Biberist
Die Gemeinde soll bestimmen

Möglichst rasch soll eine allfällige Überbauung des erweiterten Areals um den abgebrannten «St. Urs» in Biberist geplant werden. So möchte es die Gemeinde. Was aber haben die Landeigentümer jetzt vor? Mitbesitzer Hanspeter Stern gibt Auskunft.

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Stern

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Solothurner Zeitung

Anne-Regula Keller

Hanspeter Stern, haben Sie Ideen oder gar Pläne für die Überbauung des St.-Ursen-Areals?
Hanspeter Stern: Nein, eher nicht. Dafür fehlt uns das Wissen, was erlaubt und erwünscht wäre.

Der Gemeinderat ordnete an, dass Sie und Mitbesitzer Christian Lauper genauer nach Ihren Ideen und Wünschen befragt würden.
Stern: Erneute Gespräche haben stattgefunden - allerdings ohne neue Erkenntnisse.

Sie spielen den Ball der Gemeinde zu?
Stern: Die Gemeinde sollte jetzt ihre Chance wahrnehmen und bestimmen, was sie an dieser Lage will und braucht. Es hat keinen Sinn, dass wir Ideen entwickeln, ohne einen Anhaltspunkt für erwünschte oder mögliche Projekte zu haben. Natürlich könnten wir jetzt verrückte Visionen vorschlagen, aber das macht wenig Sinn.

Sie warten also auf die Gemeinde?
Stern: Die Gemeinde muss und wird einen Gestaltungsplan machen, damit klar wird, was sie braucht und will. Das ist notwendig, damit Bewegung in die Sache kommen kann: Es braucht Vorschriften, die aufzeigen, was überhaupt möglich ist. Diese kann nur die Gemeinde erlassen. Darauf müssen wir warten.

Info

Seit dem Brand des «St. Urs» in Biberist klafft an prominenter Lage ein Loch im Dorfbild. Der Gemeinderat beauftragte die Bau-, Planungs- und Werkkommission (BWK) mit der Vorbereitung eines Planungswettbewerbs für das erweiterte Gebiet. Aus Kostengründen beantragte die BWK stattdessen 100 000 Franken für die Arealentwicklung und Studienaufträge für Bebauungskonzepte an fünf Planungsbüros. Der Rat wies dies aber am 21. September wieder an die BWK zurück. Diese muss nun entscheiden, welches Verfahren sie weiterverfolgen will (siehe auch Interview vom 4. Nov. mit Gemeindepräsident Blaser und Bauverwalter Sterchi). (ark)

Fühlen Sie sich durch die Gemeinde ausgebremst?
Stern: Wie oft bei einem Unglück ist gleichzeitig auch eine Chance entstanden. Diese ist insofern einmalig, als sämtliche Eigentümer - auch die Nachbarn des «St. Urs» - bereit wären, ihr Land und ihre Häuser zu verkaufen. Ich finde es legitim, wenn die Gemeinde die Chance, ihr Gesicht für vielleicht 100 Jahre zu planen, nutzen will. Aber alle Wünsche müssen so realistisch sein, dass sie auch von irgendjemandem finanziert werden wollen und können.

Befürchten Sie, dass die Gemeinde unrealistische Vorgaben macht?
Stern: Nein, aber für uns muss möglichst rasch Rechts- und damit Planungssicherheit hergestellt werden. Wir können nicht 10 Jahre im luftleeren Raum warten. Bis ein rechtsgültiger Gestaltungsplan vorliegt, können wir als Landbesitzer weder selber etwas planen noch Investoren suchen. Sollte aber ein Investor - etwa aus dem Banken-, Versicherungs- oder Detailhandelssektor - von sich aus Pläne und Ideen vorlegen, kommt Bewegung in den Prozess.

Suchen Sie zurzeit selber mögliche Investoren?
Stern: Wir Landeigentümer können sicher nicht bei potenziellen Investoren vorstellig werden und ihnen Land anbieten, bei dem zurzeit absolut ungewiss ist, was darauf gebaut werden kann und wie das ins Konzept der Gemeinde passt.

Sie sind also blockiert?
Stern: Die Idee von Gemeindepräsident Martin Blaser und Bauverwalter Ueli Sterchi, zuerst mehrere Fachleute zu fragen, was richtig und möglich sei, finde ich sinnvoll. Das will ich betonen. Wenn man aber für die kürzlich vom Gemeinderat zurückgewiesenen Studienaufträge kein Geld in die Hand nehmen kann oder will, ist es logisch, dass dann nur die Möglichkeiten bleiben, welche Investoren in ihrem Interesse vorschlagen. Und diese müsste die Gemeinde aktiv selber suchen, was zudem letztlich auch etwas kostet.

Die Gemeinde soll selber entweder einen Gestaltungsplan für mögliche Projekte vorlegen oder Investoren finden, deren Projekte sie allenfalls mit einem Gestaltungsplan einschränkt?
Stern: Nochmals: Die Gemeinde behält sich vor, vorzugeben, was auf dem St.-Ursen-Areal entstehen soll. Wenn sie Vorgaben macht, dann kostet das Geld. Entweder finanziert sie das selbst oder sie sucht jemanden, der dies finanzieren kann und will. Im ersten Fall hat die Gemeinde völlig freie Hand, im zweiten Fall wird sie nur einen Investor finden, wenn dieser etwas für ihn Rentables realisieren kann.

Haben Sie selber eigentlich eine Wunschnutzung für das Areal?
Stern: Nein, ich habe keine konkrete Vorstellung davon, was für das Land und die Gemeinde an diesem Ort sinnvoll ist. Danach müssen Fachleute suchen - ich selbst bin ja keiner. Wir beiden Eigentümer - neben mir Christian Lauper - sind uns einig, dass wir auf die Vorschriften der Gemeinde warten müssen, sind aber beide in alle Richtungen offen.

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