Das Ziel der Impfgegner für die TV-Abstimmungsarena vom Freitag zum Epidemiengesetz war klar: Verunsicherung verbreiten. Wer nicht sicher ist, worüber abgestimmt wird, legt eher ein Nein in die Urne. So behauptete etwa die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann, künftig könnten Bürger zu Impfungen gezwungen werden. Das ist nachweislich falsch. Doch das hinderte die Ärztin nicht daran, ihre faktenfreie Polemik zu wiederholen.

Bundesrat Alain Berset und der Zürcher Präventivmediziner Felix Gutzwiller, die beide die Pro-Seite vertraten, hatten viel zu tun, auch Behauptungen aus der zweiten Reihe zu widerlegen. Künftig würden bereits Kindergärtler mit Sexualkundeunterricht bedrängt, sagte etwa die Juristin Marianne Wüthrich. Auch diese Falschaussage dominierte minutenlang die Diskussion. «Jeder hat hier das Recht auf eine eigene Meinung. Und auch das Recht auf eigene Fakten», sagte Gesundheitsminister Berset mit ironischem Unterton.

Der lockere Umgang mit der Wahrheit ist das eine. Das andere sind die dubiosen persönlichen und beruflichen Hintergründe mancher Exponenten, die gegen Alain Berset und das revidierte Epidemiengesetz angetreten sind.

In der zweiten Reihe ergriff Florian Davidis, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Basel, das Wort. Davidis verweist auf seiner Website auf den umstrittenen deutschen Krebsforscher Matthias Rath. Dieser wirft der gesamten Pharmabranche vor, die Patienten mit unwirksamen Medikamenten auszubeuten.

Ungeachtet dessen treibt Rath laut Wikipedia selbst Handel mit seinen Vitaminen und Mikronährstoffen und investiert grosse Summen in sein Vertriebsnetzwerk und die Vergrösserung seines Kundenstamms. Rath war zudem Mitglied der Kleinpartei «Allianz für Gesundheit, Frieden und soziale Gerechtigkeit», die vor einem Atomkrieg warnte, der nur der Pharmabranche nütze.

Im Internet tauchen auch Verbindungen von Davidis zur «Kommissarischen Reichsregierung» auf. Das sind Gruppierungen, welche Deutschland als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches nicht akzeptieren. Ihrer kruden Weltanschauung liegen revisionistische und teilweise rechtsextreme Ideen zugrunde. Deutschland soll wieder so sein wie 1937, als grosse Teile Polens deutsches Reichsgebiet waren. Ob Davidis Teil dieser Gruppierung war, ist unklar. Der Mediziner war gestern für eine Stellungnahme unerreichbar.

Unbrauchbarer Spray

Zweifelhafte Angebote auch auf der Website von Daniel Trappitsch: Der St. Galler Naturheilkundler und Präsident des Nein-Komitees verkaufte bis gestern einen «energetischen Impfspray» für 30 Franken. Der Raumspray gleiche die «möglicherweise negativen energetischen Belastungen durch die verschiedenen Impfinhaltsstoffe aus», so die Werbung.

Als Heilmittel sei dieser Spray nicht verkehrsfähig, «weil er weder über eine Zulassung als Arzneimittel noch über eine Kennzeichnung als Medizinprodukt verfügt», sagt Hans-Beat Jenny, stellvertretender Direktor des schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic auf Anfrage der «Nordwestschweiz». Das Produkt sei nie von einer behördlichen Stelle kontrolliert worden. Trappitsch nahm den Spray noch gestern Nachmittag von seiner Website. Er habe nicht gewusst, dass sein Alternativprodukt nicht akzeptiert sei.