PRO von Benno Tuchschmid, Stv. Ressortleiter Kultur

Ein Feuerwerk-Verbot ist der endgültige Sieg einer kleingeistigen Verbotsbürgerschaft, die sich an Nebensächlichkeiten abarbeitet.

Benno Tuchschmied, Stv. Ressortleiter Kultur

Ein Feuerwerk-Verbot ist der endgültige Sieg einer kleingeistigen Verbotsbürgerschaft, die sich an Nebensächlichkeiten abarbeitet.

«Eine Rakete gegen Mahnfinger und Spielverderber»

Ein Feuerwerk-Verbot ist der endgültige Sieg einer kleingeistigen Verbotsbürgerschaft, die sich an Nebensächlichkeiten abarbeitet.

Ehrlich gesagt interessiert mich der 1. August einen Frauenfurz. Was mich umtreibt, ist die eidgenössische Obsession des belehrenden Verbietens. Der nationale Mahnfinger, die föderal hochgezogenen Augenbrauen. Ein Feuerwerk-Verbot ist der Höhepunkt dieses Volkssports. Denn all jenen, die einem Feuerwerk-Verbot zujubeln, geht es um eines sicherlich nicht: um Waldbrand-Prävention.

Die Agenda der privaten Feuerwerks-Gegner ist mannigfaltig: Für Hündeler sind Feiertags-Böller Tierquälerei, für die Feinde der Lichtverschmutzung stellen Raketen Angriffe auf die Dunkelheit dar und Umweltschützer sehen die Atmosphäre durch Vulkan-Abgase kollabieren. Allen gemein ist das Spielverderbertum.

Hat in der Schweiz jemand Spass, sind die Spielverderber nicht weit. Sie sind sogar präventiv tätig. Schilder wie «Rasen betreten verboten», «Picknicken nicht erlaubt» sind omnipräsent. Sie heissen übersetzt: «Kinder dürfen hier nicht Fussball spielen!» und «Sie sind hier nicht zu Hause! Wohlfühlen verboten!» Der Gipfel dieses erzieherischen Bünzlitums spielt sich derzeit in einem Schweizer Hotel ab: Touristen finden dort am Buffet nebst Scheibenkäse auch ein Plakat hungernder Kinder und dürfen die Belehrung mit an den Tisch nehmen, dass man bei uns gefälligst aufisst, was man aufs Tablar lädt. Das alles ist Ausdruck einer humorlosen Oberlehrerhaftigkeit.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich halte das Recht auf 1.-August-Böller nicht für eine zentrale Errungenschaft unserer Gesellschaft. Für eine zentrale Errungenschaft einer Gesellschaft halte ich aber die Fähigkeit, locker zu bleiben und die Kirche im Dorf zu lassen. Und die haben wir verloren. Schuld ist ein Heer von Verbietern, das sich mit missionarischem Eifer an Petitessen abarbeitet und nicht merkt, dass es sich in der Unerheblichkeit verloren hat.

Ein Feuerwerksverbot ist der letzte Sieg dieser kleingeistigen Verbotsbürgerschaft. Diese Genugtuung mag ich den eidgenössischen Gartenzwerg-Sheriffs nicht gönnen. Darauf werde ich mit dem Raketenmodell «Monster-Knall» antworten. Mit 200 Meter Sicherheitsabstand zum nächsten Unterholz. Ich will ein Zeichen setzen, keinen Waldbrand legen.

CONTRA von Roman Huber, Autor Ressort Baden

Die Knallerei am 1. August schädigt empfindliche und ältere Menschen, Tiere – und die Umwelt mit Schadstoffen.

Roman Huber, Autor Ressort Baden

Die Knallerei am 1. August schädigt empfindliche und ältere Menschen, Tiere – und die Umwelt mit Schadstoffen.

«Ein solches ‹Bombardement› passt nicht zum frohen Fest»

Die Knallerei am 1. August schädigt empfindliche und ältere Menschen, Tiere – und die Umwelt mit Schadstoffen.

Die Medien haben berichtet: In der Bevölkerung nimmt die Bedeutung des 1. August ab – im Gegensatz zum Feuerwerk. Bei diesem Missverhältnis stellt sich die Frage, wie weit die Knallerei – die zweite jeweils neben Silvester – etwas mit dem Nationalfeiertag zu tun hat. Was ist daran vaterländisch, wenn eine knallverrückte Minderheit Lärm und Gestank auf Kosten anderer produziert? Wer das Feuerwerk am Himmel nicht sehen kann oder die Augen schliesst, kann nicht unterscheiden, ob es sich um ein Feuerwerk oder um ein Bombardement handelt. Passt das zu einem freudigen Fest?

«Heil dir Helvetia», wenn die Farbenpracht des Feuerwerks, erzeugt mithilfe hochgiftiger Schwermetalle, Barium- und Strontiumsalze, Polyvinylchlorid (PVC) – Materialien, die man aus dem Chemielabor als Sondermüll entsorgt – in die Atmosphäre entweicht. Und «Betet, freie Schweizer», denn all dies regnet zusammen mit Schwefeldioxid und Dioxin aufs Vaterland nieder. Was für ein Hohn ist da eine Umweltgesetzgebung, die es verbietet, im Schwedenofen ein lackiertes Stuhlbein zu verbrennen! Reden wir mal nicht von jenen, die sich an der Knallerei freuen und daran Geld verdienen, sondern von jenen, die darunter leiden: von allen lärmempfindlichen und älteren Menschen. Soll man sie über die Tage vor und nach dem 1. August etwa in den Luftschutzkeller schicken?

Oder reden wir von den Haustieren. Der weitaus grösste Teil von ihnen leidet vor sich hin, stundenlang hechelnd mit mehrfach hoher Herzfrequenz, oft über Tage gestresst. Und vergessen wir ja nicht diejenigen Tiere, die ungeschützt der Knallerei ausgesetzt sind: Vieh, Vögel, alle wild lebenden Tiere. Kann dieses Leiden einem mit Empathie ausgestatteten Menschen egal sein? Wer sich einmal damit befasst hat, welche Ängste diese Tiere ausstehen, der würde keine Knallpetarde mehr zünden.

Nun gut: Ein professionelles Feuerwerk mag was Schönes zum Zuschauen sein und ist nach kurzer Zeit für alle Geplagten wieder vorbei. Nicht aber die willkürliche, private Knallerei. Drückt damit heute eine aufgeklärte Gesellschaft ihre Heimatfreude aus? Für die kleinen, grossen und erwachsenen Buben, die so gerne Feuerwerk zünden, wäre das doch eine Überlegung wert. Sonst lasst es eben knallen!

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