Homosexuelle
Die CVP wird jetzt auch etwas rosa

Bei der Familienpartei CVP ist Homosexualität per sofort kein Tabuthema mehr, sondern vielmehr Programm. Die Partei hat eine schwullesbische Fachgruppe ins Leben gerufen.

Merken
Drucken
Teilen

Aargauer Zeitung

Initiiert hat die Gruppe der Luzerner CVP-Jungpolitiker Stefan Gassmann zusammen mit Markus Hungerbühler aus
Zürich und Laurent Dietrich aus Fribourg. Rund acht Personen sind in der Arbeitsgruppe dabei, nicht alles Homosexuelle, wie Gassmann erklärt.

Die rosa Gruppierung hat zwei Anliegen: Sie will das Thema entabuisieren, gerade etwa in Randregionen, wo die Partei stark vertreten ist. Daneben fordert sie, dass Schwule und Lesben zum Blutspenden zugelassen werden.

Weiter gehende Forderungen gibt es bis jetzt nicht. «Die Adoption ist zurzeit noch kein Thema», sagt Gassmann. Das werde sie erst, wenn genügend Aufklärungsarbeit geleistet sei und man auch eine Referendums-Abstimmung gewinnen könne.

Kein Widerstand innerhalb der Partei

Die Homosexuellen-Gruppe stösst innerhalb der Partei auf keinerlei Opposition, zumindest solange sie keine Adoptions-Forderungen stellt. «Das ginge zu weit», sagt die Solothurner Nationalrätin Elvira Bader. Die aktuelle Stossrichtung «ist gut», so Bader.

Das sagt auch der Luzerner CVP-Nationalrat Konrad Graber. Homosexualität stehe nicht im Widerspruch zur christlichen Haltung der CVP: «Wir haben keine Tabus». Gleich äussern sich andere Parteiexponenten. «Wir haben das Anliegen vorgängig in der Parteispitze diskutiert und gutgeheissen», sagt die Luzerner Nationalrätin Ida Glanzmann auf Anfrage. Sie sieht sich als Bindeglied zwischen der Arbeitsgruppe und der Parteispitze.

Vor allem Wahlpolitik

Eher skeptisch ist dagegen der St. Galler Nationalrat Jakob Büchler: «Es gibt sicher dringendere Anliegen, die diskutiert werden müssen», sagt der Präsident der Sicherheitskommission. Zudem habe er nicht das Gefühl, dass Homosexuelle in der Schweiz benachteiligt oder unterdrückt würden. Auch nicht im Militär: «Dort ist es einfach wichtig, dass auf solche Gruppierungen genau wie auf unterschiedliche Religionen Rücksicht genommen wird.»

Mit Arbeitsgruppe leisten die Christdemokraten Vorarbeit für die Wahlen im nächsten Jahr. «Wir wollen Betroffene abholen», sagt Präsident Gassmann klipp und klar.

Die Schwulen und Lesben entdeckt hat vor der CVP bereits die SVP. Dort haben homosexuelle Exponenten die schwule Abteilung GaySVP gegründet. Soweit gehen die Christdemokraten aber nicht. Es sei eine Fachgruppe und keine Parteisektion, macht Ida Glanzmann deutlich. Zu rosarot wollen die Orangen also nicht werden. (rsn/jep)