Grenchen

Die Alterspolitik am Scheideweg

Altes Spital: Willi Gyger präsentierte vor Ort sein Projekt Sunnepark. (Bild: Urs Lindt)

Alter

Altes Spital: Willi Gyger präsentierte vor Ort sein Projekt Sunnepark. (Bild: Urs Lindt)

Kaum hat der Kanton der Pflegeheim Berntor AG das alte Spital sowie angrenzendes Land im Baurecht abgegeben, informiert diese über ihre Aktivitäten. Ein offener Architekturwettbewerb über das ganze Gelände soll die beste Lösung bringen. Kein Tabu ist ein Abbruch des alten Spitals.

Urs Byland

Was in anderen Kantonen schon länger der Fall ist, wird auch im Solothurnischen immer mehr zu einer Option: Private Unternehmer kümmern sich um Altersbelange. Bisher galt es als ureigenste Aufgabe einer Gemeinde, die Altersinstitutionen bereitzustellen. In Grenchen wurde zu diesem Zweck 1966 eine Stiftung mit städtischer Vertretung gegründet. Der Betrieb der beiden Alterszentren Kastels und Weinberg belastete fortan die städtische Rechnung nur bei Investitionen.

Nun hat ein Privater die Initiative ergriffen. Er versucht eine Lücke zu füllen, die sich geöffnet hat und in den kommenden Jahren weiter öffnen wird. Es fehlt in Grenchen eine Demenzabteilung, Ausbauten der bestehenden Plegeheime stehen an, prognostiziert wird eine Zunahme der Bevölkerung, die älter als 80 Jahre ist, und die Bedürfnisse der zu Pflegenden und deren Angehöriger ändern sich.

Grösser, als ursprünglich gedacht

Zuerst dachte Willi Gyger, Verwaltungsratspräsident der Pflegeheim Berntor AG, an eine Sanierung des alten Spitals, um rund 45 Langzeitpflegeplätze zu erstellen. Jetzt hat seine Berntor AG auch noch das angrenzende Gelände zum alten Spital im Baurecht erworben. Geplant sind neu 75 Langzeitpflegeplätze in einem modernen Pflegezentrum, inklusive einer Demenzabteilung, sowie rund 40 Zwei- bis Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen. Die Wohnungen sollen vermietet werden. Insgesamt entstehe ein umfassendes Angebot an diversen stationären und ambulanten Wohn- und Pflegediensten. «Hier werden künftig verschiedenste Betreuungsformen angeboten», erklärt Willi Gyger. So könne, nennt er ein Beispiel, ein älteres Paar, bei dem eine Person unselbstständig ist, gemeinsam das künftige Angebot nutzen. Die selbstständige Person mietet eine Wohnung, und der Partner erhält im Pflegezentrum die nötige Betreuung.

3,5-Stern-Angebot

Willi Gyger und dem bei einer Besichtigung vor Ort anwesenden Verwaltungsrat Thomas Fedrizzi ist es ernst. Der Kanton vertraut dem Konzept, sonst hätte er das Gelände nicht abgegeben. Aber der Zuschlag für das zusätzliche Gelände, total rund 15 000 Quadratmeter, zwingt zu einer Überarbeitung der Pläne. «Wir lancieren jetzt einen offenen Architekturwettbewerb», erklärt Fedrizzi. Die besten Ideen sollen sich durchsetzen. Auch möglich wird ein Neubau anstelle des alten Spitals und des Schwesternhauses. Die dort untergebrachte Kinderkrippe könnte auch in einem künftigen Angebot einen Platz finden, erklärt Gyger. «Das Haus ist nicht schützenswert und eine Sanierung mit dem Ziel Baustandard Minergie-Eco dürfte ebenso teuer kommen wie ein Neubau.» Ein Baustart ist für Sommer 2010 vorgesehen. Gyger rechnet mit rund 30 Millionen Franken Investitionen und verspricht ein 3,5-Stern-Angebot. «Etwas, das man sich leisten kann.»

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