Kaum einer kennt sie mehr, weil sie so selten sind. So können stark bedrohte Pflanzenarten einfach unbemerkt verschwinden. Sehr konkret wird dieser stille Artenverlust am Beispiel einer Birke, die an einem Waldrand in Abtwil SG wächst.

Der Kanton St. Gallen hat sich zum Ziel gesetzt, den Verlust an Biodiversität aufzuhalten. Dazu gehören Bestandsaufnahmen der gefährdetsten Arten. Nun haben die Behörden den Zustandsbericht über 51 der seltensten Pflanzenarten im Kanton vorgelegt.

Fortschreitender Lebensraumverlust

Ausserhalb der Schweiz kommt die Niedrige Birke durchaus noch vor, vor allem in nördlichen Gebieten, wie Simon Zeller, Abteilungsleiter Natur und Landschaft beim Kanton St. Gallen gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärte.

Das Verschwinden von Betula humilis aus der Schweiz illustriert aber den Lebensraumverlust, der viele Arten hierzulande an den Rand des Aussterbens gebracht hat - oder bereits einen Schritt weiter.

Bei der Niedrigen Birke handelt es sich um ein Eiszeitrelikt: Diese Art war vor langer Zeit in der Schweiz weit verbreitet. Insbesondere die Zerstörung der Moore im letzten Jahrhundert liess den Bestand jedoch drastisch schrumpfen. Wo das letzte Individuum heute noch wächst, befinden sich die letzten Reste eines einst grossen Moorgebiets.

Noch sei der Baum gesund und mache einen guten Eindruck, sagte Zeller. Aber mit steigenden Temperaturen und trockeneren Bedingungen durch den Klimawandel könnte es auch mit der letzten Niedrigen Birke der Schweiz früher oder später vorbei sein.

Kampf gegen das Verschwinden

Von zehn der 51 überprüften Arten fanden die Experten nur noch wenige Exemplare an je nur einem einzelnen Standort. Sieben konnten sie zumindest im Kanton St. Gallen gar nicht mehr nachweisen.

Um das Verschwinden von Arten zu verhindern, setzen die Behörden in erster Linie auf den Erhalt und die bessere Vernetzung von Lebensräumen. Wo das nicht mehr reicht, gibt es auch spezielle Projekte, um die Individuenzahl wieder zu erhöhen.

So auch bei der Niedrigen Birke: Fachleute des Botanischen Gartens St. Gallen versuchen, die Birke aus Stecklingen nachzuzüchten. Allerdings handelt es sich dabei dann nur um genetisch identische Klone des Baums in Abtwil SG.