Seit Anfang Jahr hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) 168 Masern-Fälle registriert – acht Mal mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zwei Menschen starben. Wie sich die Krankheit ausbreiten kann, zeigt ein vom BAG geschilderter Fall: Eine Person infizierte sich auf den Philippinen und steckte auf dem Heimflug zwei Passagiere an. Zurück in der Schweiz gab sie die Infektion an eine Gesundheitsfachperson sowie ihren Bruder weiter. Und dieser steckte ebenfalls eine weitere Medizinalperson an.

Der Fall zeigt, wie ansteckend die Krankheit ist. Hygienemassnahmen wie Händewaschen oder Niesen in die Armbeuge können gegen die Verbreitung von Masern nichts ausrichten, wie das BAG festhält. Kommt hinzu: Bereits vier Tage, bevor der typische Hautausschlag auftritt, ist eine erkrankte Person ansteckend.

Notfall-Praxis reagiert auf Ausbrüche

Gerade innerhalb der Familie und in Schulen können sich die Masern schnell ausbreiten. Die Krankheit ist jedoch auch eine Herausforderung für Notfall-Praxen und Spitäler. Sie müssen verhindern, dass an Masern erkrankte Personen andere Patienten anstecken.

Die City Notfall AG, die drei Standorte im speziell betroffenen Kanton Bern betreibt, hat inzwischen reagiert. «Wegen der jüngsten Masernausbrüche wurden im City Notfall neue Regeln für den Umgang mit Patienten einführt», erklärt Michael Hofer, Ärztlicher Leiter: Patienten mit typischen Symptomen, die nicht geimpft sind, werden bereits am Empfang isoliert.

In den vergangenen drei Monaten wurden im City Notfall fünf Masernerkrankungen diagnostiziert. Bei jedem neuen Fall müssen jeweils alle Patienten, die zur gleichen Zeit in der Praxis waren, informiert werden, wie Hofer erklärt.

Die Firma Arzthaus.ch AG, die Gruppenpraxen mit Notfall-Einheit in Aarau, Zürich, St. Gallen und Zug betreibt, hat hingegen keine besonderen Massnahmen getroffen, wie eine Sprecherin erklärt. Es werde jedoch immer am Empfang geprüft, ob ein Patient an Masern oder einer anderen hochansteckenden Krankheit leiden könnte.

Dicht verschlossenes Einzelzimmer

Auch die Spitäler sind bereits gerüstet. Im Unispital Zürich waren wegen der jüngsten Masern-Ausbrüche bisher keine zusätzlichen Massnahmen nötig, ebenso im Inselspital in Bern. «Natürlich sind aber die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen im Moment aufgrund der Ausbrüche speziell sensibilisiert», schreibt Stefan Kuster, Leitender Arzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich.

Wegen der Ansteckungsgefahr werden Patienten, bei denen eine Masern-Erkrankung vermutet oder festgestellt wurde, im Spital isoliert. Kuster erklärt: «Da Masern hoch ansteckend sind und über die Luft auch über weite Strecken übertragen werden können, ist es notwendig, die Patienten in einem dicht verschlossenen Einzelzimmer zu betreuen.» Idealerweise sollte in diesem Zimmer zudem Unterdruck herrschen.

Erkrankte sollen sich telefonisch melden

Kuster appelliert an die Betroffenen: Personen, die sich mit Masern angesteckt haben könnten, sollten sich an die Vorgaben der Gesundheitsbehörden halten und in der ansteckenden Phase zu Hause bleiben. Falls ein Arztbesuch nötig ist, sollten sie sich im Spital oder in der Arztpraxis immer telefonisch anmelden.

Kaum zu spüren bekommen den Anstieg der Masernfälle die Haus- und Kinderärzte. Trotz der starken Zunahme der Fälle bleiben sie in den einzelnen Praxen eine Seltenheit, wie Rolf Temperli vom Berufsverband Haus- und Kinderärzte Schweiz erklärt. Spezielle Vorkehrungen in den Praxen seien nicht nötig, denn: «Im Gegensatz zu Spitälern und Permanencen kennen wir unsere wenigen nicht geimpften Patienten und können somit wenn nötig im Einzelfall Massnahmen treffen.»