Justiz
Der Zahl der Verwahrungen in der Schweiz geht zurück

Die Zahl der Verwahrungen ist in der Schweiz massiv zurückgegangen. Seit der Revision des Strafgesetzes im Jahr 2007 ordneten die Richter pro Jahr im Durchschnitt 4,6 ordentliche Verwahrungen an - im gleichen Zeitraum davor waren es noch 18.

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Zahl der Verwahrungen in der Schweiz geht zurück.

Zahl der Verwahrungen in der Schweiz geht zurück.

Keystone

Dies berichtet die «NZZ am Sonntag». Die Rechtsprechung hat sich seit Annahme der Verwahrungsinitiative 2004 verändert - paradoxerweise in eine andere Richtung, als nach dem Volks-Ja zum restriktiven Umgang mit Straftätern zu erwarten war.

Die Richter wenden nicht nur die neu geschaffene lebenslange Verwahrung mit grösster Zurückhaltung an, sie sprechen auch die herkömmliche ordentliche Verwahrung viel seltener aus. Stattdessen ordnen Gerichte mehr Therapien an: Vor 2007 wurden jährlich zwischen 20 und 60 psychisch gestörte Straftäter zu einer stationären therapeutischen Massnahme verurteilt. In den Jahren danach waren es zwischen 75 und 129.

Kosten verdoppeln sich

Die Zahl der verwahrten Täter im Strafvollzug sank seit 2007 von 282 auf rund 150, jene der Häftlinge in stationärer Therapie stieg in den letzten zwei Jahren von 366 auf gegen 800. Ein Therapieplatz ist doppelt so teuer wie ein Gefängnisplatz. Die Kosten für den Vollzug der Therapien stiegen zwischen 2007 und 2011 von 44 auf 93 Millionen Franken.

«Diese Steigerung steht in einem direkten Zusammenhang mit der Steigerung der Anzahl der stationären Massnahmen», schreibt der Bundesrat in seiner Antwort auf eine Interpellation von SVP-Nationalrätin Natalie Rickli. Diese fordert nun, dass der Grundsatz im Strafrecht umgekehrt wird: Eine Therapie soll nur angeordnet werden, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit bestehe, dass dadurch die Rückfallgefahr gesenkt werden könne. Heute ziehen die Richter die Therapie der Verwahrung vor, wenn auch nur eine geringe Chance auf einen Therapieerfolg besteht. (rsn)