Reisen

Die dunkle Perle vor Freiburgs Toren

Einst soll sich ein Drache in den Schwarzsee gestürzt haben.

Einst soll sich ein Drache in den Schwarzsee gestürzt haben.

Nur 25 Kilometer von der Saane-Stadt entfernt liegt der malerische Schwarzsee. Er ist sagenumwoben.

«Der Schwarzsee ist eine Sackgasse», warnt der Buschauffeur im breiten Sensler Dialekt, als die Strasse nach dem Dorf Plaffeien wie durch einen Flaschenhals hoch zum Schwarzsee führt. Endstation für Autos und öffentliche Verkehrsmittel – das schon. Für den naturliebenden Menschen eröffnet sich hier auf gut 1000 Metern über Meer jedoch eine atemberaubend schöne Welt. Das Grün, der See, die Rottannen, das Bimmeln der Kuhglocken und die Ruhe lassen aufatmen. Die Natur ist unverbraucht; von grossen Tourismusinvestitionen ist dieser Flecken verschont geblieben.

Wir ziehen los: Die grünen Flanken und die Spitzen der Kalksteinberge spiegeln sich im See. Nebelschwaden erheben sich aus dem Taleinschnitt aus dem Breccaschlund am Ende des Sees. In dieses Tal führt eine Wanderung. Sie lässt sich bequem mit dem Zweier-Sessellift nach Riggisalp starten. Damit sind die Höhenmeter schon fast überwunden.

Auf einem breiten Höhenweg geht es im ersten Teil der rund dreieinhalbstündigen Wanderung leicht abwärts Richtung Untere Euschel. Die Ruhe wird hier einzig vom Bimmeln der Kuhglocken und vom Zwitschern der Vögel gestört. Rund 50 Alphütten werden während des Alpsommers mit Rindern, Kühen und Geissen bewirtschaftet. Mit ihren meist noch mit Tannenholz geschindelten Dächern passen sie sich in ihrer Form der Landschaft an.

Riesenmeringue und Doppelrahm

Um den Ausläufer der Spitzfluh führt der Wanderweg in den Breccaschlund. Eine Bergarena der besonderen Art öffnet sich hier. Ein Bauwerk der Gletscher vor Urzeiten. Mitten in den grünen saftigen Wiesen liegen zerstreut Dolinen, Karstabschnitte und Kalksteine. Die Flanken der Spitzfluh sind zerfurcht. Tannen und grüne Flächen ziehen sich hier weit hinauf; einzelne Nadelbäume schmücken den Grat.

Diese urtümliche Landschaft ist seit 1996 im Bundesinventar der schützenswerten Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgeführt. Ab St. Antoni geht der Wanderweg zügig durch Waldabschnitte bergab über Schwellen Richtung Schwarzsee. «Hubel Rippa», eine der bewirteten Alpwirtschaften auf dem Weg, bietet nicht nur einen freien Blick auf den See, hier lassen sich auch die verbrauchten Kalorien ersetzen. Therese Bapst, die hier seit bald 40 Jahren mit ihrem Mann und 20 Kühen von Juni bis Ende August lebt, ist für ihre Meringue berühmt. Den Doppelrahm, den sie zum grossen Schaumgebäck und der Glace serviert, hat sie bewusst leicht geschlagen. «Sonst würde man zu viel davon essen und erst beim Weiterwandern die Schwere im Magen spüren», meint sie. Tatsächlich ist der Rahm mehr als eine Sünde wert.

Wie der See zum Namen kam

Je nach Licht, Wetter und Tageszeit schimmert der Schwarzsee tiefblau, türkisfarben oder pechschwarz. Heisst der Schwarzsee deshalb Schwarzsee? Sagen und Legenden kursieren einige. Wer es wissen will, erfährt es vielleicht auf der Kaiseregg. Der 2185 Meter hohe Berg thront über dem Schwarzsee. Ab Riggisalp sind es gut zwei Stunden bis zum Gipfel. Die letzten rund 200 Höhenmeter sind atemraubend. Hier aber eher wegen des ruppigen Aufstiegs über Naturschwellen. Der Verlauf und die Verwerfungen der Steinschichten zeigen sich an den Felswänden.

Ist man oben angelangt, bietet sich ein Rundumpanorama ins Mittelland, zum mächtigen Moléson, zum höchsten Freiburger Berg, dem Vanil Noir (2389 Meter über Meer), hin zum Simmental und hinüber zu Eiger, Mönch und Jungfrau. Und während die Blicke in die Weite schweifen, erzählt die Wanderleiterin Marlyse Rauber die Sage vom Schwarzsee. Es ist auch die Geschichte des wohlhabenden Bernhard Riggi und seines Sohns Ubald: «Hier oben, an diesem einmaligen Ort, liess sich einst Ubald ein Jagdschloss bauen. Der junge Mann erbte zwar den Reichtum seines Vaters, nicht aber dessen edles Herz. So verspottete er bald Hirten, Herden und die fleissigen Zwerge, die seinem Vater so gute Dienste erwiesen, und jagte das Wild.»

Der Frevel blieb nicht ungestraft. Ein heftiges Unwetter zog über das Gebiet, das damals noch keinen See hatte. Es regnete unaufhörlich, der Boden zitterte unablässig. Mit einem riesigen Donnern spaltete sich der Fels. Das Schloss samt Ubald rutschte zu Tale. Unten versperrte die Schutt- und Erdmasse dem Wasser den Weg. Ein See entstand. Am Abbruch der Kaiseregg kam ein Drache hervor, der nur dank eines frommen Einsiedlers gebannt werden konnte. Das Ungetüm stürzte ins Wasser, der Schwarzsee entstand. Einem grossen, wasserspeienden Drachen kann man heute noch bei der Seeumrundung begegnen.

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