Stadler Rail

Die «Eiserne Lady» will Fusion von Alstom und Siemens verbieten – das freut Peter Spuhler

CEO Peter Spuhler nach der Bilanzmedienkonferenz von Stadler Rail.

CEO Peter Spuhler nach der Bilanzmedienkonferenz von Stadler Rail.

Die EU-Wettbewerbskommissarin will die Fusion von Alstom und Siemens verbieten. Das ist eine gute Nachricht für die Schweiz.

Für Donald Trump ist sie bloss «Europas Steuer-Frau». In Brüssel wird sie auch mal «Eiskönigin» oder «Eiserne Lady» genannt. Klar ist: Die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat sich einen starken Ruf erarbeitet. Die dänische Sozialliberale hat kein Problem, sich auch mit den grössten Nummern in der Wirtschaftswelt anzulegen. Aktuelles Beispiel sind Siemens und Alstom. Die Industriekonzerne würden gerne ihre Bahnsparten fusionieren und so ein Unternehmen schaffen, das dem weltgrössten Zughersteller, dem chinesischen CRRC-Konzern, die Stirn bieten könnte. Das Ziel wäre die Gründung einer Art «Railbus» oder auch «Airbus auf Schienen».

Aber Vestager ist fest entschlossen, die Fusion platzen zu lassen. Der Zusammenschluss der beiden Unternehmen würde in gewissen Marktbereichen wie bei Hochgeschwindigkeitszügen eine marktbeherrschende Stellung herbeiführen, was zu höheren Preisen für die Bahnkunden führen werde, so Vestager. Das China-Argument will sie nicht gelten lassen. CRRC sei noch weit davon entfernt, auf dem europäischen Markt Fuss zu fassen.

Siemens und Alstom haben in den letzten Monaten alles versucht, die EU-Kommissarin doch noch umzustimmen. Die Hersteller der ICE- und TGV-Zügen boten zum Beispiel an, Teile der Signaltechnik auszulagern oder die Velaro-Zugfamilie an einen Konkurrenten zu lizenzieren. Nichtsdestotrotz ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sie ihre Fusionspläne begraben können. Gemäss der «Financial Times» ist die Entscheidung bereits gefallen. Schon kommenden Mittwoch könnte Vestager die Öffentlichkeit informieren.

Ob dieser Aussichten zeigt sich Siemens-Chef Joe Kaeser zunehmend frustriert. Am Rande der Siemens-Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch liess er durchblicken, dass er nicht mehr wirklich mit der Fusion rechnet. Kaeser: «Es ist für alle Beteiligten gut, wenn sie gelingt. Wir werden sie aber nicht um jeden Preis suchen». Es werde nun interessant sein zu sehen, ob die die Zukunft der Mobilität in Europa durch «rückwärtsgerichtete Technokraten» oder aber von «zukunftsorientierten Europäern» bestimmt werde, ätzte Kaeser Richtung Brüssel. Auf Twitter schrieb er kurz zuvor: «Es muss bitter sein, wenn man technisch recht hat, aber für Europa doch alles falsch macht.»

Für viele Beteiligte stellt sich nach dem Machtkampf nun die Frage, wie zeitgemäss das aus den 1990er-Jahren stammende europäische Wettbewerbsrecht noch ist. In Zeiten der «America First»-Politik von US-Präsident Donald Trump und der wirtschaftlichen Expansion Chinas könne der europäische Binnenmarkt nicht mehr der einzige Referenzpunkt sein, heisst es.

Für die europäischen Konkurrenten von Siemens und Alstom zumindest dürfte eine Ablehnung der Fusionspläne fürs Erste eine willkommene Nachricht sein. Dazu gehört auch der Schweizer Zughersteller Stadler Rail des ehemaligen SVP-Nationalrats Peter Spuhler. Stadler Rail wollte sich am Freitag zum «Railbus»-Projekt auf Anfrage allerdings nicht äussern.

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