SVP-Nationalrat Heinz Brand war 2011 kaum gewählt, da wurde er bereits als möglicher Bundesratskandidat gehandelt. Der Prättigauer verfügt mit 25 Jahren an der Spitze des Bündner Migrationsamts über ein Ausmass an Erfahrung, von dem gestandene Asylpolitiker nur träumen können. Das zeigte sich vor kurzem wieder, als der Kanton Aargau mit der Unterbringung von Asylbewerbern in Militärzelten Schlagzeilen machte. Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern liess sich der 59-Jährige von der Meldung nicht beeindrucken. Das sei kein Novum, beschied er Journalisten, das habe es schon einmal gegeben – Ende der Achtzigerjahre in Kreuzlingen.

Diese Dossierkenntnis dürfte mit ein Grund sein, weshalb ihn seine Kantonalpartei bei der Findungskommission der SVP als Kandidaten für die Bundesratswahlen vom 9. Dezember gemeldet hat. Er selber äussert sich nicht zu seinen Ambitionen, doch Recherchen der «Nordwestschweiz» bestätigen die entsprechende Meldung der «Schweiz am Sonntag» vom Wochenende.

Bis zu einer möglichen Wahl Brands in die Landesregierung liegt noch ein weiter Weg vor ihm. Die SVP entscheidet laut Vize-Fraktionschef Felix Müri voraussichtlich an ihrer Sitzung vom 20. und 21. November, wer auf das Ticket für die Bundesratswahlen kommt. Vorausgesetzt, Heinz Brand schafft die Wiederwahl in den Nationalrat am 18. Oktober wie erwartet, sind seine Chancen auf eine Nomination als Kampfkandidat gegen BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf intakt.

Freunde, aber auch Feinde

Viele angefragte SVP-Fraktionsmitglieder sehen in Brand einen valablen Anwärter. «Er ist einer der wenigen Brauchbaren, die wir haben», lobt ein Deutschschweizer Nationalrat. «Er kennt sich bei technischen Fragen bis ins Detail aus und kann sich dennoch verständlich ausdrücken.» Ein weiterer sagt: «Wenn Brand an Fraktionssitzungen spricht, wird es ruhig. Das ist ein klares Zeichen, dass er ernst genommen wird.»

Was bisher weniger bekannt war: Brand hat fraktionsintern auch Feinde. Mehrere prominente SVP-Politiker äussern auf Anfrage der «Nordwestschweiz» Vorbehalte gegenüber dem Bündner. «Er hat als langjähriger Chefbeamter im Kanton Graubünden sicher eine hohe Fachkompetenz. Die Frage sollte aber eher lauten: Wollen wir einen Beamten als Bundesrat?» Derselbe Parlamentarier kritisiert, Brand habe sich in seiner Zeit im Bündner Migrationsamt in erster Linie mit Vollzugsfragen im Asylwesen beschäftigt, nicht aber mit der Verhinderung neuer Gesuche. «Wir brauchen nicht jemanden, der 25'000 Einzelfälle im Detail kennt. Wir brauchen jemanden, der innovativ ist und Führungserfahrung hat. Zum Beispiel einen Wirtschaftsführer.»

Auch ein anderer Brand-Gegner schlägt in diese Kerbe: «Wir benötigen im Bundesrat keinen Beamten, der verwaltet, sondern unternehmerisch denkende Leute mit Mut zu neuen Ideen. Als Bundesrat ist Heinz Brand keine gute Lösung.» Wenn einer jahrzehntelang in Beamtenstuben verbringe, präge dies die Geisteshaltung des Betroffenen.

Wo steht Blocher?

Eine grosse Unbekannte ist, wie SVP-Chefstratege Christoph Blocher zu Heinz Brand als möglichem Bundesratskandidaten steht. Dass es zwischen den beiden auch schon zu Misstönen kam, ist kein Geheimnis: Im Sommer 2014 beklagte sich Brand öffentlich, nachdem die Parteileitung entschieden hatte, im Wahljahr auf Blochers Landes- vor Völkerrechts-Initiative und nicht auf sein eigenes Konzept für eine Asyl-Initiative zu setzen.

Im Nationalratswahlkampf im Kanton Graubünden jedoch steht er Seite an Seite mit Blochers Tochter. Pikant: Für den Fall, dass Magdalena Martullo-Blocher im Oktober die Wahl in den Nationalrat verpasst, könnte sie seinen Sitz erben, wenn er im Dezember in den Bundesrat gewählt würde. Das macht die Kandidatur Brand umso spannender.