondern die Aufträge waren das Wertvolle an der Firma», sagt Wenkebach. Und diesen Wert habe er schützen wollen. Aufgrund ihrer Zahlungsunfähigkeit habe Seriplakat kein Papier mehr erhalten, deshalb sei die Swiss Print Logistik AG eingesprungen und habe das Papier geliefert. Dass es gegen v. B. und L. zu einem Prozess kommen wird, zeichne sich ab. «Aber das dauert noch zwei Jahre», ärgert sich Wenkebach. Viele Fälle der Wirtschaftskriminalität würden wegen der langen Prozessvorlaufzeiten verjähren, sagt er. Ob auch Stefan Wenkebach selbst wegen seiner Tätigkeit bei der Seriplakat einst vor Gericht erscheinen muss, wird sich weisen.

Kein Firmentotengräber

Schaut man im Internet nach, ergibt eine Abfrage, dass Stefan Wenkebach bei 11 Firmen in irgendeiner Form beteiligt ist, bei 7 steht der Nachsatz «in Liquidation». «Es ist schon so, dass angeschlagene Firmen auf mich zukommen», sagt er. Oft habe er gar von den Aktionären den direkten Auftrag erhalten, eine Firma aufzulösen. Er versuche dann jeweils zu retten, was zu retten ist. So habe er es immerhin geschafft, dass den Angestellten der Seriplakat AG die AHV gezahlt worden ist und praktisch alle Lieferantentrechnungen beglichen werden konnten. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, ein Totengräber von Firmen zu sein. «Bei vielen Engagements, die gut rauskommen, erscheint mein Name nirgends. » Schlagzeilen gebe es halt in diesen Fällen keine, sagt er.

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