Neben der Suche nach Lehrerinnen und Lehrern für den Kindergarten bekunden Schulleiter weiterhin Mühe, passende Heilpädagogen und Französischlehrer zu finden. Die Ironie dabei: Die Kantone selbst haben den Mangel an Sprachspezialisten entfacht. Die monatelange Diskussion in Zürich, Nidwalden oder Thurgau, Französisch aus der Primarstufe zu verbannen, haben nicht nur den Bundesrat Alain Berset erzürnt, sondern auch viele Studenten an den Pädagogischen Hochschule abgeschreckt. Sie wählten lieber andere Spezialisierungen. Die Folgen sind bis heute spürbar.

Allerdings ist Besserung in Sicht: Weil selbst die in den Medien als «unbeugsam» bezeichneten Thurgauer vor wenigen Wochen entschieden haben, am Frühfranzösisch festzuhalten, dürfte die Idee endgültig gestorben sein. Das wird dem Mangel entgegenwirken. Studierende können wieder ohne Bedenken Französisch als Ausbildungsfach wählen.

Aussichtslose Suche

Weniger optimistisch sind die Schulleiter bei den Heilpädagogen. So geben im Kanton Bern drei Viertel der über 100 befragten Schulleiter an, dass es «schwierig bis aussichtslos» sei, eine ausgebildete Fachkraft zu finden. Besonders betroffen sind ländliche Schulen, wie der Verband der Berner Schulleiter auf Anfrage mitteilt. Dort gäbe es auf allen Stufen kaum oder nur wenige Bewerbungen auf offene Stellen. In den anderen von der «Nordwestschweiz» angefragten Kantonen klingt es ähnlich. Das führte in der Vergangenheit zu Besonderheiten. So haben einige Luzerner Schulen ihre Stelleninserate angepasst: Ein Abschluss ist nicht nötig, um sich zu bewerben, heisst es darin, es reiche eine «begonnene Ausbildung» in schulischer Heilpädagogik. In Bern wurde vor einem Jahr gar gefordert, den Mangel durch Fachleute aus komplett anderen Berufen zu bekämpfen: Töpfer, Schreiner oder Bauern sollten aushelfen. Daraus wurde nichts.

Die Ursache des Problems liegt in der Betreuung: Durch die Integrative Förderung – bei der verhaltensauffällige Kinder in der Regelklasse bleiben – werden heute mehr Heilpädagogen benötig. Früher kümmerte sich ein Lehrer in einer Sonderklasse um diese Kinder. Zur Not übernehmen heute anders ausgebildete Lehrpersonen.

Lesen Sie auch den Kommentar: Männer in die Primarschule: Umdenken, jetzt