Widerstand

Die CVP will ihr C loswerden – das könnte besonders in gewissen Kantonen schwieriger werden als gedacht

Soll es bleiben - oder muss es weg? Das C im Parteinamen entzweit.

Soll es bleiben - oder muss es weg? Das C im Parteinamen entzweit.

Die CVP-Spitze stellt das C zur Diskussion. Das stösst auf Widerstand – besonders in gewissen Kantonen.

Es ist nur ein Buchstabe, und doch so viel mehr: das C für christlich im Namen CVP. Schon mehrmals hat die Partei diskutiert, ob sie es streichen will. Passiert ist nichts. Nun lanciert die Parteispitze die Debatte erneut – und der Wind scheint zumindest etwas gedreht zu haben. Präsident Gerhard Pfister sagte der «Schweiz am Wochenende» kürzlich, neun von zehn Reaktionen seien positiv.

Pfister selbst hat eine Spitzkehre hingelegt. Noch Ende März 2019 sagte er in einem Interview mit der «Republik»: «Wir werden das C nicht abschaffen.» Er sehe es als Alleinstellungsmerkmal. «Und die Partei sieht es auch so.» Nun aber stellt Pfister den Buchstaben in Frage.

«Der Name ist nicht das Problem»

Die vehementen Verfechter des C gibt es allerdings nach wie vor. Offen gegen eine Namensänderung äussern sich Parlamentarier aus dem Wallis und aus Freiburg – zwei Kantone, in denen die CVP stark ist. Der Walliser Ständerat Beat Rieder sagt: «Der Name CVP ist ein ‘Brand’ der sich bewährt hat. Man weiss, woher die Partei kommt, was sie bereits für die Schweiz geleistet hat und für welche Werte sie politisch steht.» Das sei wertvoll. Ein Namenswechsel würde zudem «ungeahnte Probleme »mit sich bringen, gibt er zu bedenken: Es bräuchte Geld und Mittel, um die neue Marke den Wählern bekannt zu machen.

«Das Problem der CVP ist nicht der Name», sagt Rieder, «sondern, dass sie nurmehr in einigen Kantonen eine wesentliche politische Kraft ist und daher auf eidgenössischer Ebene nur mit diesen Kräften ihre politische Scharnierfunktion wahrnehmen kann.»

Die Partei müsse ihre politischen Inhalte schärfen – und an diesen auch festhalten, fordert Rieder. Das C im Namen zu streichen, bringe hingegen nichts – im Gegenteil. «Ich glaube nicht, dass unsere Wähler den Namenswechsel goutieren würden», sagt er. «Nur eine Partei, die an sich zweifelt, ändert ihre Namen.»

Mit der Zeit gehen – aber das C behalten

Auch die Walliser Nationalräte Philipp Matthias Bregy und Benjamin Roduit sprechen sich für das C aus, ebenso die Freiburger Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach. Sie sagt: «Es ist richtig, mit der Zeit zu gehen, aber wir sollten an den christlichen Werten festhalten. Das ist heute wichtig, gerade weil sich unsere Gesellschaft im Wandel befindet.»

Roduit räumt ein, das C werde zum Teil falsch verstanden, räumt er ein. Deshalb müsse die Partei besser kommunizieren: «Wir orientieren unsere Politik an christlichen Werten. Dazu muss man nicht Christ sein, das kann auch ein Atheist.» Mehrere Politiker verweisen zudem auf die deutsche CDU, die trotz Wahlniederlagen zum C im Namen stehe.

Das C als Handicap

Interessant ist: Selbst in Gebieten, in denen die CVP stark ist, zeigen sich manche offen für eine Namensänderung. Daniel Fässler, Innerrhoder CVP-Ständerat, betont zwar: «In vielen ‘Stammlanden’ der CVP ist das C für die Wählerschaft kein Problem, sondern im Gegenteil das Alleinstellungsmerkmal.» Anders sei es in städtischen Gebieten und bei jüngeren Wählern. Deshalb sei es richtig, über das C zu diskutieren.

Einen Schritt weiter geht der Schwyzer CVP-Nationalrat Alois Gmür. Er sieht in einem Namenswechsel eine Chance für die Partei. Das C sei heute eher ein Handicap, nicht ein Vorteil. «Die CVP wird auf das Christliche, vor allem auch auf das Katholische, reduziert. Dabei sind wir nicht christlicher als andere Parteien», sagt Gmür, der sich selbst als aktiver Katholik bezeichnet. Gerade junge Leute fühlten sich durch das C im Namen zu stark eingeengt.

Man könne auch christliche Politik machen, ohne das C im Namen zu tragen, gibt er zu bedenken: «An den Taten soll man uns messen.» Gmür würde es begrüssen, wenn die CVP zur «Mitte-Partei» würde.

Vorbehalt gegen «Mitte» als Name

Auch Fässler zeigt sich offen für eine Namensänderung – allerdings mit einem Vorbehalt: Ein Auftritt als «Mitte-Partei» lehne er aktuell ab, sagt er. Denn die «Mitte» sei zuerst einmal ein arithmetisches Resultat. «Würde sich die CVP neu Mitte-Partei nennen, würden viele Stammwähler vor den Kopf gestossen, die sich selber als konservativ und klar bürgerlich verstehen» mahnt er. Vorstellen könnte er sich hingegen schon seit Jahren den Namen «Demokratische Volkspartei».

DVP? Mitte-Partei? Oder doch weiterhin CVP? Viele Parlamentarier wollen sich derzeit nicht äussern oder sagen, sie hätten sich noch nicht entschieden. Klar ist aber: Die Meinungen gehen derzeit auseinander. Für CVP-Präsident Pfister bleibt einiges zu tun. Bis im Juni will er die C-Frage geklärt haben, wie er gegenüber SRF sagte.

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Autor

Maja Briner

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