Konzeptänderung
Der SRF-Polit-Talk «Arena» wird zur Mitmach-Show

Die Bürgerinnen und Bürger wollen im Zeitalter von Social Media überall mitreden. Auch im Fernsehen. Erstaunlich lange ist das – ausgerechnet – SRF nicht aufgefallen.

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Trotz vielversprechender Gäste kam die «Arena» nicht richtig in Fahrt.

Trotz vielversprechender Gäste kam die «Arena» nicht richtig in Fahrt.

Screenshot SRF

Allmählich bewusst geworden, schreibt die Zeitung „Schweiz am Sonntag“, ist der eklatante Demokratiemangel auf ihren eigenen Bildschirmen den Sender- und Sendeverantwortlichen bei SRF erst, als die Bürger übers Fernsehen reden wollten: im Abstimmungskampf zur Änderung des Gebührensystems vergangenen November. Unter Druck der lichterloh aufgeflammten Service public-Debatte hievte SRF eine Sendung über sich selbst ins Programm: «Hallo SRF».

Damit sei er in sein neues Konzept „reingestolpert“, sagt „Arena“-Chef Jonas Projer der „Schweiz am Sonntag“. Definitiv dazu entschlossen, das TV-Stimmbevölkerung in seine Sendung einzubinden, habe er sich zusammen mit seinem Team dann aber erst im Abstimmungskampf um die SVP-Durchsetzungsinitiative: «Die Abstimmungs-Arena war schon gelaufen, aber mein Team und ich spürten, wie sehr dieses Thema den Leuten unter den Nägeln brennt», sagt Projer. «Also entschieden wir, Politiker mit den Fragen von Bürgerinnen und Bürgern zu konfrontieren.»

Heute, sieben «Arena»-Sendungen später, kann sich Projer Sendungen ohne Zuschauerbeteiligung gar nicht mehr vorstellen. Sie seien die «neue Säule» des Talk-Formats: „Das ist zwar eine grosse Herausforderung, führt aber zu besseren Sendungen», so Projer weiter. «Die Publikumsfragen zwingen Politikerinnen und Politiker, auf Phrasen zu verzichten. Und mich dazu, die Diskussion zu erden, nicht technisch zu bleiben.» Dafür ändert Projer jetzt sogar das Konzept seiner Sendung.

Der Prüfstand, eine Art heisser Stuhl, auf dem der Moderator Politiker bestenfalls grilliert, wird gestrichen. „Der Prüfstand hat den Fluss der Debatte gestört, deshalb kippen wir ihn aus der Sendung.“ Ausnahme: die Abstimmungs-«Arena», die ohne Zuschauerbeteiligung bleiben soll. Projer erklärt das mit dem Risiko, die Ausgewogenheit nicht garantieren zu können: «Die Themen sind Wochen im Voraus bekannt. Komitees würden knallhart versuchen, geschulte Fragensteller in die Sendungen zu schmuggeln, die wir mit Google-Recherchen nicht enttarnen können.»

Die Einbindung der Zuschauer und der Einsatz von Social-Media – durch Projer persönlich – führt zu grossem Mehraufwand. «Wir sind am Anschlag mit der Bewältigung des Publikumsdialogs, den wir in sozialen Medien auslösen», sagt Projer. Darauf verzichten will er trotzdem keinesfalls mehr: «Ich sehe es im Sinne des Service public als meine Pflicht, auf Twitter und Facebook präsent zu sein“. Dafür muss Projer sich jetzt neben den Einflussversuchen aus der Politik mit einem weiteren mächtigen Mit- und Gegenspieler direkt auseinandersetzen: dem Publikum.

«Arena»-Chef Projer weist Kritik der SP als „haltlos“ zurück

Die «Arena» gibt derzeit auf Facebook und Twitter zu reden. Einerseits wird Kritik geäussert (zu viele rechte Themen, zu wenig Frauen in der Sendung), andererseits gefordert, die Offshore-Enthüllungen zum Thema zu machen. Die Facebook-Gruppe «PanamArena» mit 469 Mitgliedern will, «dass die nächste ‹Arena› sich nicht um irgendwelchen Islam-Gugus oder Flüchtlings-Panik dreht, sondern um die Panama Papers», wie die Zeitung „Schweiz am Sonntag“ schreibt.

SP-Parlamentarier haben am Freitag in diese Kritik eingestimmt und werfen den TV-Machern in einem offenen Brief «rechtes Agenda-Setting» vor. Parteipräsident Christian Levrat unterstützt den Protest, wie er gegenüber der „Schweiz am Sonntag“ sagt: «Wirtschaftliche und soziale Themen werden kaum je zum Thema gemacht. Es scheint, als würde die Sendung aus voreilendem Gehorsam für die SVP gemacht».

«Arena»-Chef Jonas Projer weist die SP-Kritik als «haltlos» zurück: «Der Vorwurf, wir würden rechte Themen bewirtschaften, trifft in keiner Weise zu. Das Thema Flüchtlinge – zum Beispiel – beschäftigt alle.» Eine neue Erfahrung ist für Projer der Druck aus dem Publikum: «Dass sich Zuschauer verbünden, um ein bestimmtes Thema in die Sendung zu bringen, ist ein neues Phänomen.»

Er behandle Publikums-Anregungen aber gleich wie Kritik aus der Politik: «Wir prüfen, was daran berechtigt ist, und ziehen unabhängig unsere Schlüsse.» Dass auch die Politiker vermehrt via soziale Medien Druck ausüben, beobachtet er kritisch: «Auf diesen Kanälen will ich vor allem für Bürgerdialoge da sein.»

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