AIK
Die einen haben das Geld, die andern die Daten

Die Pattsituation zwischen der Frauenzentrale und dem neuen Verein Alimenteninkasso Aargau verhindert, dass die Familien ihr Geld kriegen. Die neue Alimenteninkasso Aargau, die sich am letzten Freitag von der Frauenzentrale losgesagt hat, versucht nun, die Gemeinden auf ihre Seite zu bringen. Doch die Situation ist längst verfahren.

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Sabine Kuster

Es geht immer noch Schlag auf Schlag zwischen der Frauenzentrale und dem (neu gegründeten) Verein Alimenteninkasso (AIK) Aargau, der mittlerweile andernorts sein neues Büro eingerichtet hat - wo ist weiterhin unklar. Die Zahlungen an die Gemeinden und Familien sind fällig. Deshalb stellte eine AIK-Mitarbeiterin gestern Morgen die Liste zusammen und wollte die Zahlungsaufträge per E-Banking auslösen. Doch die Frauenzentrale war schneller: Das Konto ist blockiert.

So besitzt die neue AIK nun die aus dem alten Büro «abgeholten» Daten mit den Informationen, welche Familie oder Gemeinde von den Alimentenzahlern wie viel Geld zugute hat - und die Frauenzentrale hat die Vollmacht über das Geld.

Wie der Zwist begann

Jörg Hunn, Mitglied der Alimenteninkasso Aargau, sagt, er unterstütze den neuen Verein, weil es sonst «zu einem Fiasko» bei der AIK gekommen wäre, wenn alle ursprünglichen Mitarbeiterinnen auf einen Schlag gekündigt hätten. Die Angestellten haben befürchtet, dass die AIK künftig weniger unabhängig von der Frauenzentrale hätte arbeiten können, als das bis anhin der Fall gewesen ist. Entsprechende Konzepte befanden sich erst in Abklärung. (kus)

Damit die Familien oder die Gemeinden, welche den Familien Geld vorgeschossen haben, wieder zu ihrem Geld kommen, will die Frauenzentrale nun den juristischen Weg beschreiten. Heute Morgen entscheidet sie über das weitere Vorgehen. «Es sollte nicht allzu lange dauern, bis die Kunden ihr Geld wieder kriegen», sagte Susi Rupp, Präsidentin der Frauenzentrale.

Kündigung ist vorgedruckt

Die neue AIK indes handelt ebenfalls zügig: Die 120 Gemeinden, welche mit der AIK zusammenarbeiten, haben gestern einen Brief bekommen, der sie auffordert, der Frauenzentrale mitzuteilen, dass sie die Mandate neu dem Verein Alimenteninkasso Aargau übergeben würden. Einen vorgedruckten Brief hat die neue AIK gleich mitgeschickt.

Gemeinden sind verunsichert

Vielen Gemeinden geht dies zu schnell. «Wir schicken den Brief sicher noch nicht zurück», sagt der Obersiggenthaler Gemeindeschreiber, Anton Meier. Zuerst werde Obersiggenthal die Situation überprüfen. «Obwohl Handlungsbedarf besteht, wollen wir auf eine Hauruck-Aktion keine Hauruck-Antwort geben.»

Auch die Gemeinden Fislisbach und Brugg wollen abwarten. «Wir erwarten Instruktionen der Frauenzentrale», sagt der Fislisbacher Gemeindeschreiber Donat Blunschi, «denn mit dieser haben wir den Leistungsvertrag.» Brugg will an der Gemeinderatssitzung am nächsten Mittwoch entscheiden.

Es gebe aber zehn Gemeinden mit hundert Mandaten, die bereits gestern auf den Brief der neuen AIK positiv geantwortet hätten, sagt Jörg Hunn, Gründungsmitglied des neuen Vereins - darunter Zofingen. Bei der Stadt Zofingen wollte man dies jedoch nicht bestätigen.