Das Atomkraftwerk Beznau ist weltweit der älteste Dinosaurier unter den Atommeilern. Er ging 1969 erstmals ans Netz. Zwei Jahre stand nun der Block 1 des Werks wegen zahlreicher Sicherheitsbeanstandungen still. Jetzt hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) am Dienstag der Betreiberin Axpo grünes Licht gegeben. Geht es nach dem Stromkonzern, soll der Meiler ab Ende März bereits wieder am Netz sein – und noch bis 2030 Atomstrom liefern.

Atomgegner sprechen von einem «schwarzen Tag». Und das ausgerechnet fünf Tage, bevor sich die Katastrophe in Fukushima zum siebten Mal jähre. Der Stromkonzern Axpo feiert hingegen einen Sieg: «Mit dem erbrachten Sicherheitsnachweis haben wir gezeigt, dass wir Beznau 1 gut und sicher bis 2030 betreiben können», sagt Axpo-Chef Andrew Walo zur «Nordwestschweiz».

Damit soll der Dinosaurier die Zielmarke von 60 Betriebsjahren erreichen. Die abgeschlossene Validierung am Reaktordruckbehälter des Blocks 1 sei weltweit einzigartig, so Walo. Untersucht wurden eingeschlossene Aluminiumoxide im Reaktormantel. Diese hätten weder einen negativen Einfluss auf das Material noch auf die Sicherheit der Anlage, wie die Analysen zeigten.

Die Betriebsaufnahme von Block 1 hat sich der Stromkonzern etwas kosten lassen: Wie der Chef erklärt, hat Axpo dafür 350 Millionen Franken in die Hand nehmen müssen. Mit etwa 270 Millionen Franken sei der Löwenanteil davon jedoch nicht für die über 100 technischen Berichte nötig gewesen, sondern für die Ersatzbeschaffung von Energie. Diese musste der Konzern wegen des Stillstands von Block 1 einkaufen. Auch die Wiederinbetriebnahme des Meilers kostet.

Viel Geld für ein Auslaufmodell

Der finanzielle Aufwand ist damit beträchtlich – gerade angesichts der Tatsache, dass der Atomausstieg mit der Energiestrategie 2050 beschlossen ist. Hinzu kommt: Axpo hat für die Nachrüstung von Beznau in den vergangenen Jahren bereits 2,5 Milliarden Franken investiert. Das ist Geld, das der Stromriese nach rekordhohen Milliardenverlusten 2016 gut anderswo hätte gebrauchen können. Geld, das in eine Technologie fliesst, deren Zeit in Europa abgelaufen ist.

Axpo habe die 2,5 Milliarden Franken investiert, um die Anlage bis 2030 gut und sicher zu betreiben, sagt Chef Walo. «Wenn wir abgestellt hätten, wären diese Kosten trotzdem angefallen. Von dem her ist der Deckungsbeitrag, den eine Kernanlage erwirtschaften kann, relativ schnell da, weil die variablen Kosten sehr tief sind.» Hoch seien vor allem die Fix- und Kapitalkosten. «Daher ist es wirtschaftlich, Beznau 1 am Netz zu halten.»

Atomgegner demonstrierten nach dem Entscheid des Ensi am Dienstag vor den Toren des Inspektorats in Brugg. Denn auch wenn Beznau 1 wieder ans Netz darf, ist die MängelHistorie des Atom-Dinosauriers ziemlich lang, die Akzeptanz in der Bevölkerung entsprechend am Boden. Bei der Axpo will man davon jedoch nichts wissen. Nur wenige Meter vom Ensi-Hauptsitz entfernt steht Axpo-Chef Walo am Dienstagmorgen an seinem Rednerpult.

Beschwichtigung klingt hier stets gleich: Wenn Beznau 1 seinen Betrieb wieder aufnehme, habe die Branche etwas mehr Zeit, um den Versorgungsanteil der erneuerbaren Energien zu erhöhen. Das sei auch eine gute Nachricht für die Energiestrategie 2050, so Walo. Zudem werde Beznau 1 jährlich weiter überprüft. «Sicherheit ist nichts Statisches. Es gibt immer Weiterentwicklungen, die wir implementieren müssen.»