12. Dezember 2007. Das Parlament wählt Christoph Blocher nicht mehr in den Bundesrat. Die SVP beklagt sich bitterlich über die «Mauscheleien» und «Intrigen» der Mitte-Links-Mehrheit, die das Aushängeschild der Partei aus Amt und Würde gedrängt hat.

Wenig später holt die SVP ein altes Projekt aus der Schublade: die Initiative für die Volkswahl des Bundesrats. Überzeugt, mit der Abwahl Blochers habe das Parlament eine rote Linie überschritten, setzt die SVP voll auf das Volk. Das Ziel ist klar: Die «selbstgefällige Classe politique» in Bern soll entmachtet werden.

Initiative schadet eher SVP

Am 9. Juni, fünfeinhalb Jahre nach Blochers Abwahl, ist es nun so weit. Die Initiative, die aus Frust lanciert wurde, gelangt zur Abstimmung. Die Zeit der Revanche am Polit-Establishment ist gekommen.

Allein: Die Empörung hat sich weitgehend gelegt. «Ich bin erstaunt, wie selten die SVP in dieser Legislatur ihre Untervertretung in der Regierung überhaupt noch thematisiert», sagt etwa der Zürcher Politologe Michael Hermann.

Die Kampfeslust der SVP hat seit 2007 abgenommen. Insbesondere der gross angekündigte «Sturm aufs Stöckli» – die Eroberung zusätzlicher Sitze im Ständerat – ist bei den Wahlen 2011 gescheitert. Parteipräsident Toni Brunner etwa unterlag im stockbürgerlichen St. Gallen gar dem Sozialisten Paul Rechsteiner.

Auch Christoph Blocher oder Caspar Baader blieben in ihren Kantonen ohne Chance. Diese Erfahrung zeigte, wie schwierig es die SVP in Persönlichkeitswahlen mit Mehrheitswahlrecht hat.

Für die Abstimmung vom 9. Juni bedeutet dies: Kommt die Initiative durch, dann würde die SVP davon politisch wohl kaum profitieren. Sie sähe sich vielmehr gezwungen, künftig nur noch mit gemässigten Kandidaten anzutreten, die über die eigene Partei hinaus Ansehen geniessen.

SVP kämpft ohne Geld

Ein zweiter Grund, warum sich die Partei im Abstimmungskampf nicht verausgaben wird: Bereits in der ersten Meinungsumfrage sprach sich eine Mehrheit von 51 Prozent der Befragten gegen die Initiative aus.

Beobachter gehen davon aus, dass der Anteil der Gegner bei dieser Art Vorlage weiter zunehmen wird. «Staatspolitische Initiativen sprechen die Leute weniger an», sagt Michael Hermann. Beispiele dafür seien die Maulkorb-Initiative oder jüngst die Initiative der SVP-nahen Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) «Staatsverträge vors Volk».

Für Hermann ist daher klar: «Die SVP wird einigermassen lustlos für die eigene Initiative kämpfen.» Ein grosses Engagement werde sie schon deshalb nicht zeigen, weil sie am 9. Juni nicht als grosse Verliererin dastehen möchte. Ein zu kleines Engagement sei aber ebenfalls nicht angebracht, weil es sich doch um ein eigenes Anliegen handle.

SVP-Vertreter sehen dies naturgemäss anders: «Wir werden eine ernsthafte Kampagne mit grossem Einsatz führen», sagt etwa Silvia Bär, stellvertretende Generalsekretärin und Kampagnenleiterin. Das Thema beschäftige die Menschen, ist der Waadtländer Nationalrat Guy Parmelin überzeugt, der den Abstimmungskampf in der Romandie animieren soll. «Die Bürger haben genug von den Spielchen im Bundeshaus.»

Und Parteipräsident Toni Brunner sagt: «Unsere Mittel sind zwar begrenzt, aber wir werden mit Herzblut kämpfen.» Man werde den Direktkontakt zu den Leuten suchen und Flyer verteilen. Geld für eine Kampagne habe die SVP hingegen nicht. Grösser könnte der Unterschied zu chancenreichen Politprojekten wie der Ausschaffungsinitiative oder der Masseneinwanderungsinitiative nicht sein.