Kruzifixe

Die CVP kriecht zu Kreuze

Kreuze, aber nicht Kruzifixe sollen in Schulstuben bleiben

Viele CVP-Vertreter wollen das Kruzifix in der Bundesverfassung verankern. Damit propagieren sie christliche Werte und Symbole als Bollwerke gegen die Islamisierung, die unserem Land drohe.

Mit Kirche, Christentum und dem gekreuzigten Heiland hat der CVP-Parteitag von morgen Samstag in Pratteln BL nicht viel zu tun. Ganz im Gegenteil: Weltliche bis teuflische Fasnachtseinlagen von «StickStoff» bis «Jack Daniels» lockern die Veranstaltung auf. Im politisch-ernsthaften Teil geht es unter anderem um die Waffeninitiative, die am 13. Februar vors Volk kommt.

Was soll das C?

Das Christentum steht hingegen in der Christlichdemokratischen Volkspartei heute Freitag auf der Traktandenliste: Der Parteivorstand diskutiert ein so genanntes «C-Papier» aus der Feder der St. Galler CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz. Sie hat mit einer Arbeitsgruppe abgeklärt, was das C für «christlich» in der CVP überhaupt noch soll. Es gehe «nicht um christliche Politik», betont Meyer-Schatz. Aber «um ein christliches Menschenbild, das Grundlage der CVP-Politik» sei.

Distanz zur Kirche markiert

Die Nationalrätin nennt «Würde, Eigenverantwortung, Freiheit und Solidarität» als zentrale Werte der CVP. Diese Werte können christlich sein – müssen sie aber nicht. Meyer-Schatz hatte schon im letzten April betont, ihre Partei, die früher «Katholisch Konservativ» (KK) hiess, wolle «sicher nicht in den Schoss der Kirche zurückkehren». Später schrieb CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer (ZH) gar, das C im Parteinamen könnte ja auch für «Cyber» stehen.

Das finden CVP-Leute vom konservativen Flügel der Partei kaum lustig. Sie sehen das Christentum immer noch als zentrales Element der CVP. Und das C soll möglichst für die ganze Schweiz gelten: CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann-Hunkeler (LU) jedenfalls will mit einer parlamentarischen Initiative das Kruzifix kurzerhand in der Bundesverfassung verankern: «Symbole der christlich-abendländischen Kultur sind im öffentlichen Raum erlaubt», fordert sie als Ergänzung des Grundgesetzes.

Wahltaktisch geschickt

41 Volksvertreter – auch zahlreiche SVP-Leute – haben den Vorstoss unterschrieben. Sie propagieren christliche Werte und Symbole – wahltaktisch geschickt – als Bollwerke gegen die Islamisierung, die unserem Land drohe. Weniger religiöse Politiker fordern im Gegenteil: Nur wenn der Staat konfessionell strikt neutral sei, könne er Ansinnen totalitärer Religionen wie etwa das Schwimmverbot für Mädchen glaubwürdig zurückweisen.

In verschiedenen katholischen Gebieten hat das zu einem Krach um Kruzifixe geführt. So zum Beispiel im luzernischen Triengen. Aber auch im Oberwallis: Dort hat ein Gemeindepräsident und Grossrat der CVP einen Lehrer kurzerhand entlassen, weil der auf konfessionelle Neutralität besonnene Schulmeister in seiner Schulstube kein Kruzifix aufhängen wollte.

«Katholiban» im Oberwallis

Seither tobt in dem immer noch eher katholischen Kanton ein wüster verbaler Religionskrieg. Die Verteidiger des «ketzerischen» Lehrers orten schon mal «Katholiban im Oberwallis». Sie wollen kein altertümliches Folterinstrument mit einem grausam Hingerichteten als Wandschmuck in Schulzimmern. Und sie protestieren dagegen, dass gemäss Walliser Gesetzen die öffentlichen Schulen auch heute noch alle Kinder auf ihre «Aufgabe als Mensch und Christ» vorbereiten sollen. Dieser Kruzifix-Krach sei für sie kein Thema, betont derweil die offizielle C-Chefin der CVP, Lucrezia Meier-Schatz. Es gehe in ihrem C-Papier nicht um Kruzifixe und schon gar nicht um den Kampf gegen irgendwelche Islamisten. Nur um «fundamentale Werte». Immerhin: Im neusten CVP-Grundlagenpapier «Für eine starke Volksschule» steht unter «Vision» auch die Forderung: «Die Schule fördert die Aneignung christlich-ethischer Werte.»

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