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Die Churer Domherren wählen einen neuen Bischof – das müssen Sie wissen

Wer zieht neu in den Bischofssitz in Chur ein?

Wer zieht neu in den Bischofssitz in Chur ein?

Im Bistum Chur gibt es Gräben zwischen konservativen und reformorientierten Katholiken. Kann Sie der neue Bischof zuschütten? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Bischöfliche Provokationen, Konservative gegen Reformkatholiken, umstrittene Personalentscheide: Im öffentlichen Bewusstsein verankerte sich das Bistum Chur in den vergangenen Jahren als Problemfall, bei dem sich ein grosser Teil der Gläubigen immer stärker von der Bistumsleitung entfremdet hat. Vor allem der emeritierte Bischof Vitus Huonder, bis im Frühling 2019 im Amt, stiess progressive Kreise immer wieder vor den Kopf, zum Beispiel mit einem schwulenfeindlichen Bibelzitat oder einer strikten Haltung gegenüber geschiedenen Wiederverheirateten. Aktuell leitet der Apostolische Administrator Pierre Bürcher als Übergangsbischof die Geschicke des Bistums Churs. Gemäss dem «Tages-Anzeiger» treffen sich am Montag die 22 Domherren, um einen neuen Oberhirten zu wählen. Wir geben Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen.

1. Wie wird der Bischof gewählt?

Nuntius Thomas Gullickson, der päpstliche Botschafter in der Schweiz, schlägt dem Vatikan mögliche Bischöfe vor. Daraus erstellt der Papst eine Dreierliste, aus der wiederum das Domkapitel den neuen Bischof kürt.

2. Wer figuriert auf der Kandidatenliste?

Urban Federer, Abt des Klosters Einsiedeln.

Urban Federer, Abt des Klosters Einsiedeln.

Offiziell weiss das niemand. Einer der meist genannten Favoriten ist Urban Federer. Der 52-jährige Abt des Kloster Einsiedeln gilt als sanfter, ruhiger, offener und toleranter Zeitgenosse, der auch den Anliegen der Frauen grosse Beachtung schenkt. Gemäss dem Onlineportal kath.ch gibt es weitere sechs aussichtsreiche Anwärter, darunter Ruedi Beck (57), Pfarrer in Luzern, der sich stark für Flüchtlinge engagiert. Chancen eingeräumt werden auch Joseph Maria Bonnemain, der sich im Bistum Chur um die Beziehungen zu den Landeskirchen kümmert. Er ist allerdings schon 72-jährig.

3. Wer kürt den neuen Bischof?

Bei den Domherren handelt es sich um 22 Pfarrer, die mehrheitlich konservativ ticken. Die reformorientierte Basis befürchtet, sie könnten einen neuen Bischof installieren, der das Erbe von Vitus Huonder weiterführt. Quasi als Schreckensgespenst gilt ihnen Martin Grichting. Der Generalvikar des Bistums Churs wird dem Huonder-Lager zugeordnet. Er steht dem dualen System mit der römisch-katholischen und der Landeskirche ablehnend gegenübersteht. Grichting ist einer der 22 wählenden Domherren. Es ist nicht auszuschliessen, dass auch er auf der Dreierliste des Papstes steht – und quasi sich selber wählen könnte. Gemäss dem «Tages-Anzeiger» versuchte Nuntius Gullickson, das Terrain für einen konservativen Kandidaten zu ebenen. Er hat seine Liste auf Druck liberaler Kreise aber offenbar modifiziert.

4. Wann wird der neue Bischof offiziell bekannt gegeben?

Das dauert noch eine Weile, vielleicht ein paar Tage, vielleicht auch einige Wochen. Zuerst muss der Gewählt den Entscheid der Domherren annehmen. Dann wird der Name des neuen Bischofs nach Rom gemeldet. Der Papst ernennt den Gewählten danach offiziell zum Bischof von Chur und teilt dies der Öffentlichkeit mit. Sein Amt wird der neue Bischof aber erst nach der Weihe zum Bischof in der Kathedrale in Chur antreten. Die Weihe findet voraussichtlich im Februar statt. Bis zur Stabsübergabe bleibt der Apostolische Administrator Pierre Bürcher am Zepter.

5. Welche Hoffnungen werden in den neuen Bischof gesetzt?

Grosse. Viele wünschen sich einen Brückenbauer, der die Gräben zwischen dem Huonder- und dem reformorientierten Lager zuschüttet. Das «Forum Priester der Diözese Chur» lancierte schon vor längerer Zeit in Pfarrblättern den Appell an die 700'000 Gläubigen im Bistum Chur, für einen «guten neuen Bischof» zu beten. Er solle versöhnend wirken und die Vielfalt und Lebendigkeit des kirchlichen Lebens im Bistum fördern. Zum Bistum Chur gehören die Kantone Schwyz, Uri, Ob- und Nidwalden, Zürich, Glarus und Graubünden.

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Autor

Kari Kälin

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