Thomas Röthlin

Es ist wohl der Traum jedes Künstlers: In einem lichtdurchfluteten, 140 Quadratmeter grossen Raum voller Industriegeschichte hat Hannes Egli (51) sein Atelier und seine Malschule. Zusammen mit Dutzenden anderen Kreativschaffenden, Kultur- und Gewerbetreibenden bevölkert Egli die «alte Bürsti» an der Köllikerstrasse in Oberentfelden.

Damit soll bald Schluss sein. Die Gemeinde als Eigentümerin will das zum Teil baufällige Gelände verkaufen. Ein kommerzieller Investor würde in Erwartung einer gewissen Rendite Wohnungen und neue Gewerberäume bauen. Die heutigen Mieter befürchten, sie hätten dann keinen Platz mehr oder müssten Zinsen zahlen, die sie nicht vermögen.

Egli ist klar, dass so oder so «recht hohe Investitionen» und damit Mietzinserhöhungen nötig sind: in die Isolation, Stromleitungen, feuerpolizeiliche Massnahmen. Die Bausubstanz hingegen sei zwar alt, «aber stabil». Er schlägt deshalb als Kompromiss vor, wenigstens den so genannten Altbau, das zwischen 1900 und 1920 erstellte Fabrikgebäude, zu erhalten und nur das restliche Gelände einer höheren Wertschöpfung zuzuführen.

Die bestehende Interessengemeinschaft «IG alte Bürsti» soll zu diesem Zweck in einen Verein umgewandelt werden, «der in der Bevölkerung breit abgestützt werden könnte», so Egli. Er ist überzeugt: «Viele möchten die alte Bürsti erhalten.» Dies müsse dem Gemeinderat mittels eines konkreten Vorschlags unterbreitet werden.

Die IG hat eigens ein Leitbild

formuliert. Egli zitiert daraus: «Die alte Bürsti ist ein Mehrwert für die Region.» Übungskeller verhinderten, «dass rumgehängt wird». Hobbyräume erlaubten «Entfaltungsmöglichkeiten» ohne Rentabilitätsdruck. Non-Profit-Organisationen wie die Konzertbar Böröm pöm pöm erweiterten die kulturelle Vielfalt. Und Kleinbetriebe schafften Arbeitsplätze. Ein «wertvoller Beitrag zur Wohn- und Lebensqualität der Gemeinde Oberentfelden», schliesst Egli.