33'646 Menschen ohne Schweizer Pass zogen zwischen Januar und Juni wieder weg. Das sind 8,3 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2014.

Mit Abstand die meisten Auswanderer sind deutscher Nationalität. Über 7000 Deutsche haben im letzten Halbjahr die Schweiz verlassen, wie das Staatssekretariat für Migration am Donnerstag mitteilte. Viele dürften in ihre Heimat zurückgekehrt sein.

"In Deutschland werden wieder mehr Stellen geschaffen. Das erleichtert natürlich die Rückkehr", sagte Volkswirtschaftsprofessor Jan-Egbert Sturm von der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich.

Starker Franken

Dazu kommt, dass in der Schweiz manche Wirtschaftszweige unter dem starken Franken leiden. Dass deswegen nun viele Leute auswandern, glaubt Sturm aber nicht. Seit der Aufhebung des Mindestkurses Mitte Januar sei noch zu wenig Zeit vergangen. "Die Stellen fallen nicht in den ersten Monaten nach der Aufwertung fort", sagte Sturm.

Ausserdem treffe man den Entscheid auszuwandern nicht über Nacht, sagte der Volkswirtschaftsprofessor, der selbst Niederländer ist. Das sei ein schleichender Prozess. Die Frankenstärke habe diesen Prozess vielleicht bei manch einem beschleunigt. Der Hauptgrund aber sei es nicht.

Diesen ortet Sturm anderswo: Im Gefühl nämlich, in der Schweiz weniger willkommen zu sein als auch schon. Die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative sei ein Grund für dieses Gefühl. Wobei das Ja am 9. Februar 2014 ja nur ein Symptom gewesen sei für die Einstellungen der Leute.

Franzosen, Italiener, Portugiesen

Neben den Deutschen wanderten auch viele Franzosen, Italiener und Portugiesen im letzten Halbjahr wieder aus. Bei allen drei Nationalitäten waren es rund 3000. Danach folgen Briten, Spanier, Amerikaner, Österreicher, Chinesen und Inder.

Die Deutschen, Italiener, Portugiesen und Franzosen nehmen nicht nur bei den Auswanderern die Spitzenplätze ein, sondern auch bei den Einwanderern. Rund 8500 Deutsche sind im ersten Halbjahr eingewandert. Auf dem zweiten Platz folgen die Italiener mit über 7000 Personen vor den Portugiesen und den Franzosen.

52'000 Einwanderer

Insgesamt wanderten zwischen Januar und Juni rund 52'000 Menschen in die Schweiz ein. Werden Geburten, Übertritte aus dem Asylprozess und Ähnliches dazugerechnet, wuchs die ausländische Wohnbevölkerung in der Schweiz um 72'000 Personen. Diese Zunahme ist um 2,2 Prozent höher als in der Vorjahresperiode.

Gleichzeitig wanderten mit rund 34'000 Personen aber auch deutlich mehr Personen aus. 15'000 weitere wurden eingebürgert, einige starben oder verschwanden auf andere Art aus der Statistik. Insgesamt sank die ausländische Wohnbevölkerung um rund 62'000 Personen.

Unter dem Strich lebten Ende Juni 1,975 Millionen Menschen ohne Schweizer Pass dauerhaft in der Schweiz. Das sind 35'000 mehr als noch vor einem halben Jahr. Da die Zahl der Auswanderer so stark anstieg, schwächte sich die Zunahme gegenüber der Vorjahresperiode allerdings ab.