Bundesbern
Die Abgänge bei Simonetta Sommaruga häufen sich

Die Infochefin von SImonetta Sommaruga hat nach nur einem halben Jahr gekündigt. Dieser Abgang ist nicht der erste im Umfeld der Justizministerin. Gibt es da einen Zusammenhang zu Sommarugas Führungsstil?

Stefan Schmid
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Schon wieder muss Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) eine Kaderposition neu besetzen. Sylvia Scalabrino, seit September 2012 Informationschefin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD), verlässt das Departement per Ende Oktober 2013 auf eigenen Wunsch.

Offizieller Grund dafür sind unterschiedliche Vorstellungen über Fragen der Organisation und der Ressourcen. Scalabrino war bis zu ihrem Stellenantritt stellvertretende Chefredaktorin beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).

Schlechte Stimmung?

Scalabrinos Abgang ist nicht der erste im unmittelbaren Umfeld der Justizministerin. Bereits ihre Vorgängerin Christine Stähli musste den Sessel nach nur einem Jahr wieder räumen. Laut Insidern war Stähli mit der anspruchsvollen Aufgabe überfordert. Freiwillig verliess indes in jüngster Vergangenheit mit Marc Gebhard ein gewiefter politischer Stratege die Informationsabteilung.

Nach nur zwei Jahren wechselt Gebhard in die Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün der Berner Gemeinderätin Ursula Wyss – offiziell, weil er sich dort seiner Herzensangelegenheit, der stadtbernischen Verkehrspolitik, widmen kann. Zuvor kündigte Michael Leupold, der Direktor des Bundesamtes für Justiz, seine Zusammenarbeit mit Sommaruga auf. Er amtet neu als Chef der Aargauer Kantonspolizei. Auch in diesem Fall ist offiziell alles in Minne. Leupold wollte in den Aargau zurück.

Gut informierte Quellen vermuten zwischen den verschiedenen Abgängen aber einen Zusammenhang. Insbesondere das Verhältnis zu Sommarugas mächtigem Generalsekretär Matthias Ramsauer, der seit gut zwei Jahren seines Amtes waltet, scheint schwierig zu sein.

Die «Schweiz am Sonntag» macht derweil auch die Chefin für das angespannte Klima im Departement verantwortlich. Laut der Zeitung erwarte Sommaruga von ihren Mitarbeitern vollen Einsatz rund um die Uhr. «Es ist die ständige Verfügbarkeit, die EJPD-Mitarbeitern zu schaffen macht», schrieb die Zeitung in ihrer Ausgabe vom 4. August. So soll Sommaruga auch nach 23 Uhr und am Wochenende regelmässig E-Mails an wichtige Mitarbeiter verschicken. Diese fühlten sich verpflichtet, die Nachrichten rasch zu beantworten. Scalabrino will zu diesen Vorwürfen nicht Stellung nehmen und verweist auf die offizielle Sprachregelung.

Balmer zum Zweiten

Interimistisch wird nun erneut Guido Balmer, Scalabrinos Stellvertreter, den Informationsdienst leiten. Ob ein Nachfolger gesucht werde, sei zurzeit noch nicht entschieden und Gegenstand einer vertieften Abklärung, heisst es im Departement.

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