Weidel wurde angekreidet, dass sie als Bundestagsabgeordnete ihren Lebensmittelpunkt nicht in Deutschland habe. Und auch die Tatsache, dass Weidel mit einer dunkelhäutigen Frau in einer stark multikulturell geprägten Stadt wie Biel zwei Kinder grosszieht, passte so gar nicht in das Bild, das man sich von der Rechtsaussenpolitikerin gemacht hatte.

Die AfD-Fraktionschefin betonte stets, dass sie ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland habe. Ihre Partnerin lebe und arbeite in der Schweiz. Sie selbst versuche, wie jeder arbeitstätige Elternteil, auch Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Weidels Lebenspartnerin ist Kulturschaffende. Das Paar verkehrte in der Bieler Kulturszene.

Weidels Sprecher, Daniel Tapp, bestätigte am Freitag Berichte in der "Süddeutschen Zeitung" und im "Tages-Anzeiger, dass die 39-Jährige ihre Wohnung in Biel aufgibt.

Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte Tapp: "Es ändert sich an der Wohnsitz-Situation von Frau Weidel in Deutschland nichts. Sie bleibt ihrem Kreisverband am Bodensee erhalten". In Sitzungswochen wohne Weidel in Berlin. Ein Umzug der gesamten Familie in die Hauptstadt sei nicht geplant. Der Sprecher sagte: "Ansonsten möchte sie sich zum Thema nicht äussern."

Spendenaffäre

Weidel und die AfD gerieten Mitte November wegen einer grossen Parteispende aus der Schweiz unter Druck. Gemäss Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" sollen zwischen Juli und September 2017 gut 130'000 Euro von einer Schweizer Pharmafirma an den AfD-Kreisverband Bodensee geflossen sein, in dem die jetzige Fraktionsvorsitzende Weidel für den Bundestag antrat. Als Spendenzweck habe der Geldgeber angegeben: "Wahlkampfspende Alice Weidel".

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft in Konstanz Ermittlungen in dem Fall aufgenommen, da der Verdacht auf Verstoss gegen das Deutsche Parteiengesetz bestehe. Spenden von Nicht-EU-Bürgern an deutsche Parteien sind illegal.

Weidel betonte Anfang Woche im Deutschen Bundestag, das Geld sei zurückgezahlt worden. "Es gab keine Bargeldkoffer, die hin- und hergetragen wurden und deren Inhalt in Schubladen verschwunden ist und an deren Verbleib sich niemand mehr erinnern kann oder will."

Die AfD hat bestätigt, dass im vergangenen Jahr rund 130'000 Euro von einer Schweizer Pharmafirma an Weidels AfD-Kreisverband Bodensee überwiesen wurden. Zudem gab es eine weitere hohe Spende aus den Niederlanden.

Die Organisation LobbyControl erhob am Mittwoch in der Spendenaffäre um Weidel schwere Vorwürfe gegen die AfD. "Die AfD profitiert seit Jahren von millionenschweren Wahlkampagnen durch anonyme Kräfte, hinter denen ein Briefkastenverein und eine Schweizer PR-Agentur stehen", erklärte LobbyControl-Vertreter Ulrich Müller. Das zeige erneut, dass die Partei kein Problem mit verdeckten Geldflüssen habe.