Basel
Die «Blindekuh» bringt in Basel Licht ins Dunkeln

Das Restaurant Blindekuh in Basel ist bekannt für das erlebnisreiche Essen. Es hat das Konzept erweitert: Nun kann man auch im Hellen essen. Die Stiftung will damit zusätzliche Gelder generieren. Denn das Geschäft im Dunkeln ist defizitär.

Madlaina Balmer
Drucken
Teilen
Blindekuh in Basel

Blindekuh in Basel

AZ

Die «Blindekuh» in Basel zeichnet sich eigentlich dadurch aus, dass die Gäste im Dunkeln dinieren. Schon viele Feinschmecker haben erfahren, wie man sich ohne Augenlicht fühlt, und entwickeln Verständnis für Nicht-Sehende. Sie erfahren, wie man das Besteck auf dem Tisch sucht und der Hörsinn einen zentralen Stellenwert bekommt.

Seit einiger Zeit aber können die Gäste in Basel auch am Tageslicht, in der sogenannten Sicht-Bar, die Mahlzeit zu sich nehmen. Zudem gibt es eine Eventhalle, die man mieten kann. Beide Räumlichkeiten sind beleuchtet. Nun kann man sich fragen: Ist die «Blindekuh» von ihrem Weg abgekommen? Weshalb sind die zusätzlichen Räume nicht in Dunkelheit gehüllt?

Mehr Personalkosten als andere

Die Antworten auf diese Fragen erhält man vom Geschäftsleiter «Blindekuh», Adrian Schaffner in Zürich und dem Betriebsleiter Patrick Blattmann in Basel.

«Das Dinner im Dunkeln ist nicht ganz kostendeckend», erklärt Adrian Schaffner, Geschäftsleiter «Blindekuh». Man brauche eben mehr Personal, als in beleuchteten Restaurants, erklärt er. Eine Person steht jeweils an der Rezeption. Sie begrüsst die Gäste und nimmt nur die Bestellung auf. Eine andere, der «Duty», koordiniert den Tischservice. Die Profis im Dunkeln leisten die Servicearbeiten. Man habe also mehr Personalkosten als normale Restaurants.

Das Mehr an Personal bedeutet für die Stiftung auch ein Mehr an Kosten. «Wir bieten keinen geschützten Arbeitsplatz an», erklärt Schaffner. Alle Mitarbeiter erhalten einen marktüblichen Lohn. Hinzu kommt, dass das Restaurant keine Stammkunden hat, die jeden Tag dort essen. «Meist kommen unsere Gäste nicht jeden Tag», weiss Patrick Blattmann, Betriebsleiter «Blindekuh» Basel. Das Essen sei eine sehr spezielle Erfahrung, die viele nicht täglich anstrebten.

Das exklusive Ambiente ist für die Zürcher Stiftung Blind-Liecht, der die Betriebe «Blindekuh» in Basel und Zürich gehören, also Segen und Fluch zugleich. Aus diesem Grund habe man in Basel das Konzept erweitert und biete zusätzlich beleuchte Räume an. «Die Räumlichkeiten in Basel boten sich für die Erweiterung sichtlich an», erklärt Schaffner. Die Industrieräume in Basel seien einfach perfekt für das Konzept im Hellen. «Wir wollen den Leuten auch die Möglichkeit geben, das Erlebte im hellen Ambiente zu reflektieren».

Das Helle hilft Kostendecken

Man achte darauf, dass die Profis im Dunkeln, die möchten, auch im sichtbaren Bereich eingesetzt werden, sagt Blattmann. Neben der Lounge bietet man auch eine Eventhalle im Hellen an.

Mit der Erweiterung des Konzepts richtet sich die Stiftung an ein zusätzliches Zielpublikum. Firmen können die Halle mieten und Gäste können an der Sicht-Bar verweilen oder sich verköstigen. Gäste, die lieber im Hellen essen, sind auch willkommen. «Wir sind immer noch ein sozialer Betrieb», betont Schaffner. Der helle Teil helfe, die Arbeitsplätze für Sehbehinderte und Blinde zu sichern.