Flugzeugabsturz Würenlingen
«Der Swissair-Absturz war kein Unfall, das war ein Kriegsverbrechen»

Arthur Schneider, Buchautor zum Absturz von Würenlingen, hofft, dass der Fall nun richtig an die Hand genommen wird. Enttäuscht ist er über einige Aargauer Politiker.

Andreas Fahrländer
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Arthur Schneider, alt Ammann von Würenlingen und Autor der Chronik «Goodbye everybody».

Arthur Schneider, alt Ammann von Würenlingen und Autor der Chronik «Goodbye everybody».

Angelo Zambelli/Keystone

Herr Schneider, sind Sie erleichtert, dass jetzt wieder Bewegung in den «Fall Würenlingen» kommt?

Arthur Schneider: Man ist immer froh, wenn sich etwas bewegt. Die Amtsstellen sind nicht immer die Schnellsten. Klar, sie brauchen Zeit zum Recherchieren. Aber hin und wieder muss man sie etwas «stupfen».

Arthur Schneider

Der Unternehmer war 24 Jahre lang Gemeinderat und anschliessend 16 Jahre Gemeindeammann von Würenlingen AG. 1970 war sein erstes Amtsjahr.

Sie bleiben also an der Sache dran?

Ich möchte den National- und Ständeräten für die nächste Session wieder etwas auf den Weg geben. Ich habe schon 2015 allen Parlamentariern ein Exemplar meines Buches geschickt. Das Echo darauf hat sich in Grenzen gehalten. Aber immerhin sind wir jetzt einen Schritt weiter.

Hatten Sie sich mehr Unterstützung erhofft?

Von den Aargauer Vertretern hätte ich teilweise mehr erwartet. Von den beiden Ständeräten habe ich zum Beispiel nie etwas gehört. Der Aargauer Regierungsrat und sowohl Bundesrat Burkhalter als auch der damalige Bundespräsident Schneider-Ammann haben mir geantwortet und sich der Sache angenommen. Das fand ich vorbildlich.

In der Folge wurde die Interparlamentarische Arbeitsgruppe «IDA 70» gegründet.

Die Arbeitsgruppe hat ihren Bericht im Frühjahr 2016 an die Geschäftsprüfung weitergeleitet. Dann geschah wieder monatelang nichts. Dank der Anfrage von Nationalrat Maximilian Reimann vom letzten Dezember und der Antwort des Bundesrates liegt der Fall jetzt wieder bei der Bundesanwaltschaft.

Flugzeugabsturz in Würenlingen (1970)
10 Bilder
Am 21. Februar 1970 explodierte - kurz nach dem Start - im Frachtraum einer Swissair-Maschine eine Bombe. Sie soll von palästinensischen Terroristen stammen.
Trümmerteile des Swissair-Flugzeuges liegen verstreut im Wald in der Nähe von Würenlingen.
Passanten sehen sich die Trümmer des Flugzeuges an.
Der Captain versuchte nach der Detonation zum Flughafen Kloten zurückzufliegen. Die Maschine stürzte jedoch bei Würenlingen in einen Wald ab.
Die 38 Passagiere und die 9 Besatzungsmitglieder kamen bei dem Absturz ums Leben.
Die Trümmer der Maschine.
Die Trümmer der Maschine.
Am 7. März 1971 wird an der Absturzstelle im Wald von Würenlingen eine Gedenkstätte eingeweiht. Sie besteht auch heute noch.
Ein Wegweiser führt in Würenlingen zum Denkmal bei der Absturzstelle im Wald.

Flugzeugabsturz in Würenlingen (1970)

KEYSTONE

Was ist Ihre Hoffnung für den «Fall Würenlingen?»

Ich hoffe, dass der Fall jetzt richtig an die Hand genommen wird. Es ist für mich nicht einfach ein Freizeitjob. Es ist der Wunsch der Angehörigen, dass es endlich Antworten gibt. Für die Angehörigen ist der Fall nicht erledigt. Sie möchten wissen, ob die Mörder von damals bestraft wurden oder nicht. Und wenn nicht, warum nicht. Deshalb ist es auch richtig, dass der Fall nicht verjährt ist. Der Terroranschlag war kein Unfall, das war ein Kriegsverbrechen.