Das Rennen um den einzigen Sitz des Kantons Baselland im Ständerat ist so spannend wie lange nicht mehr. Am 20. Oktober kommt es zum Triell zwischen den Nationalräten Maya Graf (Grüne), Eric Nussbaumer (SP) und Daniela Schneeberger (FDP). Die vierte Kandidatin, alt Landratspräsidentin Elisabeth Augstburger (EVP), hat kaum Wahlchancen, könnte aber den Ausgang der Wahl als Spielverderberin beeinflussen.

Graf, Nussbaumer, Schneeberger? Selbst Polit-Auguren tun sich schwer mit einer Prognose.

Baselbieter Volk wählt oft den Ausgleich

Das hat auch mit der Geschichte des Landkantons zu tun: Zwar wählt die Bevölkerung traditionell mehrheitlich bürgerliche Parteien; deren Wähleranteil liegt bei rund 60 Prozent. Dennoch zeigt das Wahlvolk Gespür für Ausgleich bei der Besetzung des einzigen Stöckli-Sitzes. Dieser war in den letzten 100 Jahren jeweils in der Hand der FDP oder der SP.

Seit 2007 vertritt Claude Janiak das Baselbiet in Bern. Der gemässigte Sozialdemokrat ist dreimal komfortabel gegen prominente bürgerliche Widersacher gewählt worden. Gewiss scheint derzeit bloss eines: Bereits im ersten Wahlgang am 20. Oktober wird kein Sieger feststehen.

Nehmen wir die drei aussichtsreichsten Kandidierenden unter die Lupe:

Maya Graf: Die Grünen-Nationalrätin (seit 2001) und ehemalige Nationalratspräsidentin (2012/2013) steigt mit leichten Vorteilen in die Ausmarchung. Die diplomierte Sozialarbeiterin politisiert pointiert links, was sie eigentlich für viele unwählbar machen würde. Doch erzielte die Sissacherin bei den Nationalratswahlen 2015 am meisten Stimmen aller Kandidierenden im Kanton. Dies, obwohl SVP und SP wesentlich wählerstärker sind als Grafs Grüne.

Das Erfolgsgeheimnis der Panaschierkönigin? Die 57-Jährige ist eine Sympathieträgerin erster Güte. Es gibt kaum jemand, zu dem sie im Gespräch keinen Draht findet. Mit ihrem bäuerlich-ländlichen Hintergrund und urban-weltoffener Grundhaltung verkörpert sie den Kanton fast schon ideal.

Graf gilt im Bundeshaus weder als Top-Shot noch als Hinterbänklerin. Das Momentum spricht für Graf: In den omnipräsenten Themen Gleichberechtigung und Klimawandel ist die Co-Präsidentin des Frauendachverbands Alliance F und Biobäuerin in ihrem Element und wirkt glaubwürdig. Graf könnte als erste Frau überhaupt und erste Grüne das Baselbiet im Stöckli vertreten. Mit einer Wahl Grafs würde auch ein Zeichen des Aufbruchs gesetzt.

Eric Nussbaumer: Der Liestaler SP-Nationalrat (Seit 2007) tritt seiner grossen Hypothek mit Schalk entgegen: Eine Vorstellungsrunde bei der CVP schloss er mit den Worten: «... und die Medien schreiben, ich sei ein Mann.» Die Geschlechterfrage ist virulent: So konnten sich die Juso nicht zu einer Wahlempfehlung für Genosse Nussbaumer durchringen.

Der 59-Jährige, der im Baselbiet zweimal Regierungsratswahlen verloren hat, scheint mal wieder zur falschen Zeit am falschen Ort. Ansonsten spricht vieles für Nussbaumer: Der Elektroingenieur ist im Parlament einer der prägenden Energie- und Europapolitiker im linken Lager. Er verfügt über staatsmännisches Format und wirkt ausgleichend. Inhaltlich wäre er der logische Nachfolger des abtretenden Ständeherrn Janiak. 

Daniela Schneeberger: Die Nationalrätin (seit 2011) aus Thürnen, Treuhänderin und Turnerin, ist im Baselbiet tief verwurzelt und an praktisch jedem geselligen Anlass anzutreffen. Sie verkörpert Mentalität und Grundhaltung vieler Menschen in den ländlichen Kantonsteilen. Ob die Oberbaselbieterin auch bei Wählern in der stadtnahen Agglo punkten kann, ist indes unklar.

Die Vizepräsidentin des nationalen Gewerbeverbands hat sich in der Wirtschafts- und Steuerpolitik – jüngst bei der AHV-Steuervorlage – profiliert. Schneeberger politisiert am rechten Rand der FDP, was im Ständeratsrennen ein Nachteil ist.

Für Schneeberger spricht neben ihrer Volksnähe ihr Alter: Mit 52 ist sie einige Jahre jünger als Nussbaumer und Graf, was für die weitere politische Karriere nicht ganz unerheblich ist. Als Freisinnige ist Schneeberger in der «richtigen» Partei; jener, die den Baselbieter Ständeratssitz am längsten innehatte.

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Spannend, aber erst auf den zweiten Blick

Nationalratswahlen: Elisabeth Schneider-Schneiter kann lange vor dem 20. Oktober schon mal den Champagner kaltstellen. Noch vor vier Jahren musste die CVP-Nationalrätin um ihre Wiederwahl fürchten. Das ist dieses Mal anders: Über eine geschickte Listenverbindung mit EVP, BDP und Grünliberalen haben die Christdemokraten bereits Fakten geschaffen, noch bevor der Wahlkampf so richtig in Gang gekommen ist. Der Sitz ist Schneider-Schneiter kaum mehr zu nehmen.

Ohnehin wäre im Baselbiet schon ein politisches Erdbeben nötig, damit sich an der bisherigen Sitzverteilung etwas ändert. Mit diversen Listenverbindungen haben die Parteien den Ist-Zustand zementiert. Sandra Sollberger und Thomas de Courten für die SVP, Maya Graf von den Grünen und die Freisinnige Daniela Schneeberger sitzen alle sicher im Sattel. Das Gleiche gilt für den Sozialdemokraten Eric Nussbaumer und sogar für Samira Marti, die erst im Dezember für SP-Urgestein Susanne Leutenegger Oberholzer in die grosse Kammer nachgerückt ist.

Wer nun aber glaubt, die Nationalratswahlen im Baselbiet seien an Langeweile kaum zu überbieten, der irrt. Grund dafür ist die Ständeratswahl. Weil mit Graf, Schneeberger und Nussbaumer gleich drei amtierende Nationalratsmitglieder um den einzigen Sitz buhlen, ist unter den Kandidierenden von Grünen, FDP und SP ein Gerangel um den zweiten Listenplatz losgegangen. Wer diesen erreicht, hat die Chance, doch noch in den Nationalrat nachzurücken. Die Ausgangslage ist dabei offen. Und damit spannend.