Affäre Mörgeli
Deshalb tut Christoph Mörgeli der Schweizer Politik gut

Christoph Mörgeli ist und bleibt ein aufmüpfiger SVP-Politiker. Das schadet der Schweizer Politik nicht. Bei aller Streitbarkeit um seine Person: Mörgeli bringt Schwung in die sonst ruhigen Fahrwasser der Schweizer Politik.

Sabina Galbiati
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Eine Frage der Zeit, bis Christoph Mörgeli wieder zu seiner alten Form findet.Andreas Meier/freshfocus

Eine Frage der Zeit, bis Christoph Mörgeli wieder zu seiner alten Form findet.Andreas Meier/freshfocus

Bei aller Streitbarkeit, die an der Figur Christoph Mörgeli seit Beginn seiner Polit-Karriere entbrannt ist, bleibt doch eine Tatsache unantastbar. Sein Misstrauen gegenüber allem und jedem sorgte noch immer für entscheidende Debatten im sonst so ruhigen Fahrtwasser der Schweizer Politik. Es ist gerade diese kritische Haltung, die den SVP-Strategen zu einem unermüdlichen Kämpfer werden liess.

Man mag seine Meinung teilen, mag ihn verteufeln oder nicht ernst nehmen, an Christoph Mörgeli kommt kein Schweizer Politiker vorbei. Das musste Namensvetter Christoph Blocher bereits 1977 feststellen, als Mörgeli im zarten Alter von 17 Jahren die Wahl der SVP-Ikone zum Präsidenten der Kantonalpartei Zürich bekämpfte. Wieder war es sein Misstrauen, das den jungen Kantischüler einen kritischen Blick auf Blocher werfen liess. Blocher reagierte prompt und machte sich den Feind zum Verbündeten.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Historiker Mörgeli mit seinen «Weltwoche»-Kolumnen regelmässig Stürme im sonst eher ruhigen Wasserglas der Schweizer Politik auszulösen vermag.

Kritischer, aber gescheiter Geist

So polarisierend seine Exkurse auch sein mögen, zeugen die Fakten und Argumente doch von einer Liebe zur Recherche, wie sie eben nur ein kritischer Geist entwickeln kann. Und wer nur einige der provokanten Texte liest, wird in ihnen nicht zuletzt eine emotionale Ebene entdecken, die die einen zum Jubeln, die anderen aber zum Haareraufen treibt. Eine hohe Kunst, die ihm das Lob seitens der Journalistenzunft garantiert. So machte ihn seine unbestechliche Handschrift 2007 zum «Kolumnist des Jahres».

Ein herzblütiger Kolumnist, SVP-Stratege, Vordenker seiner Partei, die rechte Hand Blochers, Familienvater, Titularprofessor und seit 1985 Konservator des medizinhistorischen Museums Zürich und der medizinhistorischen Handschriftenabteilung der Universität Zürich. Seine Tätigkeit als Kurator schien er im Gegensatz zum politischen Amt als Nationalrat zu vernachlässigen.

Mit der Affäre um das vernachlässigte medizinhistorische Museum löste Christoph Mörgeli ein weiteres Mal einen medialen Wirbel aus. Doch sein Misstrauen und das Herzblut für seine Anliegen scheinen ihm dieses Mal zum Verhängnis zu werden. So schmetterte er der Universität raue Kritik entgegen. Warf der Alma Mater und deren Mitarbeitern Mobbing vor, sah sich und seine Partei durch die Universität verleumdet und blieb doch chancenlos. Das Vertrauensverhältnis sei unwiederbringlich zerstört, so Andreas Fischer, Rektor der Universität Zürich. Mörgeli habe die Loyalitätspflicht verletzt.

Christoph Mörgeli wie auch allen anderen Akteuren wird nichts übrig bleiben, als sich zu beruhigen. Bereits jetzt hoffen die einen und bangen die anderen, dass diese streitbare Figur ihrer Linie treu bleibt. Ebenso klar dürfte sein, dass ein Mann, der bereits als Primarschüler Plakate für die SVP aufhängte, so schnell nicht von seinem Kurs abkommt. Insofern dürfte dieses leidige Intermezzo höchstens als Ruhe vor dem nächsten politischen Wirbel zu werten sein.