Dählhölzli

«Die Begegnung mit Tieren macht uns zu besseren Menschen»

75 Jahre Dählhölzli

75 Jahre Dählhölzli

Der Berner Tierpark Dählhölzli zeigt vor allem einheimische Tierarten. Für Zoodirektor Bernd Schildger soll es ein Zoo für die Menschen sein.

Im Tierpark Dählhölzli wird heuer ein Jubiläum gefeiert. Der kleine, aber feine Zoo in der Hauptstadt wurde vor 75 Jahren eröffnet. Seine Spezialität sind einheimische Tierarten

«Pläne für den Bau eines Zoos existierten bereits im Jahr 1871, als in ganz Europa ein richtiggehender Zoo-Boom stattfand», erklärt Sebastian Bentz. Der pensionierte ehemalige Regierungsstatthalter ist ein grosser Zoo- und Tierfan und wurde von Tierparkdirektor Bernd Schildger anlässlich des Jubiläums beauftragt, die Geschichte des Dählhölzli aufzuarbeiten. Diese soll voraussichtlich noch dieses Jahr in Buchform erscheinen.

Geld von reichem Uhrenhändler
Dass es dann doch noch weitere 66 Jahre bis zur Eröffnung des Dählhölzli dauerte, sei in erster Linie darauf zurückzuführen gewesen, dass man keinen geeigneten Standort für einen Zoo finden konnte, berichtet Bentz weiter. Am Geld mangelte es hingegen nicht. Ein Legat von 150 000 Fr. des Worber Uhrenhändlers Louis-William Gabus, wuchs seit 1901 dank geschickter Anlagepolitik des von der Stadt Bern eingerichteten Gabus-Fonds bis auf 500 000 Fr. an. Und als die Burgergemeinde sich entschloss, das bewaldete Areal Dählhölzli zur Verfügung zu stellen, machten sich auch die verspäteten Berner an die Realisierung. In einer Volksabstimmung 1935 zeigten die stimmberechtigten Männer ein Herz für Tiere und sagten mit grossem Mehr ja zum Zoo-Projekt, das mit Kosten von 1 Mio. Fr. umgesetzt wurde. Eröffnung war am 5. Juni 1937.

Bären gehören dazu
Zeigen wollte man - und das ist bis heute so - ausschliesslich einheimische Tiere. So bevökerten zunächst Fuchs, Reh, Schaf, Sikahirsch, Murmeltier und allerlei Kleintiere das Gelände. Mangels Wisenten zeigte man zunächst Bisons. Von Anfang an gehörte auch die Betreuung der Wappentiere, der Bären im Bärengraben (heute im BärenPark) zu den Aufgaben des Dählhölzli Teams, das anfangs aus 7 Personen bestand. «Tierpfleger wurde damals, wen man sonst in der Stadt nicht gebrauchen konnte», ergänzt Bernd Schildger mit Augenzwinkern.

Bern und seine Bären

Wie Bern zu seinem Bär kam

Berühmter Zoodirektor
Schon der zweite Zoodirektor, Heinrich Hediger festigte den zoologischen Ruf des Dählhölzli durch seine Entdeckungen: «Als er 1939 zeigen konnte, dass Häsinnen zwei Schwangerschaften gleichzeitig haben können, war das eine Weltsensation», ruft Schildger in Erinnerung. Die aus hygienischen Gründen schwierige Hasenhaltung in Gefangenschaft pflegte Hediger mit Akribie. Bekannt wurden auch seine Erkenntnisse zu den Haus- und Wanderratten, deren verhalten er nachts im Keller des Ökonomiegebäudes in Situ studierte. Hediger, war später in Basel und Zürich Zoodirektor. Er war Autor zahlreicher Bücher.

Zuchterfolge
Auch später gelangen dem Dählhölzli seltene Zuchterfolge, so mit Schneeziegen (1996) und Papageitauchern (2011). Europäische Tiere in einem grosszügigen Umfeld zeigen, so lautet die Philosophie des Tierparks nach wie vor. Das zeigt sich gut am «Portfolio»: 1992 waren noch 348 Tierarten zu sehen, heute sind es 189. Noch immer viel mehr als man in einem Tag anschauen kann.
«Dafür bekommen die Tiere grössere Gehege, in denen sie sich artgerecht verhalten können.», betont Schildger. Denn das Tierwohl sei in der heutigen Gesellschaft zu Recht von hoher Bedeutung. In Bern steht beispielsweise der grösste Seehund-Pool Europas. Die Wisente haben gleich ein ganzes Waldstück bekommen und auch die Russischen Bären Masha und Misca haben seit kurzem ihren BärenWald. Ein neuer Besucherpavillon für die Wappentiere wird im März eröffnet.

Zoofest im Juni
Das grosse Jubiläumsfest des Dählhölzli soll dann am 24. Juni 2012 über die Bühne gehen. Geplant sind neben freiem Eintritt Führungen, Infostände und ein Kulturelles Rahmenprogramm. (at.)

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