Hypothekarkredite in der Höhe von 834 Milliarden Franken waren Ende 2012 bei Schweizer Banken ausstehend. Das Bruttoinlandprodukt lag im gleichen Jahr bei 592 Milliarden Franken. Mit anderen Worten: Die Verschuldung wegen Immobilien entspricht 140 Prozent der Schweizer Wirtschaftsleistung – ein internationaler Spitzenwert. Und das Ungleichgewicht nimmt weiter zu. Denn das Wachstum der Hypothekenvolumen liegt bei gegen 5 Prozent und damit weit höher als dasjenige der Einkommen.

Nationalbank, Finanzdepartement und Finanzmarktaufsicht (Finma) sehen darin ein Problem. Sie befürchten, dass viele Hausbesitzer einen Zinsanstieg nicht verkraften könnten. Die Nationalbank hält im aktuellen Bericht zur Finanzstabilität fest, dass 40 Prozent der neuen Kreditnehmer bei einem Zinsanstieg auf 5 Prozent ein Problem bekämen, weil die Zinslast ein Drittel des Einkommens übersteigen würde. Fünf Prozent sind keine Fantasiezahl: Es ist der durchschnittliche Zinssatz der letzten 50 Jahre.

Der Bundesrat wird aktiv

Um die Risiken auf dem Immobilienmarkt einzudämmen, wollte die Finma die Banken zu schärferen Selbstregulierungsmassnahmen drängen. Es wäre für die Akteure des Bundes zweifellos der einfachste und bequemste Weg gewesen. Doch die Branche stellt sich quer. Einerseits beurteilt die Bankiervereinigung die Lage auf dem Immobilienmarkt als weniger drastisch. Andererseits will sich die Branche ihre Selbstregulierungsmassnahmen nicht von der Finma diktieren lassen.

Doch damit ist das Thema nicht vom Tisch. Wie die «Zentralschweiz am Sonntag» in ihrer gestrigen Ausgabe schreibt, wird nun der Bundesrat über schärfere Regeln bei der Hypothekenvergabe entscheiden – und zwar auf dem Verordnungsweg. Das Dossier liegt derzeit bei Serge Gaillard, dem Chef der eidgenössischen Finanzverwaltung.

Wie Gaillard gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag» sagte, stehen dabei Vorschriften über die Belehnung, Tragbarkeit und Amortisation im Vordergrund.

Schulden schneller abbezahlen

Dass die Amortisation der Hypothekarkredite zum Thema wird, überrascht nicht. Im Jahresbericht ortet die Finma in diesem Bereich besonderen Handlungsbedarf. Die Aufsichtsbehörde stellt fest, dass durch die langsame Zurückzahlung der Kredite – aktuell muss ein Drittel der Hypothek nach 20 Jahren abbezahlt sein – zusätzliche Risiken aufgebaut werden. «Eine konsequentere Amortisation wäre wünschenswert», schreibt die Finma. Dieser Wunsch steht allerdings im Widerspruch zum Steuersystem: Da Hypothekarzinsen von den Steuern abgesetzt werden können, besteht kein Anreiz, die Schulden abzubauen.

Drohen höhere Zinsen?

Zu welchen Massnahmen der Bund schliesslich greifen wird, ist offen. Der «SonntagsBlick» schrieb gestern, dass die Immobilienbesitzer jenen Zins bezahlen sollen, mit dem die Banken in ihren internen Sicherheitsmodellen rechnen. Dieser kalkulatorische Zins liegt bei rund 5 Prozent und ist mehr als doppelt so hoch wie der Hypothekarzins. Der Aufpreis zum Marktzins soll dann zur Rückzahlung der Hypothek verwendet werden. Gemäss «SonntagsBlick» unterbreitete die Finma diesen Vorschlag der Bankiervereinigung, die ihn jedoch ablehnte. Die beiden Akteure wollten sich gestern inhaltlich nicht dazu äussern.

Wie auch immer die Massnahmen des Bundesrates im Detail ausfallen werden, das Ziel ist klar: Der Traum vom Eigenheim soll sich weniger einfach realisieren lassen.