Wenn Julian Assanges Mitarbeiter mit dem Informatik-Unternehmer Andreas Fink in Kontakt treten, dann «immer über drei Ecken», berichtet der Basler im Gespräch mit der az. «Sie sind extrem vorsichtig.»

Vor gut einem Jahr gelangte Wikileaks mit einer ersten Anfrage an Finks Unternehmen Datacell, das in Reykjavik und Münchenstein BL Datencenter betreibt. Damals war Wikileaks ein Randphänomen, heute zerbrechen sich die mächtigsten Würdenträger dieser Welt den Kopf über das Gebaren der Enthüllungsaktivisten: Im Juli begannen Wikileaks-Direktor Assange und seine Mitstreiter damit, Hunderttausende vertrauliche Dokumente aus dem amerikanischen Regierungsapparat ins Internet zu stellen.

Andreas Finks Beziehungen zu Wikileaks fruchteten: Seit diesem Herbst ist Datacell für einen Grossteil der digitalen Spendenabwicklung von Wikileaks verantwortlich. Sympathisanten können auf der Wikileaks-Website über Andreas Finks «Payment-Gateway» per Kreditkarte Geld spenden. Geld, das Wikileaks bitter nötig hat: Millionen Internetnutzer greifen auf die Geheimdokumente zu und verursachen immense Servertraffic-Kosten. Julian Assange braucht die finanziellen Mittel für seine ständigen Reisen.

Aufenthaltsort? «Keine Ahnung»

Für Fink ist der Wikileaks-Auftrag «ein Geschäft wie jedes andere». Natürlich sympathisiere er mit Assanges Mission. Wie gut kennt er den Australier? «Ich traf ihn einmal persönlich zur Vertragsunterzeichnung.» Wo sich Assange zurzeit aufhält? «Keine Ahnung», sagt Fink lachend. Warum aber wählte Assange eine Basler Firma für die Spendenabwicklung? Entscheidend war, dass Finks Unternehmen einen Teil seiner Rechencenter in Island installiert hat, wo auch Wikileaks eine Operationsbasis betreibt. «Der Strombedarf macht 80 Prozent der Kosten eines Datencenters aus», sagt Fink. Nirgends sei die Kilowattstunde günstiger zu haben als auf dem Inselstaat: «Geothermische Kraftwerke und Wasserturbinen erzeugen Strom, der zehnmal weniger kostet als in der Schweiz.» Die tiefen Temperaturen auf der Insel minimierten zudem die Kühlungskosten für die Server.

Überhaupt ist Julian Assanges Netzwerk in der Schweiz weit verzweigt: Im November reiste er auf Einladung des Freiburger Anwalts Ridha Ajmi nach Genf, wo er sich bis Mitte Monat aufhielt. An einem Sonntag verabredete er sich mit der Spitze der Schweizer Piratenpartei in einem italienischen Restaurant in Genf. «Das Treffen dauerte zwei Stunden», berichtet Piratenpartei-Präsident Denis Simonet.

Bei Pizza und Pasta erläuterten der Informatik-Student und sein Vizepräsident Assange die Schweizer Rechtslage, den Föderalismus und «wie er am besten mit den Behörden in Kontakt treten kann». Konkret wollte Assange wissen, wie man politisches Asyl beantragt. Die Piratenpartei würde den Australier nur zu gerne mitsamt seiner Enthüllungsplattform in die Schweiz holen: «Für die Schweiz wäre Wikileaks eine gute Gelegenheit, sich international zu positionieren», sagt Simonet. «Wir boten ihm Hilfe an, dafür zeigte er sich sehr dankbar.»