Die Ammänner stehen hinter dem Kraftwerk Beznau

Wichtige Phase in der Diskussion um ein neues Atomkraftwerk im Gebiet Beznau: Das kantonale Richtplanverfahren für ein mögliches Ersatzkernkraftwerk Beznau läuft. Der Entwurf für die Richtplananpassung liegt in Döttingen, Böttstein, Klingnau, Würenlingen und Villigen auf. Alle fünf Gemeindeammänner sind dem Projekt «Ersatzkernkraftwerk Beznau» gegenüber positiv eingestellt.

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Ja klar, aber nicht zum Nulltarif

Ja klar, aber nicht zum Nulltarif

Michael Hunziker

Es sei klar, dass die bestehenden Werke nicht ewig betrieben werden könnten, meint Peter Hirt, Döttingen. Hirt ist überzeugt, dass die Technologie weiter genutzt werden muss. Auch sei die Zukunft für den Betrieb des Fernwärmenetzes Refuna sicherzustellen. «Das Richtplanverfahren gibt uns die Chance, dass die Standortfrage auf Stufe Kanton geklärt wird, damit die Region sich mit den zu erwartenden Aufgaben befassen kann und die Rahmenbedingungen der übergeordneten Stufe kennt», führt Hirt aus. «Es gibt uns auch die Chance, grundsätzliche Bedingungen für ein Bauprojekt einfliessen zu lassen.» Persönlich und als Gemeindevertreter liegen Hirt einige Punkte am Herzen. «In erster Linie gehört sicher die Eingliederung in die Landschaft dazu, was mit der Kühlung zusammenhängt. Auch ist es wichtig, dass Standortnachteile minimiert und entsprechend abgegolten werden», meint der Döttinger Gemeindeammann. Und: «Es liegt mir daran, Arbeitsplätze für die Zukunft zu sichern.»

Patrick Gosteli, Böttstein, weist auf die erneuerbaren Ressourcen hin, die «leider bei weitem nicht ausreichen werden». Mit dem Betrieb eigener Kernkraftwerke bleibe die optimale wirtschaftliche und ökologische Alter-
native, «ohne vom Ausland abhängig zu werden», hält Gosteli fest. Und weiter: «Dank einer transparenten, permanenten Kommunikation seitens der Kraftwerk- leitung wurde eine jahrzehntelange Vertrauensbasis geschaffen, die uns überzeugt, dass Mensch und Technik die Werke sicher bewirtschaften.»

Ganze Aufmerksamkeit sei der Anpassung der Baukörper, die im Vergleich zu den bisherigen massiv grösser sein werden, beizumessen, führt Gosteli aus. Des Weiteren seien die Lärmimmissionen bei Bau und Betrieb so gering wie möglich zu halten. Ebenfalls sei die Versorgung der Refuna sicherzustellen. «Nebst allen Sicherheits-, Landschafts- und umweltrelevanten Aspekten ist für die Gemeinde Böttstein die Frage der Standortabgeltung zentral», macht Gosteli klar. Oder anders gesagt: «Der Gemeinderat steht dem Projekt ‹Ersatzkernkraftwerk Beznau› sehr positiv gegenüber. Er ist aber nicht bereit, die Last eines Kernkraftwerks, von dem ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung einen Nutzen hat, zum Nulltarif mitzutragen.»

Diese Meinung vertritt auch Peter Bühlmann, Klingnau. In der Betriebsphase müsse die Abgeltung sichergestellt sein. Denn mit organisatorischen Massnahmen werde der Kraftwerkbetreiber Steueroptimierungen anstreben. «Wir müssen dafür sorgen, dass ein gewisser Teil des Geldes in der Region bleibt», sagt Bühlmann. Vielleicht sei der Atomrappen ein Thema. «Es kann nicht sein, dass aufgrund von Optimierungsmassnahmen die Standortregion steuerlich benachteiligt wird.»

Bereits in der Bauphase müssen gemäss Bühlmann verschiedene Punkte genau geprüft werden. Es gelte, sowohl die Rodungen als auch die Transporte kritisch beobachten. «Der Bau wird eine Belastung sein. Die Region soll deswegen aber nicht benachteiligt werden.»

André Zoppi, Würenlingen, ist ebenfalls der Ansicht, dass es offene Fragen zur Bauphase gibt. Diese soll rundzehn Jahre dauern und es werden voraussichtlich um die 2000 Arbeiter auf der Insel Beznau anzutreffen sein. Das Verkehrsaufkommen werde zunehmen, hält Zoppi fest. Frühzeitig müssten deshalb die nötigen Massnahmen in die Wege geleitet werden. «Ich hoffe, dass das Gewerbe in der Region vom Bau profitieren kann.» Bei der Frage der Abgeltung in der späteren Betriebsphase sei zu beachten, dass nicht nur eine Gemeinde, sondern die nähere Umgebung zum Zug komme.

Ähnlich tönt es bei Jakob Baumann, Villigen. Die Abgeltung, die Standortgunst, müsse zur Sprache kommen. Denn die Region nehme ihre Pflichten wahr. Dieser Umstand sei zu berücksichtigen. Ein Thema werde der Verkehr sein, sagt auch Baumann. «Die Zu- und Wegfahrt muss sauber geregelt werden.» Nach Ansicht des Gemeindeammanns von Villigen macht die Erschliessung über die Hauptstrasse Döttingen–Würenlingen Sinn. «In unserer Gemeinde sollte der Lastwagenverkehr nicht zunehmen. Es gibt kritische Frage, die zu beantworten sind.»

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