Affäre Mörgeli
Der Tag der Entscheidung für Mörgeli

Der Medizinhistoriker und SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli trifft heute seine Vorgesetzten an der Universität Zürich zu einer zweiten, ausserordentlichen «Mitarbeiterbeurteilung». Für Mörgeli ist eine Entlassung «unmöglich». Und für seine Chefs?

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Der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli (Archiv)

Der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli (Archiv)

Keystone

Bei einem ersten solchen Gespräch im Februar war Mörgelis Arbeit als «ungenügend» taxiert worden. Was nun bei diesem zweiten Gespräch beschlossen wird oder werden kann - darüber kursierten die unterschiedliche Auffassungen.
Der Titularprofessor und SVP-Nationalrat selbst ist überzeugt, dass eine Entlassung unmöglich sei. Diese Annahme stützt sich auf die im Februar verfasste Mitarbeiterbeurteilung, die gestern auszugsweise von verschiedenen Onlineportalen veröffentlicht wurde. Darin steht: Falls die Leistung des Medizinhistorikers abermals als ungenügend eingestuft werde, habe Mörgeli weitere sechs Monate Zeit für Verbesserungen. Eine Entlassung könnte demnach erst im Verlaufe des kommenden Jahres ausgesprochen werden.
Zweite Gnadenfrist nicht zwingend
Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli hatte am Mittwoch in der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens eine andere Version vorgebracht. Auf die Frage des Journalisten: «Was passiert, wenn die Personalbeurteilung negativ ist?», sagte die SP-Magistratin: «Dann wird die Kündigung ausgesprochen und Christoph Mörgeli der Lohn weitere sechs Monate gezahlt.»

In einer schriftlichen, von der Fernsehsendung «10 vor 10» publizierten Erklärung hielt Bildungsdirektorin Aeppli gestern an dieser Darstellung fest. Tatsächlich sieht das Personalgesetz des Kantons Zürich im Artikel19 vor, dass auf eine Bewährungsfrist von sechs Monaten in gewissen Fällen verzichtet werden kann. «Von einer Bewährungsfrist kann ausnahmsweise abgesehen werden, wenn feststeht, dass sie ihren Zweck nicht erfüllen kann», so das Personalgesetz.
Happige Vorwürfe
Christoph Mörgeli hat nach eigener Ansicht alle im Februar vereinbarten Ziele erfüllt. Dies sagt Mörgelis Anwalt Valentin Landmann. Die Zielvorgaben seien laufend überprüft worden.
Mörgeli war am Dienstag vergangener Woche in die Schlagzeilen geraten. In einem internen Bericht wurden dem Konservator im medizinhistorischen Museum der Universität Zürich happige Vorwürfe macht. Unter anderem ist in dem Bericht von veralteten Ausstellungen und mangelhaft gelagerten Präparaten die Rede.

Wie es mit Mörgeli an der Uni Zürich weiter geht, wird heute Freitag entschieden. Für 10.30 Uhr hat die Uni zur Medienkonferenz geladen. (NCH)