1. Worum geht es?

Eine grosse Mehrheit von EU-Bürgern hat in einer Umfrage für die Abschaffung der Zeitumstellung gestimmt. Daher macht Jean-Claude Junker nun ernst: Der EU-Kommissionspräsident kündigte die Abschaffung der Zeitumstellung und eine ewige Sommerzeit an. «Das werden wir heute beschliessen», sagt er mit Blick auf die laufende Kommissionsklausur.

Insgesamt hatten 4,6 Millionen Personen abgestimmt. Mehr als 3 Millionen sollen aus Deutschland gekommen sein. Dennoch beteiligten sich alle Mitgliedsstaaten an der Umfrage. Einem Gesetzesvorschlag der Behörde müssten EU-Parlament und EU-Staaten aber erst noch zustimmen. Der Rückhalt des Parlaments gilt aber als sicher.

2. Wird die Schweiz nachziehen?

Die Schweiz muss nun selbst entscheiden, ob sie mit der EU mitziehen möchte, oder nicht. Es ist aber anzunehmen, dass sie dies tun wird. Bereits im Jahr 1980 war die Schweiz einmal zur Zeitinsel inmitten Europas geworden und dies möchte man nicht gerne wiederholen. So sagte der Stabsleiter des Eidgenössischen Instituts für Meterologie, Jürg Niederhauser, in der Vergangenheit, dass es gute Gründe gebe, Zeitdifferenzen mit Nachbarländern zu vermeiden.

Denn, würde die Schweiz die Zeitumstellung beibehalten, brächte das einige Probleme mit sich. Nur schon die Zusammenarbeit im grenznahen Verkehr würde die zuständigen Behörden vor grosse Herausforderungen bei der Planung stellen. Dazu kommen Probleme beim Zug- und Luftverkehr, die überwunden werden müssten.

3. Wieso gibt es die Sommerzeit eigentlich?

Ursprünglich wurde die Sommerzeit eingeführt, um Energie zu sparen. Da es dank der Sommerzeit am Abend länger hell ist, wird weniger künstliches Licht benötigt. Studien zeigen allerdings, dass sich der Energieverbrauch durch die Zeitumstellung nicht wesentlich senken lässt. 

Zwar wird an Sommerabenden weniger Licht benötigt, in der Übergangszeit wird morgens dafür aber stärker geheizt. Ausserdem wird abends bei Freizeitaktivitäten während den hellen Stunden mehr Energie benötigt, als dies im Dunkeln der Fall wäre. In den USA wuchs der Stromverbrauch sogar nach der Einführung der Sommerzeit. 

4. Seit wann gibt es die Sommerzeit?

Zum ersten Mal eingeführt wurde die Sommerzeit in Deutschland während des Ersten Weltkriegs, allerdings nur vorübergehend. Die Schweiz zog 1942 schliesslich nach, ebenfalls aber nur kurzfristig. 

Erst als die Ölkrise 1973 Europa im Griff hatte, wurde die Sommerzeit erneut wieder eingeführt. Die Schweizer Bevölkerung wehrte sich mit einem Referendum aber vehement dagegen, nachzuziehen. So kam es, dass die Schweiz im Jahr 1980 zu einer Zeitinsel mit Normalzeit wurde, während die Nachbarstaaten auf die Sommerzeit umgestellt hatten. 

Dies führte zu grösseren Komplikationen. Die SBB mussten beispielsweise auf einen Notfahrplan umstellen. Viele Betriebe arbeiteten nach deutscher Zeit. So kam es also, dass auch die Schweiz im Sommer 1981 auf die Sommerzeit umstellte.

5. Und der Rest der Welt?

Bislang kannten alle europäischen Länder und beinahe alle US-Bundesstaaten die Sommerzeit. Russland hat die Zeitumstellung bereits im Jahr 2011 abgeschafft und auf eine permanente Sommerzeit umgestellt. Seit 2014 gilt aber auch in Russland die Normalzeit.

Einige EU-Länder haben sich zur Abschaffung der Zeitumstellung bereits positioniert. Litauen, Estland und Lettland sprachen sich ebenso für eine Abschaffung der Zeitumstellung aus wie Finnland. Von Deutschland ist bislang keine Position bekannt.

6. Was wird sich im Alltag ändern?

Im Sommer ändert sich natürlich nichts. Im Winter würde es am Morgen länger dunkel, dafür am Abend länger hell bleiben. Viele Büro-Arbeiter dürften das begrüssen. Personen, die früh beginnen und im Freien arbeiten, müssten mit längerer Dunkelheit rechnen.

Die Auswirkungen auf den Energieverbrauch sind im Vornherein schwierig abzuschätzen und werden sich erst noch zeigen müssen. Auf den Körper hat die Abschaffung der Zeitumstellung aber sicherlich gute Auswirkungen. So bringt diese nämlich jedes Mal den Biorhythmus durcheinander. Dies macht den Körper anfälliger für Infekte und Erkältungen, da das Immunsystem geschwächt ist.

Abgesehen davon ändert sich höchstwahrscheinlich nicht sonderlich viel.