Armee

«Die ganze Dienstzeit war ein Krieg gegen die Langeweile»

Soldaten machen an einer Medienkonferenz in Bern gegen die Wehrpflicht mobil

Soldaten machen an einer Medienkonferenz in Bern gegen die Wehrpflicht mobil

Die Initiative der GSoA zur Abschaffung der Wehrpflicht erhält Unterstützung von unerwarteter Seite: In Bern hat sich am Donnerstag eine Gruppe von Schweizer Soldaten, in Zürich ein Komitee «Bürgerliche gegen Wehrpflicht» in Stellung gebracht.

Die Initiative der GSoA zur Abschaffung der Wehrpflicht erhält Unterstützung von unerwarteter Seite: In Bern hat sich am Donnerstag eine Gruppe von Schweizer Soldaten, in Zürich ein Komitee "Bürgerliche gegen Wehrpflicht" in Stellung gebracht.

Auch wenn jeder unterschiedliche Beweggründe angibt, in einem Punkt sind sich alle Mitglieder des "Soldatenkomitees gegen die Wehrpflicht" einig: Die Dienstzeit war sinnlos.

"Als Soldat im Durchdienermodell war für mich die ganze Militärdienstzeit ein einziger Krieg; der Krieg gegen die Langeweile", sagte Michael Christen, Soldat, Truppenbuchhalter und Durchdiener, an der Medienkonferenz des Komitees in Bern.

Seine Schilderungen vom Truppenalltag sind wenig schmeichelhaft für die Schweizer Armee. Als Truppenbuchhalter habe er fünf Buchhaltungen führen müssen. Damit war er zwei Stunden beschäftigt - pro Woche. Den Rest der Zeit verbrachte er mit Bücher lesen und Filme schauen. 12 bis 14 Stunden schlafen pro Tag war normal, erzählt er.

Christens Ausführung stehen stellvertretend für die fünf Soldaten, die sich vor die Medien gewagt haben, um gegen die Wehrpflicht zu weibeln. Sie seien nicht gegen die Armee an sich, beteuerten sie. Aber das heutige Modell erscheine ihnen überholt.

"Meines Erachtens ist die Abschaffung der Wehrpflicht eine Chance", sagte Verkehrssoldat Antonio Villani. So könnten die maroden Strukturen der Armee auf Vordermann gebracht und die Armee zu einer attraktiven Arbeitgeberin gemacht werden.

Noch ist das Soldatenkomitee mit rund 20 Mitgliedern überschaubar. Die Mitglieder erhoffen sich indes bis zur Abstimmung am 22. September regen Zulauf. Unterstützt wird das Komitee von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA), welche die Volksinitiative für die Abschaffung der Wehrpflicht lanciert hat.

Bürgerliche gegen Wehrpflicht

Rund 100 Mitglieder hat nach eigenen Angaben das Komitee "Bürgerliche gegen Wehrpflicht", das in Zürich seine Argumente für eine freiwillige Miliz dargelegt hat. Dessen Mitglieder sind mehrheitlich Jungfreisinnige aus verschiedenen Kantonen.

Die Armee XXI sei viel zu teuer, stellten Vertreter des Komitees vor den Medien fest. Trotz kleinerem Truppenbestand sei die Zahl geleisteter Diensttage mit rund 6,3 Millionen genau so hoch wie in der alten Armee 95. Die Dienstzeit sei lediglich auf die Jungen verschoben worden.

Die Wehrpflicht sei im Zeitalter der Globalisierung aber auch eine grosse Belastung für die Volkswirtschaft. Schweizer Firmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, könnten sich die Abwesenheit von Wehrpflichtigen immer weniger leisten.

Gegenüber der heutigen Zwangsmiliz habe die freiwillige Miliz nur Vorteile. Sie sei viel wirtschaftlicher, militärisch stärker, militärpolitisch anpassungsfähiger und sie funktioniere völlig problemlos, wie ausländische Erfahrungen zeigten.

Die Initiative gegen die Wehrpflicht war am 5. Januar 2012 mit 106'995 gültigen Unterschriften eingereicht worden. Bundesrat sowie National- und Ständerat lehnen sie ab. Aus Sicht des Bundesrates wäre ohne Wehrpflicht die Sicherheit der Schweiz gefährdet. Würde die Wehrpflicht abgeschafft, bestünde die Armee aus Freiwilligen.

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