Bildungsaustausch

Deutsche Lernende, ab in die Schweiz! Politiker im Nachbarland fordern enge Zusammenarbeit

Sprung ins Ausland möglich: Coiffeuselernende in Wallisellen.

Sprung ins Ausland möglich: Coiffeuselernende in Wallisellen.

In Deutschland wollen FDP-Politiker den Bildungsaustausch mit dem Nachbarland massiv ausbauen. Trotz Streit zwischen der EU und der Schweiz.

Da sind sich Deutschland und die Schweiz ähnlicher, als vielen lieb ist: Die duale Berufsbildung gilt in beiden Ländern als Erfolgsmodell. Lernende werden am Arbeitsplatz und in der Schule ausgebildet, alles ist auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet. Wie einmalig dieses Modell ist, betonen Politiker gerne in Sonntagsreden – beidseits der Grenze.

Statt die Eigenheiten zu beschwören, wollen sich deutsche Liberale nun für grenzüberschreitende Zusammenarbeit einsetzen. Die FDP-Fraktion im Bundestag fordert die Regierung von Angela Merkel in einem Antrag dazu auf, den Austausch mit dem Nachbarland in den Bereichen Bildung und Forschung massiv auszubauen. Gemäss dem soeben eingereichten Vorstoss soll sie dazu Gespräche mit dem Bundesrat aufnehmen. Ziel müsse die Gründung eines deutsch-schweizerischen Jugendwerks sein, um so den binationalen Austausch zu stärken. Während das deutsche Bildungsministerium mit Nachbarländern wie Frankreich oder Polen jeweils Jugendwerke unterhält, fehlt eine solche bilaterale Institution mit der Schweiz.

Gleichzeitig will die FDP von Parteichef Christian Lindner der Schweiz helfen, ihre Beziehungen zur EU zu verbessern. Die deutsche Regierung müsse sich auf europäischer Ebene dafür einsetzen, dass die Schweiz wieder Programmland beim Studentenaustausch «Erasmus plus» wird. Und dass sie zudem als vollassoziiertes Land am Forschungsrahmenprogramm «Horizon Europe» beteiligt bleiben kann. Wegen des politischen Seilziehens um das institutionelle Rahmenabkommen Schweiz–EU harzt es derzeit bei diesen Kooperationen.

Auslandsemester nicht nur für Studenten

Unabhängig davon wollen die Liberalen in Berlin vorwärtsmachen. Sie wünschen sich neue bilaterale Partnerschaften mit der Schweiz. «Mit exzellenten Bildungs- und Forschungsorganisationen im Herzen Europas ist die Schweiz ein wichtiger Partner für einen weltoffenen Austausch», unterstreichen sie in ihrem Antrag. Denn: «Der eigene Blick über den nationalen Tellerrand hinaus ist das beste Rezept gegen Vorurteile und nationale Rückzugsgefechte.»

Die Liberalen denken dabei zu allererst an ein, wie sie schon fast pathetisch festhalten, «weltweit nahezu einzigartiges System»:

In beiden Ländern ist es für Studierende heute selbstverständlich, dass sie einen Aufenthalt im Ausland verbringen. So machen Deutsche längst den grössten Anteil ausländischer Gäste an den Schweizer Hochschulen aus.

Doch für Lernende ist ein solcher Austausch deutlich schwieriger. Sie müssen Schule und Arbeit aufeinander abstimmen. Dabei erleichtert gerade das in beiden Ländern etablierte System der betrieblichen Ausbildung «die Vermittlung passender Partnerbetriebe erheblich», wie es die FDP formuliert.

Immerhin: In der Schweiz haben sich unterdessen viele Berufsschulen international vernetzt. Mehrere Kantone und Branchen bieten Austauschprogramme an. Nach Angaben der nationalen Agentur Movetia, die im Auftrag des Bundes die Mobilität in der Bildung fördert, absolvierten im vergangenen Jahr insgesamt über 960 Lernende und 230 Lehrabsolventen einen Austausch. Die Zahlen steigen seit Jahren. Gleichzeitig kamen 2019 bloss 160 Lernende und 22 Lehrabsolventen für einen Austausch in die Schweiz.

Viel Potenzial orten die deutschen Liberalen schliesslich auch in der Schulbildung. 2019 nahmen nur gerade 46 Schüler aus Deutschland und 77 aus der Schweiz an einem Austausch im jeweiligen Nachbarland teil.

Autor

Sven Altermatt

Sven Altermatt

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