43,8 Millionen im Jackpot

Die Geschichten der Schweizer Lotto-Millionäre: Versoffen, verspekuliert, verhaftet

43,8 Millionen Franken sind am Samstag im Jackpot. (Archiv)

43,8 Millionen Franken sind am Samstag im Jackpot. (Archiv)

Heute sind 43,8 Millionen Franken im Schweizer Lotto-Jackpot. Wenn Sie das Geld gewinnen, dürfen Sie sich also freuen. Doch Sie sollten erst die Geschichten der bisherigen Lottomillionäre genau durchlesen. Geld kann zu einer Tragödie werden.

Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, was Sie alles machen würden, wenn Sie plötzlich Lotto-Millionär werden? Würden Sie sich die längst ersehnte Weltreise gönnen? Einen Ferrari kaufen? Ein Haus bauen? Oder vielleicht das Geld in Wertschriften anlegen? 

Wenn Sie heute Samstag die richtigen sechs Zahlen und die Glückszahl im Schweizer Lotto treffen, können Sie sich gleich alle oben erwähnten Dinge leisten. 43,8 Millionen sind im Jackpot - soviel wie noch fast nie in der Geschichte des Schweizer Zahlenlottos (siehe Box links).

Doch wie glücklich wurden die bisher 878 Lotto-Millionäre? In der Schweiz verhalten sich die Gewinner auffällig unauffällig und bleiben meist anonym. Swisslos zwingt die Glückspilze nicht vor die Kameras, so wie es in anderen Ländern gang und gäbe ist. 

Das Pech der Glückspilze

Es gibt nur ganz wenige Geschichten über Schweizer Glückspilze, die an die Öffentlichkeit gelangten. Der berühmteste Schweizer Lotto-Millionär war auch gleich der Erste: Werner Bruni gewann 1979 1,7 Millionen Franken. 

Der Berner Oberländer Installateur verspekulierte sich in der Folge mit einem Mehrfamilienhaus und war sieben Jahre später pleite. 2010 veröffentlichte Bruni das Buch «Lottokönig: Einmal Millionär und zurück». 2014 verstarb der erste Schweizer Lotto-Millionär - mehrheitlich verarmt.

Das Boot lief auf ein Riff

Der Schwyzer Telefon-Monteur Dieter Heiniger war bei seinem Lottogewinn 39 Jahre alt. Er gewann 1,8 Millionen Franken, kündigte seinen Job und versuchte sich als Geschäftsmann. Heiniger kaufte einen unrentablen Nachtklub und versuchte sich als Bootsverleiher in Israel. Anstatt viel Geld zu verdienen, lief sein Boot auf ein Riff und ging unter. So gewonnen, so zeronnen!

Ein Tüftler aus der Ostschweiz wollte sein Gewinn reinvestieren und steckte das ganze Geld in ein Kinderspiel-System aus Plastik-Klötzli. Mit einer 21 Meter langen Eisenbahn-Hängebrücke schaffte er es ins «Guinnessbuch der Rekorde». Später kam er mit den Steuerbehörden in den Clinch, was letztlich eine Gefängnisstrafe zur Folge hatte, wie die NZZ 2006 berichtete.

Auch dem Aargauer Leo Lüthi (†49) brachte das Geld kein Glück. Der Fabrikangestellte hatte 1986 im Deutschen Lotto 3,2 Millionen Mark abgeräumt. Statt das Geld sicher anzulegen, verfiel Lüthi dem Alkohol. 1995 starb er an einem Herzversagen. Sein restliches Vermögen (fast 900'000 Franken) vermachte Lüthi gemäss dem «Blick» dem Behindertenheim im aargauischen Bremgarten.

Zurückgezogen und bescheiden

Unter all diesen traurigen Geschichten gibt es aber auch ein positives Beispiel, welches öffentlich wurde. Im Jahr 1990 gewann der Solothurner Jakob S. 5,5 Millionen Franken und posierte im «Blick». Zu Beginn genoss der Maler den Medienrummel. 

Doch dann wurde dem damals 46-jährigen Junggesellen, der noch bei seiner Mutter wohnte, alles zu viel. Er zog sich zurück und kündigte seinen Job. Ansonsten lebte Jakob S. ganz normal weiter. Nur ein Haus und ein teures Rennvelo leistete er sich bis zu seiner Pensionierung. 

So bescheiden und zurückgezogen wie Jakob S. dürften wohl die meisten der 878 Schweizer Lotto-Millionäre leben. Wenn Sie also am Sonntag das grosse Los ziehen, sollten Sie dem Volksmund glauben schenken, welcher besagt: «Geld ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr.» 

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Autor

Nicola Imfeld

Nicola  Imfeld

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