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Die Bevölkerung soll das Kasernenareal nutzen können

Die SP will das Gebiet mitten in Aarau der Bevölkerung zugänglich machen. Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz

Kasernenarel Aarau

Die SP will das Gebiet mitten in Aarau der Bevölkerung zugänglich machen. Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz

Die Stadt Aarau soll das Kasernenareal kaufen, wenn sich der Bund als Nutzer und der Kanton als Eigner zurückziehen. Mit ihrer Forderung signalisiert die SP Aarau: Wenn das Militär sparen muss, warum nicht in Aarau? Der Stadtrat soll Bereitschaft zeigen, das Kasernenareal selber neu zu gestalten, anstatt es Privaten zu überlassen.

Thomas Röthlin

In ihrer jüngsten Medienmitteilung zündet die SP Aarau die nächste Raketenstufe in Sachen Kasernenareal. Beflügelt von der Antwort des Stadtrats auf eine Anfrage im Einwohnerrat, «zu gegebener Zeit» sei «eine Gesamtplanung angezeigt», fordern die Sozialdemokraten die Exekutive jetzt auf, er soll «möglichst bald die Kaufabsicht offen legen».
Take-off war im Einwohnerratswahlkampf letzten Herbst. «Aktives Bemühen um eine zivile Umnutzung der Kaserne», war einer von drei SP-Slogans. Am Markt Aarauer Gewerbetreibender MAG fragte die Partei Passanten. Das meistgenannte Anliegen: die baldige Öffnung des Kasernenplatzes für die Bevölkerung. Die originellste Idee: ein künstlicher See mitten in der Stadt.

Anfang März sagte Stadtammann Marcel Guignard an der Einwohnerratssitzung über das «strategisch sehr wichtige Gebiet», dessen «hohe städtebauliche Bedeutung inmitten der Stadt» und sein «Entwicklungspotenzial» seien vonseiten des Stadtrats erkannt.

VBS muss Standorte schliessen

Noch ist der Zeitpunkt für eine Gesamtplanung nicht gekommen. Die SP-Anfrage führte zu Abklärungen beim Departement Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Angesichts fehlender finanzieller Mittel sei eine Schliessung von Standorten unumgänglich, orientierte das VBS. Ende Mai sollen die kantonalen Militärdirektoren über die weiteren Planungsschritte der Stationierung informiert werden.

Warum soll der Stadtrat dann ein Kaufinteresse äussern, wenn es noch gar nichts zu verkaufen gibt? SP-Präsident Christoph Schmid: «Wenn wir jetzt signalisieren, dass Aarau am Kasernenareal interessiert ist, dann ist das VBS vielleicht eher bereit, es einer zivilen Nachnutzung zu überlassen.»

Verkauf würde «sicher geprüft»

Zudem könne die Stadt durch den Erwerb «direkten Einfluss auf die künftige Entwicklung und Nutzung nehmen» - anders als im Gebiet Torfeld Süd, das privaten Immobilienfirmen gehört, die auf den planungsrechtlichen Segen warten. Diese einzige Möglichkeit der öffentlichen Mitsprache wird hier umso mehr genutzt, wie die anstehende Referendumsabstimmung über die Bau- und Nutzungsordnung zeigt.

Das Kasernenareal gehört grösstenteils dem Kanton Aargau. Für die militärisch genutzten Gebäude bestehen mit Armasuisse, dem Immobiliendienst des VBS, Mietverträge bis 2030. Sollte sich der Bund vorher zurückziehen, würde ein Verkauf an Aarau «sicher geprüft», sagt Roberto Fröhlich, Generalsekretär des Departements Finanzen und Ressourcen. Der Aargau habe kein Interesse an betrieblich nicht notwendigen Immobilien, durchaus aber an einer guten Entwicklung der Kantonshauptstadt.

Das fürs Militär zuständige Departement Gesundheit und Soziales (DGS) betont, zurzeit gebe es «keine Hinweise auf einen Verzicht des Bundes auf die Kaserne Aarau», so DGS-Sprecher Balz Bruder. Deshalb bestünde auch kein Anlass, über eine Nachnutzung respektive über einen Verkauf «auf Vorschuss und präjudizierend» zu diskutieren.

Grüne dafür, SVP dagegen

Die Reaktionen der anderen Aarauer Parteien auf die SP-Forderung sind gemischt, wie eine AZ-Umfrage zeigt. Die Grünen sind «sehr dafür», wünschen aber «keinen Kahlschlag und keine Überbauung aus der Retorte». Für Pro Aarau ist es «zweitrangig, ob das Areal dem Bund, Kanton oder der Stadt gehört»; Hauptsache, es bleibt so lang im Eigentum der öffentlichen Hand, «bis in einer Gesamtplanung das stadtplanerische, städtebauliche und nutzungsmässige Potenzial aufgezeigt wird». Die nachmilitärische Nutzung sollte «zum grössten Teil öffentlich» sein.

Die SVP lehnt einen «Kauf auf Vorrat» ab. Das Kasernenareal liege in der Zone für öffentliche Bauten, womit «die Stadt dereinst sowieso mitreden kann». Viel lieber sähe man es, wenn sich diese «für den Erhalt der Infanterie-Durchdienerschule und der Militärmusik-RS mit aller Kraft einsetzen würde».

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