Wohlen
Die Gemeinde Wohlen zahlt die teuersten Abschiedsgeschenke

Mehr als nur ein Blumenstrauss und einen Kuss: Statt Geldauszahlungen wie in Wohlen gibts in den anderen Freiämter Gemeinden mehrheitlich Abschiedsgeschenke für zurücktretende Gemeinderäte. In Muri ist der Betrag vergleichsweise deutlich höher als in Wohlen. Dies zeigt eine Umfrage unter den 43 Gemeinden.

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Abschiedsgeschenk

Abschiedsgeschenk

Fabian Muster

Total 9000 Franken Abschiedszahlungen an die drei zurückgetretenen Wohler Gemeinderäte Christian Müller (parteilos), Harold Külling (FDP) und Doris Becker (Freis Wohle): Dies war für die SVP letzte Woche Stein des Anstosses, um die «schamlose Abzockerei auf dem Buckel der Steuerzahler als Plünderung der notleidenden Gemeindekasse» anzuprangern. Die Ortspartei fordert in einer Anfrage an den Wohler Gemeinderat Aufklärung. Dazu verlangt sie von den drei betroffenen Räten die Rückzahlung der Gelder an die Gemeinde. Bereits vor vier Jahren hatte die Partei in dieser Sache zu intervenieren versucht. Der entsprechende Gemeinderatsbeschluss datiert vom Jahr 1997: Damals wurden die 250 Franken Abschiedszahlung pro Amtsjahr eines Ratsmitglieds festgelegt.

Zahlungen auch in Besenbüren

Doch wie sieht die Sache in den anderen Gemeinden des Freiamts aus? Die AZ wollte es genauer wissen und fragte nach. Das Resultat ist in der Tabelle ersichtlich: Nebst Wohlen sind nur in Besenbüren Geldauszahlungen an abtretende Gemeinderatsmitglieder üblich. In Besenbüren erhalten die Räte 75 Franken pro Amtsjahr bar bezahlt. «Die Zahlungen haben bisher nie zu Diskussionen geführt», sagt Gemeindeschreiber Bruno Boletti.

In allen anderen Gemeinden sind Abschiedsgeschenke in Form von Gutscheinen oder Naturalabgaben die übliche Art, um den Ratsmitgliedern zu danken. Reise- oder Wellnessgutscheine, eine gute Flasche Wein oder in einem Fall gar ein Velo waren die Geschenke für die Ausscheidenden der vergangenen Legislaturperiode. Dabei wird auf die Anzahl Jahre im Amt Rücksicht genommen. Und in manchen Fällen auch auf die Funktion: Ein Gemeindeammann darf sich ein höheres Abschiedspräsent auswählen als ein «normaler» Gemeinderat.

Die Gemeinden haben dabei in 14 von 43 Fällen gar eine interne Richtlinie für die Grössenordnung des Abschiedsgeschenks herausgegeben, die vom Gemeinderat abgesegnet wurde. «Dies soll die Sache etwas transparenter machen», unterstreicht etwa Rudolfstettens Gemeindeschreiber Urs Schuhmacher.
Der Rest der Gemeinden stützt sich beim Verteilen der Geschenke auf die langjährige Praxis. Die besagt in sieben Fällen, dass jeweils individuell entschieden wird, wie teuer ein Geschenk sein darf.

Die Gegenüberstellung des Werts der einzelnen Abschiedsgeschenke zeigt zudem: Grössere Gemeinden sind in der Regel etwas grosszügiger mit ihren Ratsmitgliedern als kleinere Dörfer. Muri hebt sich dabei besonders hervor: Die mit 6900 Einwohnern zweitgrösste Gemeinde im Freiamt wandte für eine Gemeinderätin 2500 Franken für ihre acht Amtsjahre auf. Das sind rund 310 Franken pro Amtsjahr und damit 60 Franken mehr als die grösste Gemeinde Wohlen.

Grösste Gemeinden zahlen gut

An diesen Wert kommt nur noch Dottikon heran. Die Gemeinde mit 3100 Einwohnern lässt für ihre Räte pro Amtsjahr rund 200 Franken springen. Mit 150 Franken pro Amtsjahr auf den weiteren Plätzen folgen die drittgrösste Freiämter Gemeinde Villmergen (5900 Einwohner) gemeinsam mit Waltenschwil (2400 Einwohnern) sowie die je rund 1000 Einwohner zählenden Bünzen und Beinwil - das rund 2500 Franken für den letzten zurückgetretenen Gemeindepräsidenten mit einer 16-jährigen Amtsdauer aufgewendet hat. Dies zeigt: Die drei grössten Freiämter Gemeinden sind bei den Aufwendungen für die Abschiedsgeschenke auf den vorderen Plätzen.

«Es gibt weniger zu tun»

Auffällig ist auch: Kleinere Dörfer wie die 540-Seelen-Gemeinde Islisberg befinden sich im unteren Teil der Skala oder wählen jeweils individuell aus, wie teuer ein Geschenk sein darf. Für Verwaltungsangestellte Alice Egger aus Islisberg gibts dafür eine einfache Erklärung: «In einer kleineren Gemeinde gibts halt einfach etwas weniger zu tun.»

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