Die Kanzlerin unterbrach aber diese Woche für zwei Tage ihren Wahlkampf. Sie flog zum G20-Gipfel im amerikanischen Pittsburgh. Danach will sie bei mehreren Kundgebungen bis zum Samstag um eine Mehrheit für das angestrebte "schwarz-gelbe" Bündnis von CDU/CSU und FDP werben.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sieht Chancen, dies zu verhindern. Er bekräftigte gegenüber dem Online-Dienst des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel": "Die Stimmung im Land hat sich gedreht." Es werde wieder nicht für ein schwarz-gelbes Bündnis reichen. Merkel werde danach in ihrer eigenen Partei in Bedrängnis geraten.

Steinmeier sagte erneut voraus, dass eine Koalition der Unions-Parteien mit der FDP für einen "Kahlschlag bei Rente und Gesundheit" stehe, weil nur so die "aberwitzigen" Pläne für Steuersenkungen zu finanzieren seien.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte dagegen in Berlin: "Wer eine stabile Regierung unter Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel will, der muss am Sonntag mit beiden Stimmen die CDU wählen."

Pofalla kündigte eine weitere Mobilisierungsaktion von Parteimitgliedern und Abgeordneten an. "Die Bundestagswahl wird erst auf den letzten Metern entschieden, die Zahl der unentschlossenen Wähler ist nach wie vor sehr hoch", erklärte Pofalla.

Wenn es keine Mehrheit für CDU/CSU zusammen mit der FDP gibt, gilt eine Fortsetzung der grossen Koalition der Unions-Parteien mit der SPD unter Merkels Führung als wahrscheinlich. Für den ehemaligen CDU-Kanzler Helmut Kohl wäre dies aber kein Unglück, sondern nur die zweitbeste Lösung. Die schwarz-rote Koalition wäre "wieder ein grosser Kompromiss", sagte der 79-Jährige der "Bild"-Zeitung.