Elisabeth Seifert

«Jetzt arbeite ich eben noch mehr und schaue gar nicht mehr aus dem Fenster», witzelt Roland Fürst - angesprochen auf das Wahlplakat seines Konkurrenten Roland F. Borer, das an einem Laternenmast gegenüber seinem Büro in der Solothurner Handelskammer hängt. Über zu wenig Arbeit kann sich der 48-Jährige derzeit sicher nicht beklagen. Neben seiner Tätigkeit als Direktor der Handelskammer, wo er zusammen mit neun Angestellten die Interessen von rund 520 Firmen vertritt, jagt er als Ständeratskandidat von einem Anlass zum nächsten. Dennoch wirkt er ruhig und entspannt. Wohl nicht nur, weil er kürzlich seine Ferien auf den Malediven, seiner Traumdestination, verbracht hat. «Ich bin sehr belastbar und ebenso kontrolliert», sagt er von sich.

Konsequent an der Karriere gearbeitet

Roland Fürst ist ein stiller Schaffer. Es liegt ihm nicht, grosses Aufhebens um seine Person zu machen, weder um sich als Berufsmann und schon gar nicht als Politiker. «Politik ist für mich Mittel zum Zweck und keine Selbstdarstellungsplattform.» Still heisst aber nicht untätig. Das zeigt ein Blick auf seine Website, die der bekennende Informatikfreak professionell gestaltet hat. Hier empfiehlt sich Fürst mit einem lückenlosen Lebenslauf.

Er ist ein Mann, der konsequent an seiner beruflichen Karriere gearbeitet hat. Daneben hat der CVP-Politiker, der bereits in einer christdemokratischen Familien aufgewachsen ist, die klassische politische Ochsentour absolviert. Während 14 Jahren präsidierte er den Gemeinderat Gunzgen, bevor er 2005 in den Kantonsrat gewählt worden ist. 2007 kandidierte er für den Nationalrat. Begleitet wird dieser Werdegang von zahlreichen Verwaltungsratsmandaten und Mitgliedschaften, die ihm vor allem im unteren Kantonsteil zu einem hohen Bekanntheitsgrad verholfen haben.

Als Direktor der Solothurner Handelskammer versteht sich Fürst als ein Mann der Wirtschaft. Im Kantonsrat hat er zusammen mit Vertretern des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes die parlamentarische Gruppe Wirtschaft und Gewerbe ins Leben gerufen, der mittlerweile die Hälfte aller Parlamentarier angehört. Das Gremium habe etwa die kantonale Umsetzung des neuen Berufsbildungsgesetzes kritisch begleitet. «Beinahe alle unsere Verbesserungsvorschläge sind vom Kantonsrat berücksichtigt worden», unterstreicht Fürst. Zudem habe die Gruppe durchgesetzt, dass sich die Regierung für den raschen Bau eines Kernkraftwerks im Niederamt einsetzt.

Ein Biologe als Wirtschaftsförderer

Als «Wunschkonstellation» bezeichnet er die Verbindung seiner Funktion als Direktor der Handelskammer mit einem eidgenössischen Mandat. «Dadurch könnte ich Synergien nutzen.» Als Handelskammerdirektor sei seine politische Arbeit bereits jetzt nicht auf den Kanton beschränkt. Über seine Mitgliedschaft beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse etwa, oder durch die Zugehörigkeit zum Gremium der kantonalen Handelskammerdirektoren vertrete er schon heute die Interessen der Wirtschaft auf nationaler Ebene.
«Ich setze mich dabei nicht nur für eine freie und wettbewerbsfähige, sondern auch für eine umwelt- und sozialverträgliche Marktwirtschaft ein», betont der CVP-Politiker. Eine nachhaltige Wirtschaftsförderung sei in den Statuten der Solothurner Handelskammer verankert, was ihn 2006 bewogen habe, sich für die Aufgabe als Direktor zu bewerben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der studierte Biologe nämlich keineswegs eine typische Wirtschafskarriere hinter sich. Sein Studium schloss er mit einer ökologisch ausgerichteten Arbeit ab und war dann lange Zeit im Informatikbereich tätig, zuletzt als Geschäftsführer des grössten Informatikverbandes der Schweiz. «Eine funktionierende Wirtschaft ist die Grundlage dafür, dass es uns gut geht», begründet er seinen Schritt in die Wirtschaftsförderung.

Traditionell organisierte Familie

Roland Fürst hat sich etabliert, nicht nur beruflich und politisch, sondern auch privat. Aufgewachsen in Gunzgen, kehrte er nach seinem Studium in Basel und einem sechsjährigen Abstecher nach Rickenbach Anfang der 90er-Jahre zu seinen Wurzeln in Gunzgen zurück. Zusammen mit seiner Frau Gabriela, den beiden Töchter Michelle (19) und Flavia (15) sowie zwei Katzen und einem Hund wohnt er im eigenen Haus samt Garten. Seine Frau kümmert sich dabei, ganz traditionell, um das allgemeine Wohl. «Sie ist zu Hause der Chef, ich kann davon profitieren.» Die Wochenenden verbringt er denn auch am liebsten daheim. «Es braucht dann schon ziemlich viel, um mich aus dem Haus zu locken», hält er schmunzelnd fest. In der Familie Fürst wird ein reger Gedankenaustausch gepflegt: «Wir reden am Esstisch über Gott und die Welt.» Der Familienmann ist aber auch gern mal ganz für sich allein, nur er und die geliebte Filmmusik - oder aber er frönt am PC seiner Informatikleidenschaft.