Winter ists im Wallis, so richtig. Mehrere hoch gelegene Täler – darunter das Mattertal und das Saastal – sind von der Aussenwelt abgeschnitten. Allein in Zermatt sassen gestern 13'000 Touristen fest. «Snow way out» titelte die britische Zeitung «Daily Mail». Kein Weg führte aus Zermatt heraus. Die Strasse war gesperrt, die Bahnlinie unterbrochen, die Lawinengefahr in den umliegenden Hängen zwischenzeitlich auf Stufe 5 («sehr grosse Lawinengefahr»).

So versinkt Zermatt im Schnee

So versinkt Zermatt im Schnee

Selbst für das schneeerprobte Wallis ist das eine Ausnahmesituation. Seit neun Jahren hatte der Winter das Rhonetal nicht mehr so fest im Griff wie dieser Tage. Grund zur Sorge sieht der ehemalige Spitzenskifahrer und heutige Zermatter Hotelbesitzer Max Julen dennoch nicht: «Von Schneechaos zu sprechen, ist übertrieben, auch wenn jetzt ein paar Dörfer eingeschneit sind», sagte Julen gestern am Telefon.

Der Ex-Ski-Profi, der 1984 in Sarajevo den olympischen Riesenslalom gewann, führt das Hotel Beau Rivage Zermatt. Der zweistündige Stromausfall am Dienstagmorgen habe zwar auch sein Hotel betroffen, aber: «Die meisten Gäste schliefen noch. Wir hatten keine Reklamationen. Im Gegenteil: Die Touristen freuen sich über den Schnee.»

Mit dem Lawinenwinter von 1999, als im Wallis an einem Tag 13 Menschen getötet wurden und Sachschäden in Millionenhöhe entstanden sind, will Julen die Situation nicht verglichen sehen. «Solche Schneestürme wie jetzt gibts alle paar Jahre. Das darf man nicht überbewerten.» Die Helikopter seien zwischenzeitlich bereits wieder geflogen.

Ohne Winter keine Uhren

Schwieriger war die Situation für die eingeschneiten Bergler im 17. Jahrhundert, als es noch keine Helikopter und Schneeräumungsmaschinen gab. Statt zu klagen, nutzten sie die Abgeschiedenheit zu kreativen Höhenflügen.

Als besonders einfallsreich erwiesen sich die Bauern des jurassischen Vallée de Joux, die im Winter regelmässig während Monaten eingeschneit waren. Um die Stunden in den kalten Stuben über die Runden zu bringen, bauten sie im Auftrag von Genfer Geschäftsleuten und savoyischen Adligen Uhrenteilchen zusammen und verkauften sie nach der Schneeschmelze ins Unterland.

Auf diese Weise perfektionierten sie ihre feinmechanischen Fertigkeiten und legten den Grundstein für die Schweizer Uhrmachertradition, die sich erst mit der Industrialisierung aus den Bauernstuben in zentralisierte Manufakturen verlagerte.

Solch grossartige Erfindungen werden die eingeschneiten Menschen in den Walliser Tälern heute kaum noch hervorbringen. Die Wetterprognosen stehen gut. Schon heute dürfte Schluss sein mit der winterlichen Abgeschiedenheit.