Bundesrat tritt ab
Didier Burkhalter in Stichworten: «Fremde Richter sind für mich…»

Didier Burkhalter geht. Vorher äussert sich der Aussenminister noch zu dem, was ihn acht Jahre umtrieb. Fremde Richter, Trump, Merkel. Aber auch über seine Familie.

Henry Habegger und Dennis Bühler
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KEYSTONE

Mein Leben ohne Weibel wird ...

... auch schön! Und ich nehme diese Gelegenheit wahr, den Weibeln und den Chauffeuren für ihre unermüdliche Arbeit und ihre ständige Präsenz beim Bundesrat herzlich zu danken. Sie waren für mich sehr oft ein Sonnenstrahl in harten Tagen.

Fremde Richter sind für mich ...

... vor allem Richter. Das Wesentliche ist die Unabhängigkeit der Justiz und nicht die Herkunft der Richter.

Vladimir Putin hat mich ...

... eingeladen, empfangen, interessiert. Er hat gesprochen und auch zugehört. Und die Diskussionen mit ihm im 2014 waren spannend und nützlich für die Handlungsfähigkeit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa OSZE.

Angela Merkel ist für Deutschland ...

... ein Ruder, ein Motor und eine
echte Autorität. Mit ihr und ihrer Mannschaft, sowie mit Frank Steinmeier, konnte ich unkompliziert kooperieren, zum Beispiel, als wir zusammen Entscheidungen im Rahmen der Ukraine-Krise treffen mussten.

Mit Donald Trump sind die USA ...

... in einer neuen Zeit angekommen.
In einer weniger vorhersehbaren, stärker polarisierenden Zeit, die die komplexen Gleichgewichte der amerikanischen Gesellschaft auf die Probe stellt.

Sebastian Kurz wird Österreich ...

... dienen. Mit der Erfahrung, die er trotz seiner Jugend bereits hat, mit seinem angeborenen Willen, der etwas Unerbittliches hat. Ich hoffe für ihn, dass er es schafft, Österreich stärker zu einen.

Emmanuel Macron bewirkt in Europa ...

... viel Neues. Neue Ideen, eine
neue Energie für ein Frankreich, das seiner Bevölkerung mehr Vertrauen, Sicherheit und Perspektiven geben muss. Ich glaube, sein Erfolg wird von seiner Fähigkeit abhängen, diesen neuen Schwung mit Bescheidenheit und Menschlichkeit zu erfüllen.

Als Persönlichkeit am meisten beeindruckt hat mich ...

... Joker! Durch die Beantwortung dieser Frage würde ich das Vertrauen und die Vertraulichkeit schwächen,
die zum Amt eines Aussenministers gehören. Auch dann noch, wenn man die Funktion abgibt.

In Kontakt bleiben werde ich ...

... das weiss ich im Augenblick nicht. Und wenn ich es wüsste, würde ich es Ihnen nicht sagen.

Meine schmerzhafteste Niederlage war ...

... ein Fussballspiel. Ich war jung und habe viel dabei gelernt.

Mein OSZE-Präsidium hat mir ...

... erlaubt zu zeigen, wie wichtig und nützlich es ist, wenn die neutrale, unparteiische Schweiz spezifische Verantwortungen in unserer schwierigen internationalen Gemeinschaft übernimmt. Abgesehen davon fand ich
es einfach fantastisch, das tun zu dürfen. Ich habe während des ganzen Jahres 2014 den Eindruck gehabt, doppelt zu leben.

Anders vorgehen würde ich im Nachhinein ...

... nicht.

Beitreten wird die Schweiz der EU ...

... wenn sie will – und das will sie nicht. Die Zukunft können wir auch selbst gestalten. Mit einer Mischung aus Selbstvertrauen, Ehrgeiz, Wille und Bescheidenheit.

Die EU wird in zehn Jahren ...

... immer noch wichtig sein, um dem Frieden auf unserem Kontinent mehr Chancen zu geben. Was auch für unser Land entscheidend ist.

Am meisten fehlen wird mir ...

... das weiss ich jetzt noch nicht. Vielleicht Ihre Fragen! Aber das war nur ein Scherz.

Mein Verhältnis zur FDP ist ...

... eine ständige Freundschaft mit vielen Menschen und den schönen Werten von Freiheit und Verantwortung. Und ich finde es auch schön, dass die FDP in den letzten Jahren wieder gewonnen hat. Das heisst mehr Verantwortung für unser Land und unsere Kantone, für die Menschen.

In meiner Freizeit werde ich nun ...

... das ist Privatsache! Eines ist sicher: Ich liebe es, etwas Nützliches zu tun. Kochen zum Beispiel.

Frauen im Bundesrat sind ...

... eine Chance. Männer übrigens auch.

Dem Personal in meinem Departement wünsche ich ...

... alles Gute, viel Kraft und weiterhin den Sinn des Staatsdienstes. Aber
das ist nicht «mein» Departement. Als Exekutivpolitiker besitzt man nichts. Man ist allerhöchstens Mieter.

Aussenminister zu sein ist ...

... für mich das Schönste, was es in
der Politik im Dienste des Landes gibt.
Die Vorgabe in der Verfassung sagt alles: Mehr Frieden in der Welt, mehr Demokratie, mehr Menschenrechte, weniger Armut und mehr Umweltschutz.

Meinem Nachfolger rate ich ...

... nichts, weil ich ihm Vertrauen schenke.

Meine Familie ist für mich ...

... seit immer das ganze Leben.