Osttangente

Die Autobahn eindecken

Schon genug Lärm: Die Anwohner der Osttangente müssen schon heute mit Lärmschutzwänden geschützt werden. Sie wollen keinen weiteren Ausbau.

Osttangente

Schon genug Lärm: Die Anwohner der Osttangente müssen schon heute mit Lärmschutzwänden geschützt werden. Sie wollen keinen weiteren Ausbau.

Der Ausbau der Osttangente widerspreche der vom Kanton propagierten Wohnumfeldaufwertung in der Stadt. Eine IG wehrt sich gegen den Ausbau und fordert stattdessen einen Lärmschutz durch Eindeckung der Autobahn.

Toprak Yerguz

Der Bundesbeschluss zum Programm zur Beseitigung von Engpässen im Nationalstrassennetz hat in der Region Konsequenzen: Als einer dieser Engpässe wurde die Basler Osttangente identifiziert. Sie soll ausgebaut werden.

In den umliegenden Quartieren hat sich Widerstand gegen diese Pläne gebildet. Den geplanten Ausbau auf drei Autobahnspuren in beide Fahrtrichtungen auf dem Abschnitt zwischen Gellertdreieck und Schwarzwaldtunnel wollen Gegner des Vorhabens nicht hinnehmen.

Die Interessengemeinschaft «Osttangente Ausbau Nein - Lärmschutz jetzt» lehnt den Ausbau ab und fordern stattdessen, dass das bestehende Autobahnstück einen Lärmschutz bekommt, «der diesen Namen auch verdient», wie Paul Dilitz vom IG-Ausschuss vor Medienvertretern sagte.

Ausbau für den Nahverkehr?

Dilitz sprach von einem Basler «Unort», der nach dem Autobahnausbau noch unansehnlicher würde. Das Ausbauprojekt halte an einem veralteten Verkehrskonzept fest. «Heute würde man eine Autobahn unterirdisch bauen, so wie bei der Nordtangente», fuhr er fort.

Die Osttangente verlaufe jedoch oberirdisch, sogar auf Höhe der umliegenden Wohnblöcke, während sich der öffentliche Verkehr und die Velofahrer «unten durchwursteln» müssten, wie Veronika Röthlisberger vom IG-Ausschuss fand. Das sei nicht zeitgemäss und stossend.

Im Bericht des Bundesrats wird von einem Zuwachs auf 100 000 bis 125 000 Fahrzeuge pro Tag im Jahr 2020 auf diesem Streckenabschnitt ausgegangen. Röthlisberger hinterfragte die Annahmen, die hinter diesen Zahlen stehen: «Wir zweifeln an diesem Verkehrsaufkommen.»

Ein anderes Problem sei die Zusammensetzung des Verkehrs. Röthlisberger rechnete mit «60 - 80 Prozent», der dem regionalen Autoverkehr zugeordnet werden könne: «Das hat nichts mit der Transitachse Hamburg - Italien zu tun.» Es sei Sache des Kantons darauf zu reagieren. Ein Ausbau der Autobahn von Seiten des Bundes fördere nur den individuellen Nahverkehr.

Ob es politisch gesehen sinnvoll ist, den Ausbau der Autobahn abzulehnen, gleichzeitig aber die Eindeckung des Abschnitts zu verlangen, ist fraglich. «Vielleicht ist es realpolitisch nicht so erfolgsversprechend», räumte Dilitz ein, «aber die Forderungen nach Lärmschutz sind berechtigt: Es gibt sie schon seit 20 Jahren.»

Der Wunsch der Quartierbewohner nach einem Schutz vor den Emissionen des Auto- und Schienenverkehrs über die Schwarzwaldbrücke ist nicht neu. Zwar wurde die IG erst am 1. April 2008 gegründet, aber die Lärmschutzforderungen sind bereits früher von Quartiervereinen formuliert worden.

Kantonsingenieur Roger Reinauer, Leiter des Tiefbauamts, hatte in einem früheren bz-Artikel zum selben Thema erklärt, dass sich der Kanton Basel-Stadt der Absicht des Bundes anschliesse, den Verkehr auf den Hauptachsen zu führen, um die Wohnquartiere zu schonen.

«Schizophren»

Dilitz hält dieses Verhalten des Kantons für «schizophren»: Der Kanton bemühe sich, Zuzüger in die Stadt zu locken und rede von Wohnumfeldaufwertung. Gleichzeitig nehme man hin, dass es durch den Ausbau im Quartier noch weniger wohnlich werde. Der Ausbau der Autobahn trage nichts zur Schonung des Quartiers bei.

Eine langjährige Baustelle und der folgende Mehrverkehr bringen aus Sicht der IG mehr Lärm und Luftverschmutzung für die Quartiere. Die IG hat gestern eine Petition lanciert, die sich gegen den Ausbau richtet.

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