Angeblich ist das Problem gelöst. Das Parlament sprach dieser Tage einen Nachtragskredit von 215 Millionen. Damit soll der Verlust bezahlt werden, den der Bund erleidet, weil er für 13 unrentable Hochseeschiffe bürgt. Für die zwölf Schiffe der angeschlagenen SCL-/SCT-Gruppe von Reeder Hansjürg Grunder seien Verkaufsverträge unterschrieben, so das Wirtschaftsdepartement (WBF) von Johann Schneider-Ammann Mitte Mai. Für das 13. Schiff zeichne sich eine Lösung ab.

Nun sagt aber ein Insider zur «Nordwestschweiz»: Elf der Schiffe seien noch gar nicht verkauft. Der Bund habe sie einem «Zwischenhändler» überlassen, der sie verkaufen wolle und eine Kommission kassiere. «Verkauft wurden erst zwei Schiffe, die Sabina und die Céline.» Über einen Makler an «seriöse, branchenbekannte Türken».

Beim «Zwischenhändler» handelt es sich um den kanadisch-libanesischen Geschäftsmann Talal Hallak. Ein Name, der in der Branche Stirnrunzeln generiert. «Es gibt Gerede», sagt ein deutscher Branchenkenner. Etwa, dass «der Mann kein Geld hat». Seine Firma, die Schiffe betreibt, sei praktisch inaktiv.

Käufer ohne Geld?

Um mit dem Bund ins Geschäft zu kommen, brauchte Hallak, der bisweilen auch über Panama-Firmen geschäftet, laut Insidern Garantien. Die lieferte ihm ein Immobilientycoon aus Montreal (Kanada), dessen Eltern einst aus Sizilien einwanderten. Er soll einige Millionen beim Bund hinterlegt haben. Aber der Bund habe keine echte Garantie, dass der «Agent» wirklich alle Schiffe verkaufe, so der Insider.

Hallak war langjähriger Geschäftspartner von Grunder, Eigner der Krisen-Flotte. Sie betrieben etwa eine Firma im Offshore-Zentrum Isle of Man. Die beiden sind allerdings längst verkracht. Hallak erstritt vor einem Schiedsgericht fünf Millionen von Grunder. Umgekehrt soll Hallak selbst zu Grunders Finanzproblemen beigetragen haben, indem er Heuer, Treibstoffe und Hafengebühren nicht zahlte. Grunder musste in den eigenen Sack greifen, um Schiffe freizukaufen. Freunde von Grunder berichten, dieser sei «erschüttert», dass just dieser Hallak «seine» Schiffe erhalte. Hallak wollte sich auf Anfrage nicht zum Deal mit dem Bund und seiner Rolle äussern. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Gab es bessere Angebote?

«Etwas anrüchig» sei das Geschäft, das der Bund hier «ohne Not» abgeschlossen habe, urteilt ein ausländischer Experte. Denn es hätte eine «transparente, normale» Lösung gegeben: «Es gab Käufer, die schlussendlich sogar einen Tick mehr bezahlt hätten». Alle Schiffe hätten einzeln verkauft werden können, an branchenbekannte Käufer. Das hätte aber wohl länger gedauert. Und der Bund wollte das Problem offenbar schnell vom Tisch haben, um den Nachkredit durchzupauken.

Das WBF von Bundesrat Schneider-Ammann will weiterhin nicht sagen, wem die Schiffe zu welchen Konditionen verkauft werden. «Die Vertragsmodalitäten richten sich wesentlich nach internationalen Standards», betont Informationschef Noé Blancpain. «Gute Grundlagen für einen erfolgreichen Vollzug» des Verkaufsgeschäfts seien damit gelegt.

Ist sicher, dass die Schiffs-Abnehmer nicht in unsaubere Geschäfte verwickelt sind? «Der Bund hat die aus Sicht des Bürgen und Pfandberechtigten erforderlichen Abklärungen getroffen. Im Weiteren sind auch Banken und weitere Stellen in den Verkaufsprozess eingebunden, was die nach dem Geldwäschereigesetz verlangten standardmässigen Prozesse hinsichtlich Prüfung von Mittelherkunft und -erwirtschaftung sicherstellt», so Blancpain.

Nicht lockerlassen wollen allerdings Leute wie SVP-Nationalrat Ueli Giezendanner (AG). Der sehr gut in der Branche vernetzte Transportunternehmer war einer der wenigen, die den 215-Millionen-Nachkredit offen kritisiert haben. Im Parlament sagte er, dass sich «ein paar windige Unternehmer» am Schiffsdeal «gesundstossen». Und er befürchtet: Der Bund verliert noch mehr Geld – 520 Millionen an Schiffsbürgschaften sind ausstehend.