Gemeindeversammlung Recherswil

Die Gemeindeversammlung erteilt der Vision eine Abfuhr

Gemeindeversammlung Recherswil: Die Rechnung 2008 (169 000 Franken Gewinn) wurde abgesegnet. (Archiv)

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Gemeindeversammlung Recherswil: Die Rechnung 2008 (169 000 Franken Gewinn) wurde abgesegnet. (Archiv)

Die Option Gemeindefusion existiert für die Recherswiler Gemeindeversammlung nicht: Sie verweigerte einer entsprechenden Motion eines Einwohners bereits das Eintreten. Dafür unterstützen die Stimmbürger die Initiative des Einwohnergemeindeverbands.

Samuel Misteli

Als «Vision» sieht der frühere Gemeinderat Andreas Anderegg seine Idee eines Zusammenschlusses von Recherswil mit Halten, Oekingen und Kriegstetten. Die Vision bleibt vorderhand aber eine Utopie: Die Recherswiler Gemeindeversammlung mochte am Donnerstagabend nicht einmal über Andereggs Motion diskutieren - mit 14 gegen 12 Stimmen lehnte sie es ab, auf das Traktandum einzutreten. Dabei hatte der Gemeinderat Anderegg vorsichtigen Support zuteil werden lassen: «Der Gemeinderat ist nicht grundsätzlich der Ansicht, dass die Idee abzulehnen ist», so Gemeindepräsident Arnold Stotzer. Und sein designierter Nachfolger Hardy Jäggi versprach: «Wir werden auch im neu gewählten Gemeinderat offen sein für das Anliegen.»

Provokation als Bumerang

Die Offenheit des Gemeinderates ging den Stimmbürgern ab. Verscherzt hatte sich Andreas Anderegg die Sympathien allerdings möglicherweise weniger mit dem Inhalt seiner Motion, als vielmehr mit dem Ton, in dem er sie formuliert hatte: Die Feststellung, es mangle den Gemeindebehörden an Fachwissen und Qualität, gehörte darin zu den harmloseren Aussagen. Der Vorwurf hingegen, man überrede Krethi und Plethi zur Kandidatur für ein politisches Amt, wurde von einem Votanten als Beleidigung taxiert. Es half nicht mehr, dass Anderegg sich damit rechtfertigte, er habe provozieren wollen, um gehört zu werden. Es half auch nicht, dass er sein Anliegen noch einmal in diplomatischerer Form präsentierte.

Zu wenig qualifizierte Leute

Die Kernaussage war dabei dieselbe wie in der schriftlichen Eingabe: In einer kleinen Gemeinde wie Recherswil seien schlicht zu wenig qualifizierte Leute vorhanden, um die zusehends anspruchsvolleren öffentlichen Aufgaben zu bewältigen. Die nötige Professionalität könne nur in grösseren Gemeindeverbänden garantiert werden.

Andereggs Denkanstoss - den der Gemeinderat für vorerst nicht erheblich erklären und dem neuen Gemeinderat zur Diskussion überantworten wollte - ist vorerst vom Tisch. Der unterlegene Motionär indes war sich sicher, dass aufgeschoben nicht aufgehoben ist: «Irgendwann wird man wieder auf mein Anliegen zurückkommen.»

Gemeinderat gegen Gemeinderäte

Die übrigen Geschäfte waren zumeist unumstritten: Die Rechnung 2008 (169 000 Franken Gewinn) wurde abgesegnet, ebenso die Vereinbarungen zum Schulkreis Gerlafingen/Obergerlafingen/Recherswil. Einstimmig wurde beschlossen, die Gemeindeinitiative, welche die Erhöhung des Kantonsbeitrages an den Lehrerbesoldungen fordert, zu unterstützen. Gutgeheissen wurden auch die revidierte Gemeindeordnung sowie die ebenso revidierte Dienst- und Gehaltsordnung. Die Anpassungen der Reglemente waren im Zuge der Neuorganisation der Gemeindebehörden nötig geworden - welcher die Stimmbürger bereits Ende März zugestimmt hatten.

Widerstand gegen die neuen Honorarregelungen kam ausgerechnet aus den Reihen des Gemeinderates: Bauressortleiter Daniel Murer verlieh seiner Enttäuschung darüber Ausdruck, dass der Gemeinderat die Kürzung seines Honorars als Kommissionspräsident von 10 000 auf 4000 Franken beschlossen hatte - notabene in einer Sitzung, in der Murer fehlte. Er sei erschrocken, so Murer in seinem Votum, als er gesehen habe, wie tief der Gemeinderat die Baukommission in der Gehaltsordnung eingestuft habe.

Hardy Jäggi begründete die Kürzung von Murers Gehalt mit der externen Vergabe des Bausekretariats - und verlieh im selben Zug seiner Enttäuschung darüber Ausdruck, dass Murer seinen Ratskollegen öffentlich in den Rücken fiel.

Frauenpower in der Verwaltung

Freundlichere Töne dann zum Schluss. Einerseits bei der Verabschiedung von Gemeindepräsident Arnold Stotzer und Gemeindeschreiber Etienne Gasche, andererseits bei der Vorstellung des neuen Gemeindeverwaltungsteams: Susanne Jost und Cornelia Uhlmann (als Finanzverantwortliche) werden ab August (Uhlmann) respektive September (Jost) die Gemeindeverwaltung gemeinsam mit Sekretärin Renate Widmer führen. Der Kommentar des scheidenden Gemeindepräsidenten: «Frauenpower ist angesagt.»

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